Solarbranche
Q-Cells schockt Branche und Analysten

Die Wirtschaftskrise hat nun auch die Boom-Branche Photovoltaik endgültig erfasst. Der weltgrößte Solarzellen-Hersteller Q-Cells schockte die Märkte mit einer Gewinn- und Umsatzwarnung. Grund: Die Nachfrage lässt spürbar nach. An der Börse sackten die Papiere von Q-Cells ab – und zwar mehr als deutlich. Der Siliziumhersteller Wacker Chemie sieht sich bislang nicht berührt.

HB BITTERFELD-WOLFEN. Das erfolgsverwöhnte Unternehmen aus Bitterfeld-Wolfen senkte seine Prognosen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr. Wegen Unsicherheiten und der schwächeren Nachfrage infolge der Finanzkrise hätten einige Kunden „in den vergangenen Tagen“ die Abnahme vereinbarter Mengen in das nächste Jahr verschoben, teilte das Unternehmen mit. Für diese Mengen seien kurzfristig keine anderen Abnehmer gefunden worden. Das Produktionsvolumen für das Gesamtjahr werde daher bei 570 Megawatt liegen; geplant waren bislang 585 Megawatt.

Die Aktien des im TecDax gehandelten Unternehmens brachen zum Handelsauftakt um mehr als 32 Prozent auf 18,45 Euro ein. Händler sprachen von schwindendem Vertrauen durch die Gewinnwarnung. „Die Reduzierung der Prognose ist natürlich negativ“, sagte Analyst Sebastian Growe von equinet. Noch schwerer wiege allerdings der Vertrauensverlust. Schließlich habe das Unternehmen erst vor einer Woche die Zuverlässigkeit seiner Prognosen beteuert.

Vorstandschef Anton Milner hatte Anfang Dezember mit gegensätzlichen Aussagen zur Zukunft seines Unternehmens für Verwirrung gesorgt. Gegenüber der „Berliner Zeitung“ hatte Milner vor einem schwächeren Wachstums der Solarbranche wegen der Finanzkrise gewarnt - und damit die Q-Cells Aktie auf Talfahrt geschickt. Am nächsten Tag hatte Milner der „Financial Times Deutschland“ gesagt, der erwartete Wachstumsrückgang gelte nur für die Konkurrenz.

Für den Umsatz rechnet der Solarzellen-Hersteller nun mit 1,225 Mrd. Euro statt 1,35 Mrd. Euro. Auch die Erwartungen für das operative Ergebnis (EBIT) senkte das Unternehmen. Es soll im Kerngeschäft bei 230 Mio. Euro und für den gesamten Konzern bei etwa 205 Mio. Euro liegen. Bisher hatte Q-Cells für den Konzern mit 260 Mio. Euro gerechnet. Auch beim Überschuss nahm Q-Cells sein Ziel zurück von 215 auf rund 185 Mio. Euro.

Wegen der veränderten Lage im Markt soll bei Q-Cells die Produktion über die Weihnachtstage und den Jahreswechsel erst einmal stillstehen und „für Wartungsarbeiten und den Abbau von Überstunden“ genutzt werden. Auch für das nächste Jahr gab sich der Solarzellen-Hersteller nicht optimistischer. So sei auch zum Jahresbeginn wegen der schwierigeren Finanzierungsmöglichkeiten und der allgemeinen Unsicherheit mit einer schwachen Nachfrage zu rechnen.

Für das Gesamtjahr 2009 erwartet Q-Cells nun eine Produktion zwischen 800 und 1 000 Megawatt. Bislang wollte der Solarzellen-Hersteller mindestens 1 000 Megawatt produzieren. Entsprechend senkte Q-Cells auch seine Prognose für den Konzernumsatz. Er soll zwischen 1,75 und 2,25 Mrd. Euro (bisher 2,25 Mrd Euro) liegen, was immer noch einem Umsatzwachstum von mindestens 40 Prozent entspräche.

„Aufgrund der zunehmenden Attraktivität der Rendite von Photovoltaik-Anwendungen“ rechnet das Unternehmen, das bislang als aussichtsreicher Kandidat für den deutschen Top-Index Dax gilt, spätestens im zweiten Halbjahr 2009 wieder mit einer steigenden Nachfrage. Mittelfristig sei der Trend daher unverändert positiv, hieß es. Bei den Investitionen soll im kommenden Jahr der Fokus auf dem Ausbau der Produktionskapazitäten für kristalline Solarzellen sowie auf die Mehrheitsbeteiligungen im Dünnschichtbereich liegen.

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