Solarbranche
Q-Cells storniert teuren Liefervertrag

Der weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells hat Liefervertrag für metallurgisches Silizium praktisch aufgelöst. Der erst im vergangenen Jahr geschlossene Kontrakt hätte vorgesehen, dass Q-Cells sehr viel mehr Silizium abnehmen hätte müssen als nötig.

HB BITTERFELD-WOLFEN. Statt wie ursprünglich vereinbart 3 000 Tonnen müssen die Sachsen-Anhalter nun in diesem Jahr nur noch 100 Tonnen des Materials vom kanadischen Hersteller Timminco abnehmen, wie Q-Cells am Dienstag in Bitterfeld-Wolfen mitteilte. Damit reagiert die TecDax-Gesellschaft auf den Preisverfall für Silizium und die Drosselung seiner Produktion.

Bis 2013 sah der Kontrakt eigentlich die Abnahme von bis 21 000 Tonnen vor. Nun gibt es den Angaben zufolge für die Jahre 2010 bis 2013 es keine festgelegten Abnahmemengen mehr. Liefervolumen, Preise und weitere Bedingungen sollen jeweils „im Rahmen der herrschenden Marktlage in weiteren Verhandlungen“ festgelegt werden. Zudem zahlt Timminco den Angaben zufolge eine von Q-Cells bereits geleistete Anzahlung von knapp neun Mio. Euro samt Zinsen zurück. Aktien des Zellenherstellers verloren bis zum Mittag knapp 1,8 Prozent auf 18,09 Euro und rangierten damit im Mittelfeld des TecDax.

Für Analysten war die Nachricht keine Überraschung. Damit sei zu rechnen gewesen, sagte Unicredit-Experte Michael Tappeiner. Wegen des Preisverfalls für reines, multikristallines Silizium gebe es keinen Bedarf mehr für das billigere, aber weniger leistungsfähige sogenannte direkt gereinigte metallurgische Silizium. Vor einem Jahr war reines Silizium noch Mangelware und deshalb entsprechend teuer und Alternativen gefragt. Doch inzwischen ist der Siliziumpreis wegen aufgebauter Überkapazitäten und des Nachfrageeinbruchs nach Solaranlagen infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise eingebrochen.

Von dem einst umfänglichen Liefervertrag zwischen Q-Cells und Timminco ist nach Einschätzung von UniCredit-Analyst Tappeiner nicht mehr ein Forschungs- und Entwicklungsabkommen übrig geblieben. Damit bleibe Q-Cells aber in der Lage, künftig das Material einzusetzen. „Wir sehen direkt gereinigtes metallurgisches Silizium weiterhin als mittel- und langfristig wichtigen Rohstoff für die Herstellung von Solarzellen“, sagte Q-Cells-Chef Anton Milner laut Mitteilung. „Unsere Technologie-Abteilung arbeitet intensiv mit Timminco zusammen.“ Rene Boisvert, Chef der Timminco-Tochter Bécancour Silicon betonte, dass Q-Cells ein wichtiger Kunde sei. Sein Unternehmen freue sich auf langfristige Zusammenarbeit.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%