Solarbranche
Q-Cells verspielt Vertrauen

Der weltweit größte Hersteller von Solarzellen Q-Cells muss seine Umsatz- und Gewinnprognose nach unten korrigieren. Weil die Nachfrage nur schwach zunimmt und der Preis für Solarzellen fällt, sinkt auch das Vertrauen der Anleger in die Branche. Die erfolgsverwöhnten Solarunternehmen geraten unter Druck.

DÜSSELDORF. Eine unerwartete Senkung der Prognosen von Q-Cells hat gestern die Kurse der gesamten Solarindustrie in die Tiefe gerissen. Die in Bitterfeld-Wolfen beheimatete Q-Cells senkte gestern die Umsatz- und Gewinnprognose sowohl für das laufende Jahr als auch für 2009. Der Vorstandsvorsitzende Anton Milner begründete dies mit einer seit Anfang Dezember wesentlich schwächeren Nachfrage. Wegen der wachsenden Unsicherheiten und der Finanzkrise hätten Kunden in den vergangenen Tagen die Abnahme vereinbarter Mengen in das nächste Jahr verschoben.

Q-Cells gilt als weltgrößter Hersteller von Solarzellen, dem Vorprodukt für die Herstellung von Solarmodulen, mit denen Strom aus der Sonnenenergie gewonnen wird. Das Unternehmen galt bisher als Vorzeigeunternehmen der Branche, da es sehr langfristige Verträge sowohl für die Versorgung mit dem knappen Rohstoff Silizium hat als auch wegen der weitgehend ausverkauften Produktion. Hohe Börsenkurse brachten dem Unternehmen eine sehr gute Bewertung, und es galt als Kandidat für die Aufnahme in den Dax-30.

Noch Mitte November hatte der Vorstand die Umsatzprognose für das laufende Jahr leicht angehoben. Jetzt erwartet Q-Cells für 2008 nur einen Umsatz von 1,23 Mrd. Euro, bisher lag das Umsatzziel bei 1,35 Mrd. Euro. Auch der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) wird niedriger ausfallen. Q-Cells erwartet jetzt ein Ebit im Konzern von 205 Mio. Euro statt bisher prognostizierter 260 Mio. Euro. Erst vom zweiten Halbjahr 2009 an erwartet Q-Cells wieder eine stärkere Nachfrage und senkt daher auch für 2009 die Prognosen. Der Konzernumsatz werde zwischen 1,75 Mrd. und 2,25 Mrd. liegen statt der bisher angenommenen 2,25 Mrd. Euro.

An der Börse kam die Nachricht schlecht an. Analysten senkten reihenweise die Bewertungen und sprachen von Vertrauensverlust, da Q-Cells-Chef Milner vor kurzem nicht nur die Prognose bestätigt hatte, sondern in einem Interview auch noch gesagt hatte, dass die Finanzkrise nur die Konkurrenz betreffe. Karsten von Blumenthal von SES Research senkte die Bewertung der Aktie von „Kaufen“ auf „Halten“. Sebastian Zank von der West-LB zeigte sich skeptisch, ob Q-Cells die hohe Profitabilität halten könne. Die Aktie von Q-Cells fiel zunächst um über 30 Prozent. Später konnte sie den Verlust auf etwas über 20 Prozent begrenzen.

Die Aktienkurse anderer Solarfirmen gerieten ebenfalls unter Druck. Die Aktie von Solarworld fiel zunächst um 14 Prozent, begrenzte dann den Verlust auf rund acht Prozent. Die Aktie von Solon drehte nach einem Anfangsverlust von knapp sieben Prozent sogar wieder knapp ins Plus. Viele Solarfirmen beeilten sich mit beruhigenden Stellungnahmen. Bei Schott-Solar hieß es, es gebe keine Verschiebungen, da das Unternehmen vorwiegend fertige Solarmodule an den Handel und die Installateure liefere. Wacker-Chemie, einer der größten Hersteller des für Solarzellen benötigten Siliziums, betonte, von der Schwäche der Nachfrage nicht betroffen zu sein. „Wir haben keine Stornierungen“, sagte ein Sprecher. Der Solar-Systemanbieter Phoenix Solar bestätigte die Prognose für 2008, räumte aber ein, dass es beim Bau von Solarkraftwerken wegen der Finanzkrise zu teilweise längeren Entwicklungszeiten für die Projekte komme. SES-Analyst Blumenthal erwartet, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise zu einem erheblich niedrigeren Wachstum der Nachfrage nach Solarsysteme führen werde. Das wachsende Angebot und die Absatzkrise in Spanien hätten zu einem signifikanten Überangebot geführt und die Modulpreise erheblich unter Druck gesetzt. Dies führe zu wachsenden Lagerbeständen und weiteren Produktionskürzungen. Q-Cells lässt über Weihnachten die Produktion zwei Wochen ruhen.

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