Solarbranche
Solar-Firmen sammeln Großaufträge in Abu Dhabi

Weil daheim die Aufträge wegbrechen und die Preise unter Druck geraten, suchen die deutschen Solarunternehmen weltweit nach neuen Kunden. Vor allem in den Wüsten des Nahen Ostens hoffen sie auf neue Aufträge. Ausgerechnet die Ölscheichs könnten die Zukunft der Solarbranche sichern.

DUBAI. Das ölreiche Emirat Abu Dhabi vertieft seine Zusammenarbeit mit deutschen Solar-Unternehmen: Die Masdar PV in Erfurt, eine 100-prozentige Tochter der Abu Dhabi Future Energy Company, hat eine strategische Partnerschaft mit dem Hamburger Solaranlagen-Bauer Colexon Energy vereinbart. Nach dem gestern veröffentlichten Deal wird Masdar PV zwischen 2009 und 2013 Dünnschicht-Solarzellen mit einer Gesamt-Leistung von mehr als 150 Megawatt an Colexon liefern. Das Auftragsvolumen beläuft sich nach Unternehmensangaben auf 200 bis 250 Millionen Euro. Sollte Masdar PV seine Kapazitäten erweitern, hat Colexon eine Option auf die Nutzung von 25 Prozent der zusätzlichen Produktion.

Masdar PV baut im Auftrag der Abu Dhabi Future Energy Company zwei Photovoltaik-Werke in Erfurt und Abu Dhabi. Die Fabriken sollen 2009 und 2010 mit der Herstellung beginnen. Die Kosten für die Anlagen, die eine Jahres-Kapazität von 210 Megawatt aufweisen, sind auf rund 600 Millionen Euro veranschlagt.

Hinter dem neuesten Vertragsabschluss stehen die Bemühungen von Abu Dhabi, sich zu einem regionalen Zentrum für erneuerbare Energien zu entwickeln. Treibende Kraft ist die staatliche Investment-Gesellschaft Mubadala, der die Abu Dhabi Future Energy Company zu 100 Prozent gehört. Mubadala verfügt über ein Vermögen von mehr als zehn Milliarden Dollar. Bis zum Jahr 2015 will das Emirat Abu Dhabi die erste CO2-freie Stadt der Welt, Masdar City, bauen – ebenfalls ein Projekt der Mubadala-Tochter. Das Programm liest sich wie ein Vorzeige-Katalog grüner Umweltpolitik: Statt Erdöl, das die Region reich gemacht hat, soll die Sonne zum wichtigsten Energie-Spender werden. Autos sind in der Stadt tabu, der Wasservorrat speist sich aus einer Entsalzungsanlage, Abfall wird recycelt und kompostiert. Masdar City soll insgesamt 50 000 Einwohner und 1 500 Unternehmen beherbergen.

Colexon denkt bei der Partnerschaft mit Masdar PV auch an die Entwicklung von Absatzmärkten außerhalb von Deutschland, zum Bespiel am Persischen Golf. „Derzeit verkaufen wir rund 15 Prozent unserer Solar-Kraftwerke im Ausland: Im kommenden Jahr wollen wir den Anteil auf 40 bis 45 Prozent hochfahren“, sagte Thorsten Preugschas, CEO von Colexon, dem Handelsblatt. Das Unternehmen peile dabei in erster Linie Südeuropa, die USA, Asien und die Golfregion an. Auch der Geschäftsführer von Masdar PV, Rainer Gegenwart, sieht „große Chancen“ auf der Arabischen Halbinsel. Derzeit seien die Strompreise in der Region allerdings noch stark subventioniert.

Nicht nur Masdar City, auch das geplante Solar-Kraftwerk Shams 1 bei Abu Dhabi weckt bei deutschen Firmen Hoffnungen. Die solarthermische Anlage hat eine Gesamtleistung von 100 Megawatt. Beim Zu-schlag für Bau und Betrieb winken 500 Mio. Euro. In den nächsten Wochen finden die Gespräche mit vier Bietern statt, zu denen auch das Konsortium aus Solar Millennium und MAN Ferrostaal gehört. Ein Teil der Aufträge für das Kraftwerk gingen bereits nach Deutschland: So liefert MAN eine Dampfturbine, die bayerische Firma Flabeg Spiegel und die Schott AG Absorberrohre. Insgesamt beträgt das Kaufvolumen 60 Mio. Euro.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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