Solarbranche: Subventionen schützen nicht vor Konkurrenz

Solarbranche
Subventionen schützen nicht vor Konkurrenz

Seit Jahren bekommen deutsche Solarkonzerne hohe Zuschüsse - auch direkt aus der Staatskasse. Selbst in der Pleite kosten die angeschlagenen Unternehmen den Staat Millionen. Ein genauer Blick auf ein fragwürdiges System
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In Sachsen-Anhalt schlägt das Herz der deutschen Solarindustrie. So sahen es zumindest die dort ansässigen Photovoltaikfirmen, als sie vor vier Jahren in der mitteldeutschen Provinz das „Solarvalley“ gründeten – ein Netzwerk aus mehr als dreißig Unternehmen, darunter Branchengrößen wie Bosch, Schott Solar, Q-Cells, Jenoptik und Heraeus. Gemeinsam wollten sie den Weltmarkt erobern. Chinas Solarkonzerne sollten erzittern

Die Politik betrachtete das mit Wohlwollen, erst im vergangenen Jahr zeichnete das Forschungsministerium die Allianz erneut als Spitzencluster aus – und ließ 80 Millionen Euro an Fördergeldern springen. Doch die guten Zeiten sind vorbei: Innerhalb weniger Monate könnte das „Solarvalley“ vom Vorzeigeprojekt zum Symbol einer Branche werden, die nur durch Privilegien und Zuschüsse am Leben erhalten wird.

Seit vergangener Woche steht mit Q-Cells eines der wichtigsten Unternehmen aus dem Zusammenschluss am Abgrund. Dem Konzern ist das Geld ausgegangen, das Landgericht in Frankfurt am Main kippte den bisher geplanten Weg der Restrukturierung. Experten fürchten, dass die Pleite  nur eine Frage der Zeit ist. Bei Q-Cells sind derzeit etwa 2200 Beschäftigte in Lohn und Brot.

Zuletzt war eine ganze Reihe von Solarfirmen ins Taumeln geraten. Der Wettbewerbsdruck wird schärfer, chinesische Konzerne wie Yingli und Suntech jagen den deutschen Herstellern lukrative Projekte ab. Die Folgen sind dramatisch: So muss etwa Conergy für das vergangene Jahr einen Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 80 bis 85 Millionen Euro ausweisen. Im Dezember hatten die Branchenpioniere Solon und Solar Millennium Insolvenz angemeldet.

Es ist kein Zufall, dass die deutschen Firmen jetzt in Schwierigkeiten geraten. Sie profitierten jahrelang von Zuschüssen, die sie vor dem Wettbewerb schützten. Befürworter der deutschen Förderpraxis sagen zwar, dass die Unternehmen in Deutschland kaum direkte Mittel bekommen, sondern dass ihnen nur die indirekte Hilfe durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz zugute kommt: Darin werden den Käufern und Betreibern von Anlagen feste Einspeisesätze für 20 Jahre garantiert.

Berechnungen aus Branchenkreisen, die dem Handelsblatt vorliegen, zeigen aber: Unternehmen haben neben der indirekten Unterstützung durch das EEG jahrelang auch hohe, direkte Zuschüsse aus der Staatskasse bekommen. Den Berechnungen zufolge hat zum Beispiel die angeschlagene Q-Cells AG mitsamt Tochtergesellschaften und Beteiligungen seit März 2005 mindestens 240 Millionen Euro an staatlicher Beihilfe bekommen. Solche Zuschüsse müssen bei der EU-Kommission angemeldet werden. Die Behörde veröffentlicht die Angaben in einer Datenbank.

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Direkte Zuschüsse an Unternehmen

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  • das hat er ganz richtig formuliert: Die Entwicklung der Kraftwerke... aber wenn wir es auf Tausen Jahre Halbwertzeit hochrechnen, und die Kosten für Sicherung, Entsorgung, Umweltschäden, und ganz deutlich für Gesundheitsschäden dazurechnen, dann lässt das die Nation der Steuerzahler aber deutlich und unwiderlegbar erschaudern. Ich denke, es wird wichtig, wirklich die Dinge bis zu Ende zu denken, und nicht nur bis zum Gedanken der Entwicklungskosten.

  • Unsinn. Die Endlagerfrage ist gelöst - Unschädlichmachung durch Transmutation - machen die anderen.
    Warum zahlen unsere Nachbarn nur 8 Cent pro kWh? Weil Kernkraft so teuer ist?
    Alles nur dumme Propaganda für den Zufallsstrom aus PV und Wind.

  • Das Subventionen nicht vor Konkurrenz schützen war schon immer so. Leider haben sich die Kommentare sehr negativ auf die PV-Branche verteilt, die nicht gerechtfertig ist. Man muss auch mal bedenken, dass die Betreiber einer PV-Anlage gewonnenen Strom in das Netz einspeisen und somit das Netz stabilisieren. Deutschland hat sich nun mal für die Energiewende entschieden, alle die nicht daran teilnehmen wollen sind es selber schuld. Wir werden in den nächsten Jahren noch dankbar sein, dass wir in DE eine innovative Technologie aufgebaut haben, die Arbeitsplätze schafft und Waren ins Ausland exportiert. Daran sollte man auch mal denken

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