Solarbranche
Sunpower rüstet sich für Ausleseprozess

Die Solarbranche steht vor einer Marktbereinigung. Nur die Unternehmen, die alle Fertigungsschritte von Photovoltaikanlagen abdecken und ihre Kosten im Griff haben, können im internationalen Wettbewerb bestehen. Einigen Herstellern droht das Aus.
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FRANKFURT. Die Solarbranche steht vor der nächsten Konzentrationswelle. "In den kommenden fünf Jahren werden sich die Rahmenbedingungen im Solarmarkt gravierend verändern", sagte der Chef des US-Solarkonzerns Sunpower, Thomas Werner, dem Handelsblatt. Überleben werden nur die Konzerne, die ihre Kosten deutlich senken können. "Vollintegrierte Konzerne sind dafür besser geeignet als Spezialisten", so Werner.

Unternehmen, die alle Fertigungsschritte von Photovoltaikanlagen abdecken, "können auf allen Stufen Kosten senken und so die Wertschöpfung erhöhen", argumentierte Werner. Der Chef des 2009 weltweit drittgrößten Solarkonzerns - hinter dem amerikanischen Hersteller First Solar und dem chinesischen Anbieter Suntech - hat deshalb in den vergangenen Jahren die Fertigung vom Rohprodukt Wafer über die Solarzelle bis hin zum Bau von Solarparks kräftig ausgebaut.

Beleg dafür, dass der Manager mit seiner Einschätzung recht hat, liefert ein Blick auf die Ergebnisentwicklung einiger Solarkonzerne. Die nur auf Modulfertigung spezialisierte Solon AG steckt in der Krise, so auch die kaum integrierte Sunways. Vorreiter ist hingegen Solarworld. "In Deutschland hat sich Solarworld als integrierter Konzern besser als andere geschlagen", sagte Werner. Der Branchenprimus aus Bonn baut zurzeit mit Partnern ein Werk für den Rohstoff Silizium im Ölstaat Katar und erweitert zugleich seine Kapazitäten für Solarzellen und-module.

Auch andere Unternehmen wollen möglichst viel aus einer Hand fertigen. So versucht der einstmals weltgrößte Hersteller von Solarzellen, Q-Cells, nach seinem Absturz in die roten Zahlen, verstärkt ins Geschäft mit fertigen Solarmodulen einzusteigen. Die Firma hofft, so eine höhere Wertschöpfung zu realisieren und Schwankungen in einzelnen Sparten besser ausgleichen zu können.

Harte Konkurrenz aus China

Sunpower-Chef Werner hält eine breite Aufstellung in den kommenden fünf Jahren für einen klaren Wettbewerbsvorteil. Erst in der Zeit danach werde der Markt so weit entwickelt sein, dass Komponenten zugekauft werden könnten. Bis dahin dürfte der Ausleseprozess abgeschlossen sein.

Der Wettbewerb auf dem Solarmarkt ist hart - und voller Risiken. Niemand weiß, welche Technik sich durchsetzen wird. Die Konkurrenz ist groß, neben den weit verbreiteten Silizium-Zellen rangeln Dünnschichtmodule auf Basis von Silizium, Cadmium oder anderen Schwermetallen. Wie gnadenlos die Entwicklung ist, zeigt das Beispiel Sunfilm. Die ostdeutsche Firma setzte auf eine vom US-Chipkonzern AMD entwickelte Dünnschichttechnik. Diese floppte wegen ihrer geringen Leistung - Sunfilm ging pleite.

Entscheiden wird sich der Wettlauf um die vorderen Plätze an der Kostenfrage: Wie viel Leistung bekommt der Kunde für sein Geld? Sunpower ist mit seinen Silizium-Dünnschichtmodulen führend, aber der Druck steigt. Konzernchef Werner geht daher an die Kostenstrukturen: "Wir wollen die Produktionsausgaben in den nächsten fünf Jahren halbieren und uns so in den Top drei halten." Zu den härtesten Konkurrenten zählt Werner First Solar sowie "China Incorporated". Unter diesem Oberbegriff fasst er die chinesischen Konzerne Suntech, Yingli und JA Solar zusammen, die durch massive Staatshilfe Milliarden in den Markt investieren.

Um zu bestehen, weitet Sunpower seine Kapazitäten massiv aus. Nach Werken in Polen, den Philippinen und Malaysia plant Werner eine weitere Fabrik. "Eine Entscheidung soll im kommenden Jahr fallen", sagte er. Die Fabrik werde wohl wieder in Asien gebaut, da hier die Lohnkosten am geringsten seien.

Marktanteil in Europa soll sinken

Mit dem Hochfahren der kürzlich fertiggestellten dritten Fabrik soll die Auslieferung von Modulen im kommenden Jahr auf knapp 1000 Megawatt steigen, 2010 sollen Module mit einer Leistung von etwa 600 Megawatt an die Kunden verschickt werden. Das entspricht der Kapazität eines kleineren Atomkraftwerks.

Getrieben vom höheren Absatz, soll der Umsatz im Jahr 2011 um rund ein Drittel auf bis zu 2,85 Milliarden Dollar klettern. Der Marktanteil in Deutschland und Europa soll indes sinken. Im laufenden Jahr erzielt Sunpower noch 60 Prozent seines Umsatzes in Europa und 40 Prozent in Nordamerika. "Die USA werden in fünf Jahren zum weltweit größten Markt aufsteigen", sagte Werner.

Im selben Zeitraum werde die Bedeutung Deutschlands, wo Sunpower rund 24 Prozent seines Umsatzes erzielt, für die Branche zurückgehen. "Wir rechnen hier in den kommenden Jahren zwar mit einem stabilen Umsatz, aber der deutsche Markt dürfte schrumpfen, weil die Solarförderung weiter sinkt."

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