Solarfirma
Sovello-Sanierung im Alleingang gescheitert

Das Amtsgericht Dessau-Roßlau hat den Antrag des Solarunternehmens Sovello auf eine Insolvenz in Eigenregie abgelehnt. Mehrere hundert Arbeitsplätze sind in Gefahr. Die Zukunft der Firma steht auf Messers Schneide.
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Bitterfeld-Wolfen/Dessau-RoßlauÜber dem einstigen Prestigeobjekt der deutschen Solarindustrie „Solar Valley“ in Bitterfeld-Wolfen hängt das Damoklesschwert. Nach der Insolvenz des früheren Börsenstars Q-Cells ist bei der benachbarten Firma Sovello die geplante Sanierung in Eigenverwaltung gescheitert. Das Amtsgericht Dessau-Roßlau lehnte den Antrag des Managements ab, einen Neustart auf eigene Faust zu versuchen, wie ein Gerichtssprecher am Mittwoch mitteilte. Das Gericht eröffnete stattdessen ein reguläres Insolvenzverfahren (Aktenzeichen: 2IN162/12). Zuvor hatte das Land weitere finanzielle Hilfen abgelehnt.

Ein Gutachter habe die Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung der Sovello GmbH festgestellt. Zum Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Lucas F. Flöther in Magdeburg bestellt. Er genieße einen sehr guten Ruf, hieß es. Sovello hatte zuvor bereits angekündigt, sich von etwa der Hälfte der verbliebenen rund 1000 Mitarbeiter trennen zu wollen.

Rund 500 Menschen sollten in einer Transfergesellschaft qualifiziert und so in neue Jobs vermittelt werden. Unklar blieb zunächst, wie es um die Zukunft der Beschäftigten steht. Ein Sprecher der Firma wollte sich unter Hinweis auf den Insolvenzverwalter nicht äußern. Flöther war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen, Arbeitnehmervertreter auch nicht.

Sovello ist eine Abspaltung von Q-Cells und produziert Solarzellen in einem speziellen Verfahren, das als besonders energieschonend gilt. Auf dem Gelände von „Solar Valley“ in Bitterfeld-Wolfen sind mehrere Firmen der Solarindustrie ansässig, das Areal an der Autobahn 9 (Berlin-München) galt bisher als der größte Standort seiner Art in Europa. Q-Cells hatte mit 1300 Mitarbeitern Insolvenz anmelden müssen und arbeitet derzeit an einem Neustart. Die Solarbranche ist angesichts von Billigkonkurrenz aus Asien seit Monaten massiv unter Druck.

Sovello hatte im Mai beim Amtsgericht Dessau-Roßlau die Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Diese Pläne lehnte das Insolvenzgericht jetzt aber unanfechtbar ab, wie der Sprecher weiter mitteilte. Das Land hatte zuvor weitere finanzielle Hilfen für Sovello verweigert. Nach EU-Recht sei die angestrebte Hilfe nicht möglich, zudem lägen keine tragfähigen Konzepte vor, hieß es in der Begründung des Wirtschaftsministeriums. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hatte gesagt, er sei tief enttäuscht von der Geschäftsführung von Sovello.

Mit der Bestellung des Insolvenzverwalters sei das Gericht einem einstimmigen Votum des vorläufigen Gläubigerausschusses gefolgt, wie der Sprecher sagte. Dem vom Gericht eingesetzten fünfköpfigen Gremium gehört den Angaben zufolge ein Vertreter der Investitionsbank des Landes als Hauptgläubiger an. Zudem seien darin die Bundesagentur für Arbeit, der Betriebsrat, eine Krankenkasse und ein US-amerikanischer Investor vertreten.

Die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnisse für das Unternehmen sind mit dem Insolvenzverfahren auf Rechtsanwalt Flöther übergegangen. Für Q-Cells mit 1300 Beschäftigten war am 2. Juli das Insolvenzverfahren eröffnet worden, Insolvenzverwalter ist der Rechtsanwalt Henning Schorisch.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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