Solargeschäft
Warum Bosch in eine Pleitebranche investiert

Deutsche Solarhersteller gehen pleite oder am Stock, Bosch hingegen baut die Sparte aus. Der Stuttgarter Konzern hat bisher rund zwei Milliarden Euro in seine Solarsparte investiert. Spinnen die Schwaben?
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Der Pleitegeier stürzt sich auf seine Opfer, die Fledderei beginnt. Was sich seit Monaten im nüchternen Wirtschaftsjargon als Branchenkonsolidierung ankündigte, nimmt seinen Lauf. Den Anfang macht Mitte Dezember der Berliner Solarmodulhersteller Solon, wenige Tage später rauscht der Erlanger Solarkraftwerksbauer Solar Millennium in die Insolvenz. Weitere Hersteller von Zellen, Modulen oder Kraftwerken werden folgen. Um einstige deutsche Börsenlieblinge oder Branchenhelden wie Q-Cells, Phoenix Solar und Conergy steht es nicht zum Besten. Dutzende kleine Solarfirmen sterben bereits Woche für Woche in aller Stille.

Damit schlägt die Stunde derer, die ausweiden. Internationale, teils branchenfremde Konzerne wie die koreanischen Technologiegiganten LG und Samsung oder der französische Ölriese Total stehen parat, um sich auf der Solarresterampe einzudecken, um eigene Aktivitäten preiswert auszubauen oder in neue Geschäftsfelder vorzustoßen. Der chinesische Solarkonzern LDK schluckt den angeschlagenen Solarzellenhersteller Sunways aus Freiburg, und selbst der taiwanesische Elektronikriese und iPhone-Hersteller Foxconn steigt in die Modulproduktion ein.

Den Auftakt in Deutschland, sich Teile siechender Solarfirmen einzuverleiben, macht Bosch. Kurz vor Weihnachten gab der Stuttgarter Automobilzulieferer die Übernahme des Wechselrichterherstellers Voltwerk Electronics bekannt, einer Tochtergesellschaft des Hamburger Solaranlagenherstellers Conergy, der seit Monaten ums Überleben kämpft.

Wechselrichter wandeln den Gleichstrom aus der Solaranlage in Wechselstrom aus der Steckdose um. Voltwerk wird in Bosch Power Tec in Böblingen integriert, eine vor Jahresfrist gegründete Tochter innerhalb der Bosch-Gruppe, die das Geschäft mit Wechselrichtern vorantreiben und neue Gerätegenerationen entwickeln soll.
Sind die Schwaben verrückt geworden, weiterhin in ein Geschäft zu investieren, das von jenen preiswerten chinesischen Massenherstellern dominiert wird, denen Firmen wie Solon oder Solar Millennium ihren Exitus zu verdanken haben?

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