Solarindustrie
In der Sonnenbranche wird es kühler

Die Preise für Solarmodule sinken, nachdem sie in einer Boomphase rasant in die Höhe geschossen waren. Damit sinken auch die Renditen der Hersteller - doch Branchenkenner sehen keinen Grund zur Sorge.

HB FRANKFURT. Der Solar-Boom neigt sich nun dem Ende zu. Die stark gestiegenen Preise für Solarmodule hatten viele Käufer abgeschreckt. Experten sehen nun in Preisrückgängen eine Normalisierung. Die Politik hat es ohnehin auf einen stetigen Abwärtstrend der Preise für die Sonnenenergie angelegt.

„Wir sehen schon, dass die Nachfrage etwas moderater wird. Das ist aber eigentlich nur die notwendige Korrektur“, sagt Analyst Burkhard Weiss von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Der Boom sei beendet, was nun folge, sei aber „eine Normalisierung“ der Branche. „Dass durch den Preisdruck Gewinne der Unternehmen unter die Räder kommen, ist völliger Unsinn“, urteilt Analyst Patrick Hummel von der Landesbank Baden-Württemberg.

Doch die Szenarien, die in der Öffentlichkeit aufgestellt werden, verfehlen ihre Wirkung nicht. Medien berichteten von einem deutlichen Wachstumsdämpfer und vollen Lagerbeständen. Nun hofften viele potenzielle Kunden auf sinkende Preise und legten ihre Investitionen auf Eis, berichtet Finanzvorstand Patrick Arndt vom Hamburger Solaranlagenbauer Reinecke + Pohl, der von seinen Umsatz- und Ergebniszielen am Freitag Abschied nehmen musste. Analyst Hummel sagt, er habe den Eindruck, dass einige dieser Berichte gezielt gestreut wurden, um günstigere Einkaufskonditionen zu erreichen.

Auch die Aktienkurse der an deutschen Börsen gelisteten Solarfirmen reagierten sensibel auf Äußerungen von Managern zu erwarteten Preisrückgängen und kamen unter Druck. Meldungen über eine drohende Kürzung der Solarförderung im Wachstumsmarkt Spanien lasteten zusätzlich auf den Kursen.

Für LBBW-Experte Hummel ist die Preisentwicklung nur eine Folge der vorherigen Übertreibung. Am grundsätzlichen Interesse der Kunden habe sich nichts geändert. Und der Preisrückgang sei moderater, als er zum Teil am Markt wahrgenommen werde. Die Preise für Solarprodukte waren unter anderem von der Knappheit bei Silizium - dem Grundstoff für Solarzellen - in schwindelnde Höhen getrieben worden. Für das kommende Jahr rechnen Experten allerdings mit einer Entspannung auf dem Siliziummarkt, weil die Hersteller die Kapazitäten erweitern.

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) hält sinkende Preise sogar für notwendig. Nur so werde die Branche wettbewerbsfähig, nur so könne sie weiter wachsen. Politisch sind Preissenkungen ohnehin gewollt. Nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) erhält der Besitzer einer Solarstromanlage bis zu 20 Jahre lang Geld, wenn er den damit gewonnenen Strom in das öffentliche Netz einspeist. Jedes Jahr sinkt die Mindestvergütung für neue Anlagen um fünf Prozent - damit sich Solaranlagen also rechnen, müssen die Preise fallen. „Es kann ja nicht nur sein, dass der Endkunde jedes Jahr fünf Prozent weniger Einspeisevergütung bekommt und der Preis konstant bleibt“, sagt HSBC-Analyst Weiss.

Nach Angaben des BSW haben die Preise im Frühjahr mit einem durchschnittlichen Großhandelspreis für Solarmodule von 3,70 Euro je Watt Spitzenleistung (Wp) ihren Höchststand erreicht. Jetzt kosten Solarmodule noch rund 3,30 Euro/Wp, und bis Sommer 2007 prognostiziert der Verband rund 3,00/Wp. „Die Preise sind in Bewegung, und zwar in die richtige Richtung“, erklärt BSW-Geschäftsführer Carsten Körnig. Gerade Landwirte schauten genau auf den Preis - und auf den Dächern von Bauernhöfen wurde im vergangenen Jahr die Hälfte der neuen Leistung installiert. „Sobald die Preise wieder auf einem Niveau sind, auf dem mit dem deutschen EEG-Einspeisetarif Renditen von sechs bis acht Prozent erzielbar sind, wird die Nachfrage wieder deutlich zunehmen und der Preisrückgang gestoppt“, prognostiziert LBBW-Analyst Hummel.

Mit den Preisen werden die Umsatzrenditen der Solarfirmen sinken - doch diese sind derzeit auch in astronomischen Höhen. „Die Ebit-Margen im Solarbereich liegen zwischen 20 und 35 Prozent, während normale Maschinenbauer über Ebit-Margen von sieben bis zwölf Prozent schon sehr glücklich sind“, rechnet Weiss vor. „Das solche Renditen nicht nachhaltig sind auf alle Ewigkeit, ist klar.“ Am besten werden dies nach Einschätzung der Experten Silizium-, Solarzellen- und Waferhersteller verkraften, die am Anfang der Wertschöpfungskette stehen. Händler, Installateure, aber auch Modulhersteller haben es schwerer, die Renditen zu halten. „Jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen“, sagt Weiss.

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