Solarkonzern
Conergy sucht Chef und Finanzierung

Nach drei Jahren als Vorstandschef des Solarkonzerns Conergy zieht der scheidende Konzernchef Ammer eine positive Bilanz. Alle Baustellen konnte Ammer jedoch nicht beseitigen: Vor allem bei der Refinanzierung wartet auf den Konzern jede Menge Arbeit - und auch die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich schwierig.
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FRANKFURT. Eine Flasche guten Rotwein hat sich Dieter Ammer schon bereitgelegt. Den Tropfen will er in aller Ruhe genießen, läuft am Mittwoch auf der Hauptversammlung der Conergy AG alles wie geplant. Ammer wird dann vom Chefsessel der Solarfirma direkt in den Aufsichtsrat wechseln. Da die Commerzbank mit ihrem Aktienpaket von knapp 30 Prozent ihr Zustimmung zugesichert hat, steht dem Plan nichts entgegen.

Auf dem Aktionärstreffen dürfte es hoch her gehen. Zu viel ist bei Conergy schief gelaufen. Der einst größte Solarkonzern stand Ende 2007 vor dem Aus und konnte nur mit einem massiven Sparprogramm gerettet werden. Mehrere hundert Mitarbeiter wie auch der Vorstand um Gründer Hans-Martin Rüter mussten gehen; als neuer Chef stieß Ammer Randbereiche ab. Was blieb, war ein Verlust in dreistelliger Millionenhöhe und Aktionäre, die den Großteil des Einsatzes verloren haben. Am Freitag kostete eine Conergy-Aktie 60 Cent.

In seinen letzten Stunden als Vorstandschef wird sich Ammer auf harsche Kritik einstellen müssen. Dennoch freut er sich auf die Hauptversammlung. "Sie bedeutet für mich den Abschluss der drei Jahre", sagte er dem Handelsblatt. Die Jahre seien hart gewesen: Zeitweise liefen mit jedem Klopfen an Ammers' Bürotür neue Horrormeldung ein. Aber der Einsatz habe sich gelohnt, auch wenn die Zeit seit Amtsantritt Ende 2007 die stressigste seines Lebens gewesen sei.

Die Gesellschaft verdiene wieder Geld und könnte auch eine Eintrübung des deutschen Marktes verkraften, da sie heute international positioniert sei, sagte Ammer, der ursprünglich nur kommissarisch an die Vorstandsspitze gerückt war. Wegen der Probleme hatte der Aufsichtsrat seinen Vertrag sogar gleich zwei Mal verlängert.

Als wichtige Bausteine für die Wettbewerbsfähigkeit der Gesellschaft sieht der Bremer die Modulfabrik in Frankfurt (Oder). Mit den dort gefertigten Produkten sei Conergy unabhängiger von Lieferanten und könne zugleich höhere Margen erzielen. Zuspruch am Markt fänden auch zunehmend für Solaranlagen benötigte Gerätschaften wie Wechselrichter und Gestelle.

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  • schon merkwürdig, wenn sich Herr Ammer in einer wirtschaftlich prekären Situation (offene Anschlußfinanzierung) verabschieden will, um sich seinen "Hobbys" zu widmen, (dem Garten mit Solaranlage?) ;)
    Wie viel wichtiger ist es gerade jetzt z.b. die auslaufenden offenen Verbindlichkeiten z.b. in Aktien umzuwandeln und damit belastungsfrei auf neuen Kurs gehen.
    Die Ausgangasituation war noch nie besser
    1. Con hat schwarze Zahlen trotz EEG-Zusammenstreichung, was nicht mal alle deutschen Modulhersteller von sich behaupten können
    2. nächste Regierung wird sicher "grüner" und "roter" womit eindeutig eine Präferenz fürs Produkt zu erwarten ist, möglicherweise auch eine für EU-hergestellte. Wenn der Chef sein Ruderboot an bord behält, ist Conergy auf dem Preisniveau ein klarer Kauf. Wäre auch gut für seine 3,8% Geht er jedoch "angeln" heißt es: der Kapitän geht von bord - warum wohl?? Dann kann er auch ohne Pflichtmitteilung seine Aktien verhökern.

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