Solarkonzern
Pleitegefahr bei Conergy nicht gebannt

Die Gläubiger des hoch verschuldeten Solarkonzerns ringen weiter um Einigkeit. Von seiner Position will keiner der Beteiligten abrücken. Gibt es bis kurz vor Weihnachten keine Einigung, droht dem Unternehmen die Pleite.
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FRANKFURT. Bei den Rettungsbemühungen für den Solarkonzern Conergy ist eine Lösung weiterhin nicht absehbar. Die Gläubigerbanken um den Großaktionär Commerzbank und die engagierten Hedge-Fonds stehen einander momentan unversöhnlich gegenüber. Sollten sich die Beteiligten bis kurz vor Weihnachten nicht auf eine gemeinsame Linie einigen, droht die Pleite. In Verhandlungskreisen hieß es gestern allerdings, niemand habe Interesse an diesem Weg, eine Insolvenz sei unwahrscheinlich.

Hintergrund ist die hohe Verschuldung des Unternehmens. Laut einem Gutachten der Prüfungsgesellschaft PWC muss diese gedrückt werden. Conergy und die 16 beteiligten Banken haben deshalb vereinbart, Kredite über insgesamt 325 Mio. Euro bis zum 21. Dezember neu zu ordnen. Wie dies jedoch laufen soll, ist offen.

Während Commerzbank und mehrere Banken eine Verlängerung der Kredite zu besseren Konditionen wollen, drängen die investierten Hedge-Fonds auf einen teilweisen Schuldenerlass und eine anschließende Umwandlung von Fremd- in Eigenkapital (Debt-Equity-Swap). In den vergangenen Monaten haben laut Finanzkreisen die amerikanische York Capital, andere Hedge-Fonds und auch die Deutsche Bank Schulden von anderen Conergy-Gläubigern übernommen. Angeblich gehören rund 40 Prozent des Kreditvolumens mittlerweile neuen Investoren. Bei einer Umwandlung von Schulden in Conergy-Aktien könnten sie möglicherweise den einst größten Solarkonzern Europas kontrollieren. Alle beteiligten Unternehmen lehnten einen Kommentar ab

Banken lehnen Swap ab

Gegen einen Forderungsverzicht sträuben sich aber unter anderem die Commerzbank sowie andere Häuser. Gerade der Commerzbank fällt eine Schlüsselrolle zu: Sie ist mit 29 Prozent größter Aktionär des Unternehmens und auch mit Abstand der größte Gläubiger. "York erpresst die Banken", heißt es in Teilen des Konsortiums. Die Amerikaner drohten, jegliche Lösung zu blockieren, sollten die Gläubiger nicht einem Forderungsverzicht sowie dem Debt-Equity-Swap zustimmen. Für die Banken käme dies dem Verlust eines Großteils ihres Einsatzes gleich. "Da hat York die Rechnung ohne den Wirt gemacht", heißt es. "Die Banken wollen keine Eigenkapitalanteile."

Angeblich präferieren Teile der Banken eine andere Lösung: "Es gibt eine breite Allianz der Vernunft." Die Idee: Die Kredite sollen gestundet beziehungsweise in Mezzanine-Forderungen gewandelt werden. Dann müssten sie im Fall von Verlusten nicht bedient werden, die Verschuldung von Conergy würde zumindest formell sinken. "Das Unternehmen ist sanierungsfähig", hieß es. Das Modell biete zugleich für die Banken die Chance, Teile ihres Engagements zurückzubekommen.

Doch diese Lösung findet im Lager der Hedge-Fonds keine Anhänger. Die Commerzbank habe für Ihren Vorschlag wenig Rückhalt unter den Gläubigern, hieß es in Verhandlungskreisen. Grund: Am Ende profitiere vor allem die Commerzbank, die ihre Conergy-Beteiligung vor der Verwässerung schütze. Der Vorschlag habe wenig Chancen.

Der Gegenvorschlag der Gruppe um York sieht einen Forderungsverzicht der Gläubiger von über 50 Prozent sowie die Wandlung von Krediten in Eigenkapital vor. York würde so günstig zum Eigentümer - die Amerikaner sollen die Schulden mit einem Abschlag von 60 bis 70 Prozent übernommen haben.

Auch wenn die Situation verfahren ist, die Beteiligten arbeiten weiter an einer Lösung. Conergy-Finanzchef Sebastian Biedenkopf hat sich zuversichtlich gezeigt, fristgerecht eine Einigung zu finden. Allen Beteiligten ist klar, dass von einer Insolvenz niemand profitieren würde. Der Wert von Conergy liegt wie bei anderen Projektentwicklern in den Köpfen der Mitarbeiter - die würden bei einer Pleite gehen.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent

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