
HB BITTERFELD-WOLFEN. Die dramatischen Veränderungen in der Solarindustrie haben den einstigen Börsenliebling Q-Cells im vergangenen Jahr noch schwerer zugesetzt als befürchtet.
Der Solarzellenhersteller verbuchte einen Nettoverlust von fast 1,4 Mrd. Euro, wie das im TecDax notierte Unternehmen am Dienstag in Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) mitteilte. Darin sind allein Buchverluste und Abschreibungen auf Tochterunternehmen sowie Beteiligungen von gut 950 Mio. Euro enthalten. Analysten hatten lediglich mit einem Fehlbetrag von gut einer Milliarde Euro gerechnet. Vor allem der beispiellose Preisverfall setzte dem 2008 noch weltweit größten Solarzellenhersteller massiv zu. Der Umsatz des krisengeschüttelten Unternehmens sank um mehr als ein Drittel auf 801 Mio. Euro.
Zum Handelsauftakt legte die Aktie trotzdem zu. Sie gewann fast fünf Prozent. Die Ergebnisse seien nur auf den ersten Blick schlechter als erwartet, sagte ein Händler. Er verwies darauf, dass das um die Abschreibungen bereinigte operative Ergebnis im vierten Quartal nur noch einen Verlust von 20 Mio. Euro auswies. Analyst Lars Dannenberg von der Berenberg Bank äußerte die Hoffnung, dass die Preise weitgehend stabil bleiben könnten. Zudem sei der Bestand an liquiden Mitteln von 412 Mio. Euro positiv.
Im laufenden Jahr hat sich der Vorstand die Rückkehr zu einem profitablen Wachstum vorgenommen. Um dieses Ziel nicht durch Altlasten zu gefährden, reduzierte der im Juni als Sanierer eingestellte Finanzchef Nedim Cen den Buchwert von gleich drei Beteiligungen im vierten Quartal auf Null. Sorgen bereitet dem Unternehmen allerdings die von der Bundesregierung geplante zusätzliche Senkung der Solarförderung. Da die genauen Auswirkungen noch unklar seien, verzichtete Q-Cells auf eine konkrete Prognose.
Nach den Rekordgewinnen der Vorjahre hatte sich 2009 das Geschäft völlig verändert. Binnen weniger Monate kippte der Verkäufermarkt, in dem Q-Cells gar nicht genug produzieren konnte, in einen von Überkapazitäten geprägten Käufermarkt. Ursachen waren ein Einbruch des zuvor starken spanischen Marktes, der Produktionsstart zahlreicher neuer Fabriken in Asien sowie die durch die Finanzkrise erschwerte Kreditvergabe für Großprojekte. Das führte zu einem Preisverfall, den Q-Cells für Zellen auf bis zu 55 Prozent beziffert.