Solarkonzern Q-Cells erwägt Klage gegen China-Importe

Der Solarkonzern Q-Cells kämpft wegen des Preisdrucks ums Überleben. Nun sammelt das Unternehmen Mitstreiter, die vor der EU-Kommission Sonderzölle einklagen wollen - um so die chinesische Konkurrenz zu bekämpfen.
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Der Solarkonzern Q-Cells kämpft derzeit um Überleben. Quelle: dpa

Der Solarkonzern Q-Cells kämpft derzeit um Überleben.

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DüsseldorfDer in Schieflage geratene Solarkonzern Q-Cells erwägt im Kampf gegen die ungeliebte Konkurrenz aus China zusammen mit Mitstreiter Solarworld bei der EU-Kommission für Sonderzölle zu klagen. „Wenn sich die irrationalen Preisbewegungen fortsetzen, werden wir ernsthaft prüfen, uns zu beteiligen“, sagte Konzernchef Nedim Cen am Dienstag. Die Bonner Solarworld will nach den USA nun auch bei der EU-Kommission Strafzölle gegen Dumping-Importe aus China einklagen.

Der Konzern versucht dafür eine Unterstützergruppe zu organisieren, die mindestens 25 Prozent der Jahresproduktion in Europa repräsentiert. Im Sommer soll dann die Klage eingereicht werden. Derweil kämpft Q-Cells - trotz reger Nachfrage - wegen des Preisdrucks ums Überleben: Nach tiefroten Zahlen im Vorjahr erwartet Cen auch 2012 Millionenverluste. „Vor der Branche und vor uns steht ein sehr, sehr schwieriges Jahr. Wir werden im ersten Quartal einen sehr guten Zubau sehen bei einem dramatischen Preisverfall“, kündigte er an.

Cen rechnet daher mit einem Umsatzrückgang und einem negativen operativen Ergebnis (Ebit). Zudem würden erhebliche Restrukturierungskosten im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich das Ergebnis belasten. Cen sieht erst 2013 zumindest vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) die Chance auf schwarze Zahlen. Der Preisverfall in der Solarbranche und millionenschwere Abschreibungen hatten Q-Cells 2011 tiefrote Zahlen eingebrockt.

Netto summierte sich der Verlust auf 846 Millionen Euro nach einem Gewinn von 19 Millionen Euro im Jahr zuvor. Bei einem Umsatzrückgang um rund 300 Millionen auf 1,023 Milliarden Euro lag das Minus operativ bei 720 (Vorjahr: plus 82,3) Millionen Euro. Zum Jahresbeginn hatte Q-Cells zudem den Verlust des Eigenkapitals anzeigen müssen. Der Solarkonzern aus dem ostdeutschen Bitterfeld-Wolfen steht am Abgrund: Das Eigenkapital ist aufgezehrt und Anleihegläubiger machen Druck. Nach einem Verhandlungsmarathon gewährten sie Q-Cells Ende Februar im letzten Moment einen Zahlungsaufschub bis Ende April für eine Wandelanleihe über 200 Millionen Euro.

Bis dahin will sich Cen mit den Zeichnern zweier weiterer Wandelanleihen verständigen, die bis 2014 und 2015 laufen. Anschließend soll die 2012er-Anleihe nochmals bis Ende des Jahres verlängert werden. Bis dahin soll das Sanierungskonzept stehen. Im Zuge dessen sollen die Zeichner der Bonds größtenteils auf die Rückzahlung verzichten und stattdessen Aktien erhalten. Doch ein Sanierungsplan könnte ins Wanken geraten angesichts der Förderkürzungen für Solarstrom. Experten erwarten für die Solarbranche in Deutschland - dem immer noch größten Solarmarkt weltweit - einen Markteinbruch.

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16 Kommentare zu "Solarkonzern: Q-Cells erwägt Klage gegen China-Importe"

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  • "Wenn die Japanischen Autohersteller ein Auto für 25.000€ produzieren, es aber für 15.000€ verkaufen"

    Der Stärkere wird dann überleben. So ist Marktwirtschaft.
    Entweder man will eine globale Marktwirtschaft oder man will nicht.
    In nur einer Richtung wird nicht funktionieren.




  • Wenn die Japanischen Autohersteller ein Auto für 25.000€ produzieren, es aber für 15.000€ verkaufen, was würden die dt. Autohersteller dann machen müssen..."wahrscheinlich könnten sie dann auch nicht wirtschaften"...wenn das ihre Aussage ist.

    Dann kann ja EON und RWE auch nicht wirtschaften! Sehr gut!

  • So ist es, wenn Träumer und Utopisten am Werk sind.

    Volle Zustimmung zu Ihrem Kommentar!

  • Die Chinesen subventionieren ihre Solar-Unternehmen so stark, dass sie ihre Module deutlich unter dem Herstellungspreis verkaufen können. Das Ziel die deutlich besseren Anbieter so vom Markt zu verdrängen, um dann ungestört den China-Schrott zu höheren Preisen verkaufen zu können. Steht leider nicht im Artikel, kann am aber andernorts nachlesen.

  • "Zu behaupten die dt. Solarfirmen könnten nicht Wirtschaften gleicht ja einer Verleumdung."

    das Leben ist recht einfach:
    Verluste: ich kann nicht wirtschaften
    Gewinne: ich kann wirtschaften

    Die dt.Solarfirmen machen Verluste.
    Also können sie nicht wirtschaften.

    Man nennt das logisches Schleißen.

  • Thema "Wirtschaften können" - am besten wir sprechen uns in 2-3 Jahren wieder. Mal sehen, ob EON und RWE da auch noch "Wirtschaften können".

  • @ vandale:
    Es ist natürlich klar, dass Sie von EON und RWE bezahlt werden. Da die Solarenergie eine aktue Gefahr für das Modell von EON und RWE darstellt, versuchen Sie und Ihre Freunde von EON und RWE die deutsche Solarindustrie schnell aus dem Weg zu räumen, bevor diese Ihnen die Margen und Gewinne weiter kaputt macht.

    Hier ein paar Fakten:

    Solarstrom kann in Deutschland für 13-16 €/kWh hergestellt werden. In Südeuropa (z.B. Zypern, Türkei, Italien,...) für 8-11 €/kWh.

    Solarstrom ist vor allem tagsüber verfügbar, wenn der Strompreis bisher immer sehr hoch war und die Spitzenlastkraftwerke von EON und RWE die Gewinne verdient haben. Durch Solarstrom fällt der Strompreis an der Strombörse tagsüber unter den Preis von Nachtstrom, wodurch Unternehmen Strom viel günstiger einkaufen können und Wettbewerbsvorteile haben. EON und RWE verlieren jedoch ihre Gewinne.

    Solarstrom kann wie Windstrom dezentral und verbrauchernah erzeugt werden, wodurch jeder zum Stromerzeuger und Konkurrenten für EON und RWE werden kann.

    Der Eigenverbrauch von Solarstrom ist besonders interessant, da dadurch die 0.25 €/kWh für EON-RWE-Strom eingespart werden und diese weniger Strommengen verkaufen können.

    Solaranlagen bestehen aus Silizium, also eigentlich Sand, der in Unmengen auf der Erde verfügbar ist. Die für die Herstellung von Solaranlagen benötigte Energie ist nach etwa 2-3 Jahren amortisiert, sodass eine Solaranlage etwa das zehnfache ihrer Herstellungsenergie erzeugt.

    Solarstrom erzeugt keine giften und strahlenden Abfälle, die über 100.000e Jahre eingelagert werden müssen und eine Gefahr für die Gesundheit darstellen.

    Die Sonne schein kostenlos!

    Scheint die Sonne auch für EON und RWE? Wenn Du mich fragst tut sie's nicht.

  • Deutsche Solarfirmen unt subventioniert? Da haben Sie wohl alle nicht aufgepasst.

    Der Unterschied zwischen der unfairen direkten Subvention von Firmen in China durch kostenlose Kredite und der Vergütung von erzeugter Solarennergie ist doch schon sehr eklantant.

    Zu behaupten die dt. Solarfirmen könnten nicht Wirtschaften gleicht ja einer Verleumdung. Wenn Chinesische Autobauer massiv kostenloses Geld bekommen um riesige Kapazitäten aufzubauen und Produkte kopieren würden, könnte VW und Audi und wer auch immer auch nicht "Wirtschaften".

  • Deutsche Solarfirmen unt subventioniert? Da haben Sie wohl alle nicht aufgepasst.

    Der Unterschied zwischen der unfairen direkten Subvention von Firmen in China durch kostenlose Kredite und der Vergütung von erzeugter Solarennergie ist doch schon sehr eklantant.

    Zu behaupten die dt. Solarfirmen könnten nicht Wirtschaften gleicht ja einer Verleumdung. Wenn Chinesische Autobauer massiv kostenloses Geld bekommen um riesige Kapazitäten aufzubauen und Produkte kopieren würden, könnte VW und Audi und wer auch immer auch nicht "Wirtschaften".

  • Deutschland "dem immer noch größten Solarmarkt weltweit", Deutschland steigt als einziges Land aus der Kernenergie aus, im Rest der Welt boomt Kernenenergie. Die Ökoromantiker haben sich die Leichtgläubigkeit des Deutschen zunutze gamcht, wie zu nationalistischen Zeiten, "am deutschen Wesen mag die Welt genesen". Mit deren Hirngespinsten wurde die deutsche Vormachtstellung bei Gentechnik und Kernenergie zerstört, und dann die chinesische Solarindustrie und chinesiche/koreanische Windenergietechnik aufgepäppelt. Nachhaltige Arbeitsplätze gleich null.

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