Solarkonzern vor Übernahme
Hedge-Fonds wollen das Sagen bei Conergy

Der Solarkonzern Conergy steht vor der Übernahme durch Hedge-Fonds. Der ursprüngliche Plan der Commerzbank, die als größter Gläubiger und Aktionär engagiert ist, die Schulden lediglich umzustrukturieren, sei gescheitert, verlautete aus Finanzkreisen.
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FRANKFURT. Die Frankfurter hatten geplant, sämtliche Kredite zu verlängern und in eine nachrangige Position umzuwandeln. Conergy hätte sie dann nur bedienen müssen, wenn Gewinne anfallen.

Doch gegen eine Gruppe von Hedge-Fonds um die US-amerikanische York Capital konnte sich das Bankhaus nicht durchsetzen. Auch wenn die Gespräche noch liefen, liege nun ein Kompromissvorschlag auf dem Tisch, heißt es. Dieser sehe einen Forderungsverzicht von 15 Prozent vor; derzeit stehen die Hamburger mit 261 Millionen Euro bei ihren Gläubigern in der Kreide.

Gleichzeitig sollen die Verbindlichkeiten in Aktien der Conergy AG umgewandelt werden. Die Finanzinvestoren würden dann einen Anteil von 60 bis 70 Prozent am Unternehmen erhalten. Die 29-prozentige Beteiligung der Commerzbank würde auf unter zehn Prozent verwässert.

Für die Finanzinvestoren würde sich die Lösung rechnen, da sie Conergy-Schulden von anderen Banken mit einem kräftigen Abschlag übernommen hatten. Dem Vernehmen nach wollen die Fonds die Solarfirma dann weiterverkaufen. Für die Commerzbank ist der Vorschlag ein Fiasko. Schon beim aktuellen Aktienkurs von 0,46 Euro würde das Finanzinstitut rund die Hälfte seines Einsatzes verlieren. Käme bei den Schulden noch ein Abschlag von 15 Prozent hinzu, würde das Investment noch mehr an Wert verlieren. Es könnte noch schlimmer kommen, denn die Finanzinvestoren verlangen einen Forderungsverzicht von 30 Prozent und eine Beteiligung am Unternehmen von bis zu 80 Prozent, heißt es in Finanzkreisen.

Dem Unternehmen käme die deutliche Entschuldung entgegen. Nach einem Gutachten der Prüfungsgesellschaft PWC müssen die Verbindlichkeiten gedrückt werden, da sonst ein Überleben kaum gewährleistet wäre. Die ursprünglich bis Ende 2011 laufenden Kreditverträge werden daher bereits am 21. Dezember 2010 fällig. Bis dahin werden sich die Gespräche weiter hinziehen; die nächste Verhandlungsrunde steht angeblich schon diese Woche an.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent

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