Solarprojekt
Desertec: Zeitplan für Strom aus Afrika steht

Die „Vision“ Desertec nimmt konkrete Formen an. Heute haben sich in München die Unternehmen getroffen, die das riesige Solar-Projekt in die Tat umsetzen wollen. Spätestens ab November soll es eine Planungsgesellschaft geben. Solarstrom aus der Sahara rückt also in greifbare Nähe, wobei in den kommenden Jahren noch viele Fragen zu klären sind.

MÜNCHEN. Die Pläne zur Gewinnung von Solarenergie aus den Wüstenregionen Nordafrikas werden immer konkreter. Am Montag formierte sich in München die Initiative Desertec, die bis 2012 einen Geschäftsplan für die geplanten Großinvestitionen vorlegen will. Deutsche Bank-Vize Caio Koch-Weser nannte Investitionen von bis zu 400 Mrd. Euro, die für die Realisierung der Großprojekte notwendig seien. „Wir halten das Projekt für bahnbrechend und sind sehr daran interessiert“, sagte der Deutsche-Bank-Manager.

Desertec will in den kommenden drei Jahren einen Geschäftsplan ausarbeiten, der den Bau großer solarthermischer Kraftwerke in Nordafrika und dem Nahen Osten vorsieht. Die dort gewonnene Energie soll zum Teil für die Entwicklung des nordafrikanischen und arabischen Wirtschaftsraumes genutzt werden, zum Teil aber auch über neue Stromtrassen nach Europa geschleust werden. Bis 2050 ließen sich so mindestens 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken, verspricht Desertec. Dem Gründungskreis aus zwölf Mitgliedern gehören vor allem deutsche Unternehmen an, darunter Siemens, die Deutsche Bank, die Energieversorger RWE und Eon sowie der Versicherungskonzern Münchener Rück.

„Desertec ist zugleich die größte ethische Aufgabe und das größte Geschäftsfeld der Zukunft“, sagte Gerhard Knies, der den Aufsichtsrat der Planungsgesellschaft übernehmen wird. Knies hat gemeinsam mit dem Club of Rome und dem Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) in der Industrie für das Projekt geworben. Bis zum Oktober wollen die Beteiligten formal die Gesellschaft gründen. „Die Wüsten der Erde empfangen in sechs Stunden mehr Energie von der Sonne, als die Menschheit in einem ganzen Jahr verbraucht“, sagte Knies.

Obwohl zahlreiche Unternehmen sich bereits an Solarkraftwerken in der Wüste beteiligen, fehlt bisher der große Plan. Desertec soll sich daher auf drei Felder konzentrieren. Zum einen gehe es um technische Spezifikationen, die den Kraftwerkstyp und die Art der Stromübertragung betreffen. Als sicher gilt, dass Desetec sich auf solarthermische Anlagen konzentrieren wird. Diese speichern die Energie auch über Nacht. Zum zweiten soll ein „detaillierter Investitionsplan“ aufgestellt werden, der Etappen und Prioritäten festlegt. Neben der Deutschen Bank will sich auch die HSH Nordbank engagieren. Zur Finanzierung angesprochen werden soll der gesamte Kapitalmarkt, einschließlich Staatsfonds und Pensionsverwalter.

Schließlich gelte es, außenpolitische und regulatorische Fragen zu klären. So strebe man einen „fairen, ehrlichen und gleichberechtigten Dialog“ mit den Partnerländern südlich des Mittelmeeres an, sagte Torsten Jeworrek, Vorstandmitglied der Münchener Rück. Dennoch fehlt in vielen Ländern ein Energiekonzept. Auch in Europa müssen noch Fragen der Durchleitung und Einspeisung geklärt werden. Zudem verlangen die beteiligten Firmen Rechtssicherheit für die geplanten Milliardeninvestitionen.

Unklar ist, wie das Konsortium mit Rivalitäten umgehen wird. So sind mit ABB und Siemens gleich zwei Anbieter von Stromübertragung vertreten, mit RWE und Eon zwei rivalisierende Energiekonzerne. Die Versorger warnen ohnehin vor einer zu hohen Erwartungshaltung. „Wie ist ein Europa und Nordafrika umspannendes Netz realisierbar, wenn wir für kleinere Projekte jahrelange Genehmigungen brauchen?“, fragt RWE-Forschungsvorstand Frank-Detlev Drake. „Desertec ist ein umsetzungsreifes Projekt, aber sehr anspruchsvoll“, gibt er zu bedenken.

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