Solarstrom-Projekt Desertec
Wulf Bernotat: „Wir müssen viel klären“

Wulf Bernotat ist Vorstandsvorsitzender des deutschen Energiekonzerns Eon. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht der Manager über das Solarstrom-Projekt Desertec und die „völlig neuen Dimensionen“ dieses Vorhabens.

Teilen Sie die Begeisterung für das Desertec-Projekt?

Wer könnte sich nicht für die Idee begeistern, die Sonne im großen Stil für unsere Energieversorgung zu nutzen. Das ist eine Vision von ähnlich hoher Strahlkraft wie seinerzeit das „Man to the moon“-Projekt. Es ist allen Beteiligten aber bewusst, dass noch sehr viel Arbeit vor uns liegt, wenn wir diese Vision Realität werden lassen wollen. Aber zumindest den ersten Schritt wollen wir jetzt gemeinsam tun.

Wann könnte der Zeitpunkt gekommen sein, zu dem auch Eon in das Desertec-Projekt investieren würde?

Eon ist von Anfang an bei dieser Initiative dabei, und wir werden auch am 13. Juli teilnehmen. Wir sind unlängst mit einigen konkreten Vorhaben in den Bereich Solarenergie eingestiegen und beschäftigen uns heute schon intensiv auch mit solarthermischen Kraftwerken, wie sie bei Desertec eingesetzt werden sollen. Bevor wir bei Desertec aber über konkrete Investitionen reden, müssen wir noch viele Bedingungen klären. Erst wenn die technologische und politische Machbarkeit und auch die Wirtschaftlichkeit gesichert sind, können größere Investitionen zum Thema werden.

Es ist nicht einfach, innerhalb der EU grenzüberschreitende Stromleitungen zu bauen. Wird es über Kontinente hinweg leichter?

Auf den ersten Blick spricht die Erfahrung der letzten Jahre zwar dagegen. Aber dieses Projekt hat völlig neue Dimensionen. Das wird schon am Vorhaben deutlich, Stromleitungen über das Mittelmeer hinweg zu legen. Dafür brauchen wir eine völlig neue Art von politischer Verständigung. Auf ein solches Projekt würde bei einer Realisierung die ganze Welt schauen. Ich kann mir vorstellen, dass dies zur politischen Einigkeit zwingt. Die konzertierten Aktionen zur Bewältigung der Finanzkrise haben ja gezeigt, dass es geht, wenn es darauf ankommt.

Was muss die Politik tun, um ein Projekt wie Desertec voranzutreiben?

Das nationale Denken überwinden und die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Das betrifft natürlich insbesondere den länderübergreifenden Stromtransport und möglicherweise den Bau eines völlig neuen Stromleitungssystems. Und wenn die Realisierung feststeht und konkret wird, könnte dieses Projekt in die Planung der jeweiligen nationalen Energieversorgung aufgenommen werden. Das wäre dann der endgültige politische Stempel für Desertec.

Die Fragen stellte Klaus Stratmann.

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