Industrie

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Solarworld: Sonnenkönig Asbeck setzt auf Schützenhilfe aus Katar

Ein Investor aus Katar will der angeschlagenen Solarworld offenbar unter die Arme greifen. Wie hoch die Beteiligung sein wird, verrät Firmenchef Frank Asbeck nicht. Solarworld sitzt auf einer Milliarde Euro Schulden.

Frank Asbeck: „Werden der Forderung der Aktionärsschützer Rechnung tragen“. Quelle: dpa
Frank Asbeck: „Werden der Forderung der Aktionärsschützer Rechnung tragen“. Quelle: dpa

DüsseldorfFür den angeschlagenen Solarkonzern Solarworld ist Rettung aus dem Morgenland in Sicht. Ein Investor aus Katar soll dem einstigen Börsenstar auf die Sprünge helfen. „Die Höhe der potenziellen Beteiligung werden wir auf der außerordentlichen Hauptversammlung veröffentlichen“, sagte Konzernchef Frank Asbeck am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Kreisen zufolge ist der Solarworld-Partner Qatar Solar Technologies bereit, sich mit einer Minderheit an dem Bonner Unternehmen zu beteiligen. Die Gespräche liefen aber noch.

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Auch der Vorstand wird laut Asbeck seinen Anteil zur Rettung von Solarworld beisteuern. „Der Forderung der Aktionärsschützer, dass sich das Management beteiligt, werden wir sicher Rechnung tragen.“ Er rechne damit, dass im Herbst alle Kapitalmaßnahmen unter Dach und Fach seien.

Die größten Solarmodulhersteller der Welt

  • Platz 9: Hanwha Solar One und REC (Norwegen und Korea)

    Das Research-Team des Handelsblatts hat aus Daten von Bloomberg, des Marktforschers IHS und Unternehmensangaben die aktuell zehn größten Solarmodul-Hersteller der Welt ermittelt. Die Liste dürfte vor allem für die Deutschen ernüchternd sein.

    Den zehnten Platz teilen sich das koreanische Unternehmen Hanwha Solar und das norwegische Unternehmen REC. Beide verkauften 2012 jeweils Solarmodule mit einem Erzeugungspotenzial von 750 Megawatt.

  • Platz 8: Sun Power (USA)

    Das 1985 im US-amerikanischen Silicon Valley gegründete Unternehmen Sun Power machte im vergangenen Jahr rund 1,9 Milliarden Euro Umsatz und verkaufte Solarmodule mit einer Erzeugungskapazität von 850 Megawatt.

  • Platz 7: Jinko Solar (China)

    Auf dem siebten Platz befindet sich das chinesische Unternehmen Jinko Solar. Es setzte 2012 mit Auslieferungen von Solarmodulen mit einer Erzeugungskapazität in Höhe von 900 Megawatt insgesamt 591 Millionen Euro um.

  • Platz 6: Sharp (Japan)

    Zu den großen Gewinnern beim Ranking 2012 gehört Sharp. Das Unternehmen lieferte im vergangen Jahr Solarmodule mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1050 Megawatt aus. 2011 waren es noch 725 MW, was Sharp damals den 16. Platz in der Weltrangliste brachte.

  • Platz 5: Suntech (China)

    Der chinesische Konzern Suntech stürzte mit verkauften Solarmodulen mit einer Erzeugungskapazität von geschätzt 1390 Megawatt vom ersten Platz im Jahr 2011 auf den fünften Platz ab. Im April musste das Unternehmen seine Zahlungsunfähigkeit mitteilen und ist nun offenbar auf der Suche nach einem strategischen Investor.

  • Platz 4: Canadian Solar (Kanada)

    Das Unternehmen Canadian Solar wurde erst im Jahr 2001 im kanadischen Ontario gegründet. Nun befindet es sich bereits auf dem vierten Platz der Weltrangliste. Im Jahr 2012 verkaufte es Solarmodulen mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1550 Megawatt.

  • Platz 3: Trina Solar (China)

    Das chinesische Unternehmen Trina Solar schaffte einen großen Sprung vom fünften Platz 2011 auf den dritten Platz 2012. Im vergangenen Jahr lieferte das Unternehmen Solarmodule mit einer Erzeugungskapazität von 1600 Megawatt aus.

  • Platz 2: First Solar (USA)

    Der US-Konzern First Solar belegt unverändert den zweiten Platz in der Weltrangliste der größten Solarmodulhersteller. 2012 lieferte es Produkte mit einem Stromerzeugungspotenzial von 1800 Megawatt aus.

  • Platz 1: Yingli Solar (China)

    Absolute Weltspitze ist das chinesische Unternehmen Yingli Solar. Der Konzern arbeitete sich von Platz 4 in 2011 hoch mit Auslieferungen von Solarmodulen von 2300 Megawatt im vergangenen Jahr.

Die Solarworld-Aktie, die bis zum Nachmittag noch neun Prozent im Minus notierte, drehte nach den Äußerungen Asbecks kurzzeitig ins Plus.

Asbecks Beteiligung an Solarworld wird durch den zur Sanierung geplanten Kapitalschnitt von 28 auf rund 1,4 Prozent fallen. Er sei aber bereit, noch einmal frisches Geld in die Hand zunehmen, hieß es in den Kreisen. Den Altaktionären sollen nur fünf Prozent bleiben. Die Mehrheit an Solarworld dürften künftig die Gläubiger halten, Hedgefonds und Banken-Treuhänder. Sie sollen 60 Prozent der Solarworld-Schulden in Aktien tauschen (Debt-to-Equity-Swap). Solarworld hatte sich nach monatelangen Verhandlungen am Dienstag mit dem größten Teil seiner Gläubiger auf einen Ausweg aus der Krise geeinigt.

Aktien gegen Schulden Solarworld-Aktionäre zahlen den Schuldenschnitt

Das einstige Aushängeschild der Solarbranche hat einen Plan für die Rettung vorgelegt. Solarworld hat sich mit den Gläubigern auf einen Schuldenschnitt geeinigt. Diese bekommen dafür den Großteil der Aktien.

Aktien gegen Schulden: Solarworld-Aktionäre zahlen den Schuldenschnitt

Externe Prüfer hatten Asbeck Anfang des Jahres bescheinigt, dass Solarworld nur durch gravierende Einschnitte bei den Verbindlichkeiten zu retten sei. Nun sollen rund 400 Millionen von derzeit einer Milliarde Euro Schulden übrig bleiben.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

  • 13. Dezember 2011

    Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

  • 21. Dezember 2011

    Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

  • 3. April 2012

    Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

  • 17. April 2012

    Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

  • 25. Juni 2012

    Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

  • 10. Juli 2012

    Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

  • 21. August 2012

    Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

  • 6. September 2012

    Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

  • 18. Oktober 2012

    Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

  • 23. Januar 2013

    Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

  • 24. Januar 2013

    Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

  • 5.Juli 2013

    Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Wegen des Preisverfalls bei Solaranlagen steckt Solarworld in den roten Zahlen. Der Umsatz brach im vergangenen Jahr um 42 Prozent auf 606 Millionen Euro ein, der Verlust lag bei 477 Millionen Euro. Schon 2011 hatte Solarworld 307 Millionen Euro Verlust erwirtschaftet. Das Eigenkapital hat Solarworld angesichts der Verluste aufgezehrt, die flüssigen Mittel reichen aber noch bis zum Jahresende. Ende 2012 waren noch 224 Millionen Euro übrig.

  • 10.05.2013, 19:22 UhrBlumewirt

    Hauptsache noch einmal ein Zeichen gesetzt. Die schwachsinnige Aktion von Solarworld und der absolut bedauernswerten "Vereinigung" europäischer Modulhersteller (incl. dessen "CEO") hat bereits hunderte von Jobs in der PV gekostet (wahrscheinlich mehr als in der Modulherstellung überhaupt beschäftigt sind...). Das Beispiel USA ist voll daneben weil die Systempreise viel höher sind und der Zoll locker weggesteckt werden kann. Ich hoffe der Spuk ist schnell vorbei, im Namen aller Beschäftigten in der europäischen PV Industrie!

  • 03.05.2013, 10:15 UhrHofmannM

    Wie lang will man denn noch den toten Gaul von der Solarworld reiten!?
    Die Photovoiltaik und damit die ganze Erneuerbare Energiebranche ist und bleibt ein Kostenfass OHNE Boden. Diese Branche kann nicht "WIRTSCHAFTLICH"! Diese Branche ist einzig und alleine für die Abocker und Hasser der deutschen/europäischen Marktwirtschaft geschaffen worden!
    Das EEG ist das gesetzliche und politische diktierte Vernichtungsinstrument der europäisch-deutschen marktkonformen Energiewirtschaft!
    Und Hr. Asbeck ist ein gaaannnzzz GROßER dieser perfiden und assozialen EEG-Zwangs Abzocker!!! Auf Kosten der deutschen Allgemeinheit!

  • 02.05.2013, 23:01 Uhrlef

    Gegen einen Industriestandort wie China, an dem Strom für unter 2 €ct/KWh frei Haus geliefert wird,
    dagegen kann eine europäische/amerikanische Firma nicht konkurrieren,
    ganz simpel!
    Photovoltaik ist geronnene Energie - mit negativem Output,
    auch ganz simpel zu errechnen (nach DIN, nicht nach Volksglauben).
    Der Strom in China ist dreckiger und blutiger Kohlestrom,
    aber das ist den Deutschen egal - Hauptsache, es ist hier "sauber".

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