Solarzellen
Eldorado für neue Investoren

Derzeit baut der Münchener Chiphersteller Qimonda zusammen mit einem Partner in Portugal ein neues Werk für Solarzellen. Die Infineon-Tochter ist nicht das einzige branchenfremde Unternehmen, das in diesen Tagen das Geschäft mit der Sonne entdeckt. Immer mehr Firmen stecken ihr Geld in die Industrie, weil sie zusätzliche Umsätze wittern.

MÜNCHEN. So wie der weltgrößte Halbleiterhersteller Intel. Der US-Konzern hat jüngst einen kleinen Bereich abgespalten und auf eigene Beine gestellt. Das junge Unternehmen Spectra Watt soll aus einer eigenen, neuen Fabrik vom nächsten Jahr an Photovoltaikzellen für die Solarindustrie liefen. Dazu bekam Spectra Watt von der Risikokapitalsparte Intel Capital und einigen Partnern 50 Mill. Dollar mit auf den Weg.

Es ist kein Zufall, dass sich gerade die Halbleiterbranche auf diesem Gebiet engagiert. Denn Solarzellen werden genauso wie Chips mit Silizium hergestellt. Da liege es nahe, in das neue Geschäftsfeld zu investieren, meint Qimonda-Chef Kin Wah Loh: "Hier können wir unsere Kernkompetenz in der Massenfertigung von siliziumbasierten Produkten mit hohem Qualitätsstandard nutzen, um neue Umsatzquellen zu erschließen."

Dazu kommt: Im Vergleich zu Halbleiterfabriken sind die Solarzellenwerke spottbillig. Gemeinsam mit einem Partner aus der Branche will Qimonda binnen Jahresfrist 70 Mill. Euro in das Werk in Portugal, gleich neben einer bestehenden Fertigung des Konzerns, investieren. Eine neue Chipfabrik würde mindestens das Zehnfache kosten. Dazu kommt, dass das Chipgeschäft wesentlich stärker schwankt, sich hohe Gewinne mit enormen Verlusten abwechseln.

Auch der IT-Riese IBM verspricht sich künftig ein großes Geschäft mit der Umwandlung von Sonnenstrahlen in Strom. Der US-Konzern, bekannt durch Großrechner und IT-Beratung, forscht auf ganz unterschiedlichen Feldern, von neuen Materialien bis zu Produktionsprozessen. "Wir sind überzeugt davon, dass IBM sein großes Know-how auf dem Gebiet der Halbleiter und Nanotechnologie auch in der Forschung über alternative Energien einbringen kann", sagt Supratik Guha, der die Photovoltaik-Forschung des Konzerns führt.

Erst vor wenigen Wochen hat die Traditionsfirma eine Kooperation mit dem Chipzulieferer Tokyo Ohka Kogyo angekündigt. Gemeinsam wollen die Unternehmen Produktionsabläufe, neue Materialien und Maschinen entwickeln, mit denen Solarzellen hergestellt werden sollen. Dafür verwenden sie das neue Material CIGS (Copper-Indium-Gallium-Selenide). Die Solarzellen auf Basis von CIGS sollen bis zu 100-mal dünner werden als die herkömmlichen Produkte aus Silizium - und damit wesentlich billiger.

Für den amerikanischen Mischkonzern General Electric (GE) - eines der größten Industrieunternehmen der Welt - ist die Energieerzeugung seit Jahren ein Kerngebiet. Allerdings verdient GE sein Geld bislang mit Atomkraft, mit Gasturbinen und Windenergie. Doch GE pumpt bereits viele Millionen in die Entwicklung von Solarzellen, obwohl der Konzern heute noch gar kein nennenswertes Geschäft auf diesem Gebiet hat. Das stört Forschungschef Mark Little aber nicht: "Bis vor einigen Jahren waren wir auch nicht in der Windkraft vertreten. Heute ist das ein wichtiger, schnell wachsender Bereich." So arbeiten die Experten an Solarzellen, die deutlich effizienter sind als die bislang erhältlichen Produkte und sich zudem wesentlich günstiger herstellen lassen. Dabei wollen sie so weit wie möglich auf das teure und knappe Silizium verzichten, aus dem die Solarzellen heute gemacht werden.

An Geld für den Solarbereich mangelt es den Amerikanern nicht: Vor zwei Wochen erst hat sich GE Energy Financial Services mit 235 Mill. Dollar an einem spanischen Projektentwickler von Solarkraftwerken beteiligt. Weitere Beteiligungen gibt es bereits in anderen Ländern.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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