Solarzellen
Sonnenstrom soll es richten

Die Hersteller von Solarzellen wollen die Klimaschutz-Debatte als Ausweg aus der Krise nutzen. Weil die Margen für Solarzellen sinken, treten die Hersteller längst nicht mehr nur als Produzent auf. Sie investieren auch in die Anwendung ihrer High-Tech-Zellen.

DÜSSELDORF. Wenn die Solarbranche Erfolge feiert, ist das für Politiker ein Pflichttermin. Als Ende August die größte deutsche Photovoltaik-Anlage in Lieberose bei Cottbus eröffnet wurde, ließen sich Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck allzu gerne neben den riesigen Kollektorfeldern ablichten. "Vor Jahrzehnten sind wir verlacht worden, jetzt ist Deutschland bei der Solartechnologie an der Spitze", lobte Tiefensee.

Doch während sich die Politik euphorisch zeigt, haben die Hersteller der Solarzellen mit herben Rückschlägen zu kämpfen. Q-Cells aus Sachsen-Anhalt, der weltgrößte Solarzellenproduzent, meldete im ersten Halbjahr dieses Jahres 39 Prozent weniger Umsatz, der Gewinn halbierte sich im Vergleich zum Vorjahr sogar. Die Fertigung allein lohnt sich kaum noch. Q-Cells setzt deshalb auf eine neue Strategie: Statt nur als Produzent aufzutreten wie bisher, investiert das Unternehmen auch in die Anwendung ihrer High-Tech-Zellen.

Die Projektgesellschaft Q-Cells International baut eigene Solarparks mit den Produkten des Mutterkonzerns. Q-Cells Clean Sourcing, eine weitere Tochter, vermarktet den dort erzeugten Sonnenstrom. Zellen mit einer Leistung von 100 bis 200 Megawatt sollen 2009 in Eigenprojekten verbaut werden - ein Großteil der angepeilten Jahresproduktion von 600 bis 800 Megawatt. "Die Firma entwickelt sich vom reinen Zellhersteller zum Photovoltaikkonzern", sagt der Vorstandsvorsitzende von Q-Cells, Anton Milner.

Wie Q-Cells handeln inzwischen auch viele Konkurrenten: Sie schaffen sich neue Absatzkanäle, indem sie eigene Projektgesellschaften etablieren oder krisengeschüttelten Anbietern Projekte abkaufen und sie anschließend mit eigener Technik bestücken. "Wir sehen einen klaren Trend zur Vorwärtsintegration", sagt Markus Wackerbeck, Analyst bei EuPD Research. Nicht nur große Spieler wie Q-Cells, die US-Firma First Solar oder Suntech aus China weiten ihre Aktivitäten kräftig aus. Auch vergleichsweise kleine Mittelständler erschließen sich neue Märkte. Der Wechselrichterhersteller Kaco New Energy beispielsweise hält einen 30-Prozent-Anteil an der Deutschen Solargesellschaft, die Photovoltaikparks realisiert.

Die neue Strategie der Hersteller könnte sich als cleverer Schachzug erweisen: Denn der krisenbedingte Verfall der Solarzellenpreise hat das Interesse der Energiewirtschaft geweckt, die nun im großen Stil in die früher als unwirtschaftlich gebrandmarkte Energiequelle investieren will. Weltweit sollen Solarparks mit zum Teil mehreren hundert Megawatt Leistung entstehen. Mit Planung, Aufbau und Betrieb der Kraftwerke wollen die Versorger allerdings nichts zu tun haben und suchen deshalb kompetente Partner - eine gute Chance für vielseitige Solarhersteller.

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