Solides Bild
Pharmawachstum flacht ab

Ein solides Bild mit einigen Schönheitsfehlern bietet die Pharmaindustrie mit ihren Zahlen für die ersten neun Monate. Im Schnitt steigerten die führenden Vertreter der Branche nach Berechnungen des Handelsblatts ihre Umsätze um knapp sieben Prozent und die operativen Gewinne um etwa elf Prozent.

FRANKFURT. Obwohl mehrere Konzerne derzeit mit Problemen kämpfen, dürfte die Pharmaindustrie im Gesamtjahr auf ein Umsatzplus von sechs bis sieben Prozent zusteuern und besser abschneiden als ursprünglich erwartet. Allerdings zeichnen sich nach Einschätzung von Fachleuten für 2007 schwächere Wachstumsraten ab.

Zudem dominierten mit Blick auf die Produktentwicklung zuletzt eher negative Nachrichten. So berichtete Branchenführer Pfizer zum Beispiel, dass sein wichtigstes Entwicklungsprodukt, der neue Cholesterinsenker Torcetrapib, möglicherweise Bluthochdruck verursacht – was aus Sicht von Analysten die Aussichten für dieses Mittel erheblich eintrüben könnte. Die britischen Konzerne Glaxo-Smithkline und Astra-Zeneca meldeten den Ausfall oder die Verzögerung von Neuentwicklungen. Bei Sanofi-Aventis hegen Analysten Zweifel, ob der Konzern seinen neuen Wirkstoff Acomplia tatsächlich als Diabetes-Medikament positionieren kann. Acomplia ist ein Schlüsselprodukt für die mittelfristigen Aussichten des Konzerns. Analysten von JP Morgan trauen dem Wirkstoff Spitzenumsätze von mehr als vier Mrd. Dollar zu. Von den deutschen Krankenkassen indessen wurde Acomplia jüngst als „Life-Style“-Mittel eingestuft und von der Liste der erstattungsfähigen Medikamente genommen.

Derzeit werden Sanofi und der US-Partner Bristol-Myers Squibb (BMS) durch Generikakonkurrenz für den Blutverdünner Plavix, das umsatzmäßig zweitgrößte Produkt der Pharmabranche, belastet. Und der US-Konzern Merck & Co muss den Patentablauf beim Cholesterinsenker Zocor verkraften. Merck und Sanofi dürften aber spätestens ab Mitte 2007, wenn die Patenteffekte verkraftet sind, wieder bessere Wachstumsraten ausweisen. Für Branchenführer Pfizer, der im dritten Quartal mit einem relativ starken Umsatzplus überraschte, erwarten Analysten in den kommenden beiden Jahren nur noch Stagnation.

Das Marktforschungsunternehmen IMS Health, das über die umfangreichste Datenbasis im Pharmasektor verfügt, rechnet für die Branche 2007 nur noch mit einem Plus von fünf bis sechs Prozent. „Die stärkste Kraft, die derzeit das Wachstum bremst, ist ohne Zweifel der Druck von öffentlichen und privaten Institutionen, ihre Ausgaben für Medikamente zu begrenzen“, schätzt IMS-Manager Murray Aitken.

Die Zahl der Neuzulassungen wird sich nach Erwartung von IMS wie in diesem Jahr bei etwa 30 bewegen. Da sich viele Konzerne inzwischen auf Nischen- und Spezialprodukte konzentrierten, werde der Wachstumsbeitrag dieser Neuentwicklungen aber geringer ausfallen als in der Vergangenheit und nicht Schritt halten mit dem Patentablauf bei älteren Substanzen.

IMS geht davon aus, dass 2007 Medikamente mit etwa 16 Mrd. Dollar Umsatz ihren Patentschutz verlieren, nach 23 Mrd. Dollar im laufenden Jahr. Teilweise kompensiert wird der Kostendruck in den westlichen Ländern nach Erwartung der Marktforscher durch eine wachsende Nachfrage aus Entwicklungs- und Schwellenländern wie China, Indien oder den osteuropäischen Ländern.

Mit Blick auf die verschiedenen Produktgruppen erwartet IMS überproportional starke Umsatzsteigerungen von 13 bis 14 Prozent bei Biotech-Medikamenten sowie Generika. Weiterhin starkes Wachstum sieht IMS für Krebsmedikamente, wovon vor allem der Baseler Roche-Konzern profitieren dürfte. Bei einigen etablierten Produktgruppen dürfte das Umsatzwachstum dagegen deutlich abflachen. Die Erlöse mit Cholesterinsenkern etwa werden nach Erwartung von IMS nur noch um ein bis zwei Prozent auf dann etwa 33 Mrd. Dollar zulegen.

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