Sondierung mit Gewerkschaft
VW geht auf Konfliktkurs

Der Wolfsburger VW-Konzern steht vor einer Zerreißprobe. Nach Angaben aus Konzernkreisen wird VW-Markenchef Wolfgang Bernhard von der IG Metall bei den am Montag startenden Sondierungsgesprächen gravierende Eingeständnisse verlangen.

FRANKFURT. Besonders tief sollen die Einschnitte nach dem Willen Bernhards bei den VW-eigenen Komponentenwerke ausfallen. Doch bereits im Vorfeld hat IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine klar gemacht, dass die Gewerkschaft zu „Verzichtsorgien zu Lasten der Beschäftigten auf keinen Fall zur Verfügung steht“. Er fordert ein „Gesamtkonzept über die nachhaltige Sicherung der Standorte und der Beschäftigung“.

Besonders Bernhard, der gemeinsam mit Personalvorstand Horst Neumann das VW-Verhandlungsteam führen wird, drückt aufs Tempo. Er sieht die Marke ohne eine tiefgreifende Sanierung in ihrer Existenz gefährdet. Ohne einen Beitrag der Belegschaft kann seiner Meinung nach eine Sanierung nicht gelingen. Das Forderungspaket des Managements dürfte neben einer deutlichen Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich die Schließung einiger Zulieferbereiche umfassen. Insgesamt sind in diesen VW-Bereichen in Deutschland rund 30 000 Menschen beschäftigt.

Nach früheren Angaben hält das Management nur einen kleinen Teil der hauseigenen Fertigung von Zulieferteilen für wettbewerbsfähig. Der Rest sei entweder nicht zu retten oder nur mit hohen Investitionen und einer tiefgreifenden Restrukturierung wirtschaftlich zu betreiben. Investitionen in die Zukunft will das Management aber an Eingeständnisse der Gewerkschaft knüpfen. VW fertigt viele Teile in Eigenregie, die von Konkurrenten längst zu Zulieferern ausgelagert worden sind. Konkret gilt beispielsweise die Gießerei in Hannover als bedroht.

Der Spielraum des Managements ist momentan auf Grund des geltenden Tarifvertrags eingeschränkt. Beim Personalabbau muss VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder daher auf Freiwilligkeit setzen. Er hatte bereits vor Monaten angekündigt, dass 20 000 der gut 100 000 Stellen bei VW in Westdeutschland auf dem Spiel stehen. Analysten gehen davon aus, dass diese Zahl eher die Untergrenze markiert. Neben Programmen zur Altersteilzeit, die bereits von mehr als 15 000 Beschäftigten unterschrieben sind, hat VW vor zwei Wochen die Konditionen für Abfindungen deutlich verbessert. Wer den Konzern „als Kurzentschlossene“ in den kommenden Monaten freiwillig verlässt, kann mit einer Abfindungssumme von bis zu 250 000 Euro rechnen. Das Angebot wurde allen rund 80 000 Tarifbeschäftigten unterbreitet. Für die außertariflich Angestellten hat der Konzern auch entsprechende Abfindungsangebote vorbereitet, heißt es in dem Unternehmen.

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