Sony
Analyse: Weckruf in Tokio

Am Donnerstag will der neue Sony-Chef Howard Stringer den Rettungsplan für das japanische Unternehmen vorlegen. Nach den katastrophalen Zahlen für das erste Geschäftsquartal hoffen Anleger auf durchgreifende Schritte des ersten Ausländers an der Spitze Sonys.

Am Donnerstag will der neue Sony-Chef Howard Stringer den Rettungsplan für das japanische Unternehmen vorlegen. Nach den katastrophalen Zahlen für das erste Geschäftsquartal hoffen Anleger auf durchgreifende Schritte des ersten Ausländers an der Spitze Sonys – dem einstigen Primus der Unterhaltungs-Elektronik. Wie so oft vor Rettungsplänen steigt der Aktienkurs in Erwartung durchgreifender Pläne. Doch mit Recht warnen viele Analysten, dass es Stringer schwer fallen dürfte, die schnelle Wunderkur für Sony zu finden.

Sony badet im Fernseh- und Halbleitergeschäft die Fehlentscheidungen vergangener Jahre aus. Viel zu spät wurde die Wende von Kathodenstrahlfernsehern auf LCD-Geräte eingeleitet. Zumindest bis in die zweite Hälfte nächsten Jahres hinein wird Sony mit seinem Fernsehgeschäft umgerechnet hunderte Millionen, wahrscheinlich sogar Milliarden Euro verlieren.

Analysten erwarten, dass Stringer mit Einschnitten in der Fernsehproduktion hier die kurzfristigen Verluste begrenzt und Allianzen mit Samsung aus Südkorea zur Produktion oder Entwicklung von LCD-Bildschirmen vertieft. Zudem bleibt abzuwarten, was Howard mit dem Finanzgeschäft Sonys vorhat.

Dass Sony im Fernsehgeschäft wieder auf die Beine kommt, ist elementar für die Markenstärke des Unternehmens. Wenn der für das Fernsehgeschäft zuständige Vorstand Katsumi Ihara eingesteht, Sony habe sich bei LCD-Fernsehern nicht von der Konkurrenz abheben können und sei deshalb voll in den Abwärtsstrudel der Preise gerissen worden, so sind das die Alarmglocken, die alle im Konzern aufwecken sollten. Neben Kostensenkungen und Restrukturierungen muss es für Sony darum gehen, das Image wieder zu stärken.

Vorige Woche hat Stringer seinen ersten Schritt dazu getan und den neu geschaffenen Posten des Chief Marketing Officers mit Andrew House von Sony Computer Entertainment America besetzt. Er soll dafür sorgen, dass die Mauern innerhalb des Sony-Konzerns fallen und die Abteilungen besser kooperieren. Dabei kann es nicht bleiben. Sony muss wieder ganz vorne an der Produktfront mitwirken. Bei MP3-Spielern und LCD-Fernsehern hat das Unternehmen versagt.

Die nächste Chance bietet sich schon bald. Ab 2006 steht mit hochauflösendem Fernsehen, der nächsten Generation von Speichermedien mit blauem Laser und der dritten Generation der Spielekonsole Playstation die große Chance an, wieder an die Marktspitze zu gelangen. Diese Chance muss Sony nutzen.

Der Konzern muss zugleich beweisen, dass er von seiner Multimediastrategie profitiert, also von der Einbindung der Film- und Musikstudios. Bisher hat Sonys Elektronikgeschäft unter der Multimedia-Vision von Howards Vorgänger Nobuyuki Idei eher gelitten. Konkurrenten wie Matsushita und Samsung sind dagegen höchst erfolgreich, auch ohne selbst Inhalte anzubieten. Trotzdem wird Stringer bei der Multimediastrategie bleiben – schließlich hat er Idei als Berater an seiner Seite.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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