Industrie

_

Sorgen in Indien: Adidas bekommt Probleme bei Reebok nicht in den Griff

Der Sportartikelhersteller bekommt die Probleme bei seiner verstaubten Reebok-Tochter nicht in den Griff. Adidas muss die angepeilten Umsatzziele senken und in Indien gehen wütende Franchisenehmer auf die Barrikaden.

Proteste gegen Filialschließungen in Indien: Franchiseunternehmer verbrennen in Neu Delhi Reebok-Artikel. Quelle: dpa
Proteste gegen Filialschließungen in Indien: Franchiseunternehmer verbrennen in Neu Delhi Reebok-Artikel. Quelle: dpa

MünchenAdidas bekommt die Probleme bei der Tochter Reebok nicht in den Griff. Der für 2015 ursprünglich angepeilte Umsatz der US-Marke in Höhe von drei Milliarden Euro werde auf zwei Milliarden gesenkt, teilte der Sportartikel-Hersteller am Freitag mit. Als Gründe dafür wurden wegfallende Erlöse aus dem American-Football-Geschäft und der Schwerpunkt auf höhere Margen genannt. Außerdem muss Adidas in Reebok investieren, um die verstaubte Marke neu als Fitness-Spezialist zu positionieren.

Anzeige

Das sind die Stärken und Schwächen von Adidas

  • Adidas freut sich über ein Mega-Sportjahr

    2012 ist für Adidas ein großes Sportjahr: Die Fußball-Europameisterschaft, die Olympischen Spiele in London und das Finale der Champions League in München beim Heim-und-Hof-Verein FC Bayern. Kein Wunder, dass die Zahlen da stimmen. Gäbe es da nicht diese Schattenseiten ... Ein Blick auf die Stärken und Schwächen.

  • Stärke: Null Euro Schulden

    Die US-Tochter Reebok mag Adidas-Chef Herbert Hainer noch immer große Sorgen machen, denn das Geschäft läuft alles andere als rund. Zumindest finanziell haben die Franken die Übernahme aber inzwischen abgehakt. Nach dem Zukauf des drittgrößten Sportkonzerns Ende 2005 für gut drei Milliarden Euro waren die Nettofinanzschulden von Adidas auf mehr als 2,2 Milliarden Euro gestiegen. Ende 2011 hatte der Konzern nun erstmals wieder mehr Geld in der Kasse als er Verbindlichkeiten aufweist.

  • Stärke: Spielraum für neue Übernahmen

    Diese positive Entwicklung wird sich fortsetzen, schließlich produziert das Unternehmen einen hohen Cash-Flow von zuletzt fast 800 Millionen Euro. Das schafft Spielräume für neue Investitionen, aber auch für weitere Akquisitionen. Große Übernahmen stehen nach der schlechten Erfahrung mit Reebok wohl nicht auf der Agenda. Zuletzt hat Hainer den Outdoor-Bereich sowie die Golfsparte mit kleineren Zukäufen verstärkt.

  • Stärke: Sinkende Rohstoffpreise

    Wichtige Grundstoffe sind vergangenes Jahr sehr viel teurer geworden. Das hat die gesamte Sportbranche schwer belastet. In den vergangenen Monaten sind die Preise allerdings wieder abgebröckelt, vor allem Baumwolle und Gummi sind jetzt deutlich günstiger zu haben als noch vor Jahresfrist. Bei anderen Rohstoffen wie Öl sind zumindest die scharfen Preissteigerungen vorüber.

  • Stärke: Höhere Margen

    Diese Entwicklung entlastet Adidas und führt tendenziell zu höheren Margen bei dem Sportartikelkonzern. Meist wirken sich Preisschwankungen bei Adidas aber erst mit einer Zeitverzögerung von mehreren Monaten aus, weil die Einkäufer die Konditionen lange vor der tatsächlichen Abnahme aushandeln.

  • Stärke: Steigende Rohstoffkosten verkraftbar

    Im vergangenen Jahr hat der Konzern bewiesen, dass er mit steigenden Preisen in der Beschaffung gut umgehen kann. In einigen Sparten wie den eigenen Geschäften sowie bei Reebok ist die Rendite 2011 sogar leicht gestiegen.

  • Schwäche: China wird zum Risiko

    Erklärtes Ziel von Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer ist es, die Nummer eins im Geschäft mit Turnschuhen und Trikots zu werden. Doch noch ist der US-Konzern Nike mit weitem Abstand Weltmarktführer.

  • Schwäche: Nike ist besser

    Das zeigt der direkte Vergleich: Adidas erzielte vergangenes Jahr 13,3 Milliarden Euro Umsatz. Das aktuelle Geschäftsjahr von Nike endet erst Ende Mai. In den vergangenen vier Quartalen kam der Konzern aber auf umgerechnet 16,9 Milliarden Euro.  Der Vorsprung ist ein wichtiges Pfund für die Firma von der amerikanischen Westküste, da in der Sportbranche Größe zählt.

  • Schwäche: Geringeres Marketing-Budget

    Beispiel Marketing: Die Konzerne geben jedes Jahr einen festen Prozentsatz vom Umsatz für Werbung aus. Bei Adidas sind das gut 13 Prozent - und somit knapp 1,8 Milliarden Euro. Nike kann sich da schon ein üppigeres Budget leisten.

  • Schwäche: Niedrige Margen

    Gleichwohl erreichen die Amerikaner bessere Margen: Die operative Rendite von Adidas lag 2011 bei knapp acht Prozent, Nike kam zuletzt auf 13 Prozent.

  • Schwäche: Kein Billigstandort

    In riesigen Fabriken lässt Adidas seine Turnschuhe und T-Shirts in China billig produzieren. Weltweit wird die Ware dann teuer verkauft. Ein geniales Geschäftsmodell. Doch kräftig steigende Löhne in der Volksrepublik machen dem Konzern immer mehr zu schaffen.

  • Schwäche: Löhne steigen weiter

    Zuletzt sind die Löhne der Arbeiter in den Fabriken im Jahresvergleich um knapp ein Fünftel gestiegen. Die Steigerungsraten bewegten sich in den vergangenen Monaten am oberen Rand dessen, was in den vergangenen vier Jahren üblich war.

  • Schwäche: Neue Standorte nötig

    Den Analysten von Barclay's Capital zufolge wird sich an der für die Hersteller ungünstigen Entwicklung bis ins kommende Jahr hinein vermutlich nichts ändern. Möglicherweise werden die Produzenten den Experten zufolge irgendwann sogar über andere Fertigungsstandorte nachdenken müssen.

"Wir können nicht für uns in Anspruch nehmen, schon auf dem Weg zu nachhaltigem globalen Erfolg zu sein", kommentierte Adidas-Chef Herbert Hainer die Reebok-Leistung. Der Fokus werde künftig auf Märkten mit höheren Margen liegen, nicht auf Größe in Indien oder Lateinamerika, wo es weniger Geld pro Produkt gebe. Bis 2015 soll die Rohertragsmarge über 40 Prozent liegen. Das wäre eine Verbesserung von mindestens fünf Punkten.

ARD-Markencheck Kleiner Schatten auf der Welt von Adidas

Die ARD widmete sich in einer TV-Doku kritisch der Sportmarke Adidas.

ARD-Markencheck: Nur ein kleiner Schatten auf der heilen Welt von Adidas

Die mauen Aussichten belasten am Freitag die Adidas-Aktien. Mit einem Minus von 2,2 Prozent zählen die Papiere des Sportartikelherstellers zu den wenigen Dax-Verlierern.

Unterdessen gehen in Indien die Franchise-Nehmer auf die Barrikaden und protestieren gegen geplante Filialschließungen im Land. Probleme gibt es auch mit dem ehemaligen Geschäftsführer von Reebok India, Subhinder Singh Prem, der gestern wegen Betrugsvorwürfen verhaftet wurde, wie die BBC berichtet. Ende April hatte der Konzern mit weltweit knapp 47.000 Mitarbeitern frühere Unregelmäßigkeiten bei Reebok-Läden in Indien bekanntgegeben.

Wer Textilien nach Deutschland liefert

  • Pakistan

    Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 0,46

    Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 37 %

  • Rumänien

    Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 0,48

    Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 5,3 %

  • Vietnam

    Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 0,54

    Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 26,7 %

  • Indonesien

    Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 0,57

    Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 19,8 %

  • Niederlande

    Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 0,75

    Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 14,1 %

  • Italien

    Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 0,98

    Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 1,6 %

  • Indien

    Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 1,23

    Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 16,1 %

  • Bangladesch

    Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 2,64

    Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 32,3 %

  • Türkei

    Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 2,98

    Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 6,3 %

  • China

    Einfuhrwert in Mrd. Euro (Jan. - Nov. 2011): 8,33

    Veränderung zum Vorjahreszeitraum: + 9,1 %

  • Quellen

    Statistisches Bundesamt, German Fashion

Adidas hat Reebok 2006 für gut drei Milliarden Euro übernommen, um den Abstand zum Branchenprimus Nike, der vor allem in den USA dominiert, zu verringern. Doch wirklich aufgegangen ist der Plan nicht. Reebok kommt nicht in Schwung, ist deutlich weniger profitabel als die Kernmarke des Konzerns mit den berühmten drei Streifen. Umsatzrückgänge waren zuletzt an der Tagesordnung, auch rote Zahlen sind in der Vergangenheit keine Seltenheit gewesen.

Sportartikelhersteller

Abgesehen von Reebok läuft es aber gut für den Dax-Konzern aus Herzogenaurach. Bei einem Investorentag in Kalifornien bekräftigte Hainer, den Umsatz bis 2015 auf 17 Milliarden Euro hieven zu wollen. Dieses Jahr dürften es - auf Basis der aktuellen Prognose - rund 14,5 Milliarden Euro werden. Zuletzt sei es rund um die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele stark um Umsatzwachstum gegangen. "Wir wollen uns nun verstärkt auf die Verbesserung der Profitabilität des Konzerns konzentrieren", so Hainer. Die operative Marge solle ab 2013 jährlich um etwa ein Prozentpunkt verbessert werden. Als Zielwert haben die Franken elf Prozent bis 2015 ausgegeben.


  • Die aktuellen Top-Themen
Fernbus-Markt: Ab November geht der ADAC-Postbus auf Reisen

Ab November geht der ADAC-Postbus auf Reisen

Früher kam die Post mit der Kutsche. Jetzt kommt sie mit dem Bus: Zusammen mit dem Verkehrsclub ADAC drängt das Unternehmen auf den Fernbusmarkt. Bereits für 2014 hat sich die Deutsche Post ein ehrgeiziges Ziel gesteckt.

Kaufangebot: Yahoo flirtet mit Videodienst Hulu

Yahoo flirtet mit Videodienst Hulu

Anfang der Woche hat Yahoo sich die Blog-Plattform Tumblr einverleibt. Nun will der Internetkonzern offenbar erneut in die Tasche greifen: US-Medien zufolge reichte Yahoo ein Kaufangebot für den Videodienst Hulu ein.

VDA-Präsident: Branche soll Elektroautos mehr Zeit lassen

Branche soll Elektroautos mehr Zeit lassen

8500 Elektroautos fahren laut VDA-Präsident Wissmann auf deutschen Straßen. Eigentlich wollte er dort bis 2020 eine Million sehen; das Ziel werde vielleicht nicht pünktlich erreicht. Doch entscheidend sei etwas anderes.

  • Business-Lounge
Business-Lounge: Die großen Auftritte der Entscheider

Die großen Auftritte der Entscheider

Premieren, Feste, Symposien oder Jubiläen – es gibt viele Anlässe, bei denen die Größen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Verfolgen Sie die Auftritte in Bildern.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DEUTSCHLANDS ANZEIGENPORTAL FÜR UNTERNEHMENS-VERKAUF UND UNTERNEHMENSNACHFOLGE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Verkaufsangebote Verkaufsgesuche




 

.