Soziale Komponente
Bau von Elektroautos braucht weniger Arbeitskräfte

Daimler und die IG Metall erforschen nun zusammen die Auswirkungen des Elektroautos. Untersucht werden sollen die Folgen des Öko-Antriebs auf die Beschäftigung und die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter.
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STUTTGART. Das Elektroauto kommt und wird die Arbeitswelt der Hersteller verändern. Auch wenn die Umstellung noch Jahre dauern wird und nur schrittweise erfolgen wird: Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass Elektromotoren deutlich geringeren Arbeitsaufwand und einfacher konstruierte Getriebe benötigen. Absehbare Konsequenz: Die Zahl der Arbeitsplätze vor allem bei der Fertigung von Antrieben wird sinken.

So lautet die Ausgangsthese eines Forschungsprojekts zu den betrieblichen Auswirkungen der Elektromobilität, das die Daimler AG in Auftrag gegeben hat und gestern vorstellte.

Motoren und Getriebe machen bislang bei Verbrennungsmotoren 20 bis 30 Prozent der Wertschöpfung aus und gelten bei dem Stuttgarter Autohersteller als Kernkompetenz in der Fertigung. Mehrere zehntausend Beschäftigte arbeiten bei Daimler in dem Bereich. In der gesamten Branche sind es rund 200 000 Beschäftigte, schätzt die IG Metall.

Verschiebungen in der Wertschöpfung sind programmiert. Elektroautos benötigen leistungsfähige Batterien, die 40 bis 50 Prozent der Wertschöpfung ausmachen. Daimler baut derzeit knapp 2 000 Elektroautos. Nur wenige hundert Mitarbeiter sind mit der Produktion beschäftigt.

Bis März 2012 sollen Wissenschaftler unter Leitung des Fraunhofer-Instituts bei Autobauern und Zulieferern im Detail untersuchen, welche Folgen die klimaschonende Elektrifizierung der Fahrzeugantriebe auf die Beschäftigung sowie die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter hat. Finanziert wird das vom Daimler-Betriebsrat angestoßene Forschungsvorhaben vom Konzern, der IG Metall Baden-Württemberg sowie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. "Der Elektroantrieb bindet deutlich weniger Beschäftigung als die vielen Teile, die an einem Verbrennungsmotor dranhängen", sagt Erich Klemm. Der Daimler-Betriebsratschef will möglichst viele Arbeitsplätze erhalten.

Derzeit sucht der Konzern einen Partner für den Traktionsmotor des Elektroautos. Täglich würden schon heute richtungsweisende Entscheidungen gefällt. "Wir wollen, dass das noch einmal überdacht wird. Es wäre wünschenswert, auch die Produktion von Elektromotoren an den Daimler-Motorenstandorten anzusiedeln, um die Beschäftigung langfristig zu sichern", fordert Klemm, der befürchtet, dass die Produktion bei einem Partner stattfinden wird. Für die Elektrifizierung der Autoantriebe sei nicht nur ein ökologisches Gewissen nötig, Elektroantriebe müssten auch sozial nachhaltig sein.

Kommentare zu " Soziale Komponente: Bau von Elektroautos braucht weniger Arbeitskräfte"

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  • Das ist eine sehr begrenzte Sicht!

    Tatsache ist, dass E-Autos so sehr viel teurer sind, dass hier der Gesamtaufwand gesehen werden muss.
    Auch wenn die Fahrzeuge selbst einfacher und mit weniger Arbeitskräften hergestellt werden können,
    der Hauptanteil am Preis ist nun mal der Akkumulator (ca. 50% des Gesamtaufwandes) und der muss ja auch hergestellt werden - nur eben nicht mit inländischen Arbeitskräften, sondern woanders.
    Vor Allem also: Das Rohmaterial und die Endproduktion (die allerdings gut automatisierbar ist und deswegen wohl in billiglohnstaaten erfolgen wird).

    Viel gravierender sind jedoch die Sekundärfolgen im inland!
    Durch die höheren Kosten eines E-KFZ wird im inland Kaufkraft gebunden, sprich: es bleibt weniger Geld für anderen Konsum usw., notwendigen oder nicht.
    Ein E-Auto, das doppelt bis dreifach so viel Geld kostet, wie ein konventionelles Auto wird in Zukunft den Hauptteil des prinzipiell verfügnaren Haushaltes verbrauchen.
    Auch wenn natürlich davon auszugehen ist, dass E-Autos nur von sehr gut Verdienenden angeschafft werden können - auch die kürzen dann den sonstigen Konsum entsprechend.

    Ein ähnlicher Effekt ist ja auch bereits bei der "EE" zu sehen - teurere Stromrechnungen zum beispiel. Der Anteil ist bislang zwar sehr gering, trotzdem fehlt Vielen (Wenigverdienenden) schon heute genau dieser Kleinbetrag am Ende des Monates und zwingt zum Sparen bei dem Konsum über das Lebensnotwendige hinaus. Auch das lässt die beschäftigtenzahl insgesamt sinken.

    Das "dicke Ende" kommt erst noch, aber es ist immer deutlicher zu sehen.

  • Leider gibt es nur vereinzelt Stimmen, die darauf hinweisen, dass bei Elektroautos, die ihren Strom aus Kohlekraftwerken beziehen müssen, die CO2-bilanz bestenfalls ausgeglichen ist. Und diese Stimmen werden nirgends gehört.

    Wer behauptet, der Strom für die E-Autos werde gänzlich oder wenigstens teilweise regenerativ erzeugt, unterschlägt, dass dieser Strom auf Jahrzehnte hinaus bereits für die heute bekannten Verbraucher verplant ist, da bleibt nichts mehr übrig.

    D. h., diese zusätzlichen Verbraucher (die E-Autos) beziehen ihre Energie zwangsläufig aus Kraftwerken, die man ansonsten abschalten könnte, und das sind die Kohlekraftwerke.

    im Endeffekt werden wir eine Unmenge Geld für die Entwicklung und den bau von Elektroautos ausgeben, ohne die CO2-bilanz auch nur um einen Deut zu verbessern.

    Einziger Ausweg: Wir lassen die AKWs länger am Netz, um damit emissionsfreie Mobilität zu machen.

    Alles andere ist Selbstbetrug und Augenwischerei.

  • 1995 hatte bereits eine deutsche Forschungsfirma bei VW und Mercedes Lithiumakus für Elektroautos vorgestellt.
    Hat man damals ignoriert, man ja so mit den fossilen Antrieb beschäftigt.
    Heute hat VW und Mercedes ein Kooperationsabkommen mit bYD.
    Die deutsche Autoindustrie wird verkommen zu "blechpresse made in Germany", dann werden chinesische Komponenten in deutsches blech verschraubt.
    Will man hier eine neue Heizer auf der E-Lok Debatte los treten?

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