Sozialverträglicher Stellenabbau
Bei Opel kehrt trügerischer Frieden ein

Rund 1400 Antwerpener Opel-Arbeiter müssen gehen, das ist klar. Bis heute haben Gewerkschaft und Management darüber gestritten, wie der Stellenabbau ablaufen soll. Jetzt haben sie sich auf eine sozialverträgliche Variante geeinigt. Doch gleichzeitig wird schon über den Wegfall weiterer Modelle spekuliert.

HB RÜSSELSHEIM/ANTWERPEN. Der Autobauer Opel schrumpft sich weiter gesund. Bis Jahresende wird im Opel-Werk im belgischen Antwerpen knapp ein Drittel der 4500 Arbeitsplätze wegfallen. Diesen Plan gab die Geschäftsleitung des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) am Dienstag gemeinsam mit Arbeitnehmervertretern in Rüsselsheim bekannt. „Die 1400 Stellen werden sozialverträglich über Abfindungen abgebaut“, sagte ein GM-Sprecher. Entlassungen solle es nicht geben. Zugleich werde das Werk ab 2010 mit zwei neuen Modellen ausgelastet. Antwerpen war Ende April bei der Entscheidung über die Produktion des neuen Astra-Modells leer ausgegangen, so dass die Schließung drohte. Der neue Astra wird unter anderem in Bochum gebaut.

Gegen den Stellenabbau hatten tausende Arbeiter in Antwerpen, aber auch in Rüsselsheim demonstriert. In den wochenlangen Verhandlungen erreichten das Management und das Europäische Arbeitnehmerforum EEF nun diesen Kompromiss. Seit 2005 hat GM im lange defizitären Europageschäft 12 000 Stellen gestrichen, den Großteil bei Opel in Deutschland. Damit war Opel 2006 wieder in die schwarzen Zahlen gefahren. In Portugal hat der Konzern Ende vergangenen Jahres ein Werk mit 1100 Mitarbeitern geschlossen. GM beschäftigt derzeit in Europa 62 500 Mitarbeiter und lässt in Antwerpen rund 200 000 Fahrzeuge des Kompaktwagens Astra pro Jahr vom Band laufen.

GM Europa-Präsident Carl-Peter Forster sagte in Rüsselsheim: „Wir haben beträchtliche Strukturverbesserungen vor, die es möglich machen, dem Werk einen angemessenen Produktionsauftrag zu geben.“ Nach 2010 ist den Angaben zufolge ein Volumen von bis zu 120 000 Wagen pro Jahr in Antwerpen geplant. „Eines der Modelle wird ein Opel sein, und es gibt gute Chancen für ein weiteres Modell“, sagte der EEF-Vorsitzende und Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz. GM sagte im Gegenzug zu, die Fertigung weiterer Modelle zu prüfen - unter der Voraussetzung, dass das Werk wettbewerbsfähiger werde. Zudem muss noch entschieden werden, ob die Produktion im Zwei- oder Drei- Schicht-Betrieb laufen wird.

Nach einem Bericht der Branchenzeitschrift „auto motor und sport“ beabsichtigt Opel, die Produktion seiner beiden erfolglosen Modelle Signum und Tigra einzustellen. General Motors habe bereits entschieden, dass der in Rüsselsheim gebaute Mittelklassewagen Signum beim Modellwechsel im Sommer 2008 ersatzlos gestrichen werde. Der Signum habe die Absatzerwartungen verfehlt und im vergangenen Jahr in Deutschland nur noch 8040 Käufer gefunden. Das Unternehmen nannte den Bericht „reine Spekulation“. Eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Der Signum habe sich in punkto Qualität einen hervorragenden Namen gemacht, sagte Opel-Sprecher Frank Klaas. Bei einem Modellwechsel stünden grundsätzlich alle Modelle auf dem Prüfstand.

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