Sparkurs
Gewinn von Hugo Boss bricht ein

Rund 150 Mitarbeiter müssen gehen, trotzdem wird der Gewinn des Modekonzerns Huho Boss voraussichtlich einbrechen. Der Luxus-Textilhändler erwartet wegen der Krise einen deutlichen Umsatzrückgang. Besonders die hohen Zinsen und Abfindungen belasten das Ergebnis.

METZINGEN/DÜSSELDORF. Nach Escada und H&M gerät in der Rezession auch der größte deutsche Bekleidungshersteller Hugo Boss stark unter Druck. In diesem Jahr erwartet der neue Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs einen sinkenden Umsatz. Das Unternehmen hat bereits mit dem Abbau von 150 Stellen in Metzingen reagiert und einen Sozialplan vor wenigen Tagen mit den Arbeitnehmervertretern abgeschlossen.

Lahrs will die Kosten weiter senken, ohne die Mannschaft in diesem Jahr noch weiter zu verkleinern. Allerdings schloss er eine Schließung der teuren Fertigung in den USA nicht aus. Zur Höhe der Einsparungen in diesem Jahr konnte Lahrs nichts sagen. Zumindest die Investitionen will er um 50 Mio. Euro auf 60 bis 70 Mio. Euro kürzen. Aber er kündigte an, dass der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen steigen werde.

Analysten sind skeptisch, dass Hugo Boss die Ziele für dieses Jahr erreichen kann. „Der im Dezember angekündigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 300 Mio. Euro wird nicht zu halten sein“, sagt Thomas Rosenke, Analyst der WestLB in Frankfurt. Dafür seien die Aussicht für den Textileinzelhandel in wichtigen Märkten wie USA, Deutschland und anderen europäischen Ländern zu schlecht.

Das sieht auch Franz Maximilian Schmid-Preissler so, Chef der gleichnamigen Strategieberatung für Marken und Mode. „Wenn Claus-Dietrich Lahrs in diesem Jahr beim Gewinn plus-minus Null erreicht, hätte er einen guten Job gemacht.“ Das Ergebnis lasse sich nur steigern, wenn die Kosten deutlich gesenkt würden. „Dann aber würde Boss das Niveau von Service und Qualität riskieren.“

Branchenexperten hatten zuletzt Qualitätsprobleme festgestellt. Betriebsratschef Antonio Simina sieht für den Konzern trotz Personalabbau gute Chancen, diese Probleme in den Griff zu bekommen. Es sei spürbar, dass Lahrs aus der Branche komme und sich sehr um die technischen Details kümmere. Mitunter gibt es aber von anderer Seite Kritik am neuen Vorstandschef. Lahrs, der von Dior kam und nun erstmals alleinverantwortlich ein größeres Unternehmen leite, wolle zu viel selbst machen und verzettele sich.

Lahrs ficht das nicht an. Er möchte die einzelnen Modelinien des Hauses eigenständiger positionieren. Die Frauenkollektion, in den vergangenen Jahren der Wachstumstreiber des Konzerns, erwähnt er kaum. Währungsbereinigt hat die künftig nicht mehr einzeln ausgewiesene Sparte laut Geschäftsbericht um fünf Prozent zugelegt, nominal dürfte sie noch leicht gewachsen sein.

Im vergangenen Jahr verbuchte das vom Finanzinvestor Permira kontrollierte Unternehmen bei einem Umsatzplus um drei Prozent auf 1,7 Mrd. Euro einen Rückgang des Konzerngewinns um 27 Prozent auf 112 Mio. Euro. Vor allem die Personalkosten stiegen um 54 Mio. Euro, darin enthalten 28 Mio. Euro unter anderem für die Abfindung des alten Managements.

Den Spielraum von Hugo Boss schränken die von acht auf 26 Mio. Euro gestiegenen Zinszahlungen ein. Grund ist die Sonderdividende an den Mehrheitseigner Permira aus dem Vorjahr, wodurch sich die Verschuldung von knapp 200 Mio. Euro auf 628 Mio. Euro erhöhte. Die Eigenkapitalquote rutschte auf magere 17 Prozent. Der neue Finanzvorstand Norbert Unterharnscheidt sieht den Konzern dennoch stabil finanziert.

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