Sparmaßnahmen greifen
Schering macht Schönwetter an der Börse

Der Berliner Schering-Konzern hat die Anleger zuletzt von Enttäuschung zur Enttäuschung gejagt, doch mit der Vorlage der Quartalszahlen am Montag scheint endlich Ruhe einzukehren. Dank der Verkaufserfolge seiner Antibaby-Pille "Yasmin" übertraf der Pharmahersteller die Erwartungen der Analysten - die Börse dankt es ihm mit steigenden Kursen.

DÜSSELDORF. Die meistverkaufte Antibabypille aus den USA kommt aus Berlin. Das behauptet zumindest der Pharmakonzern Schering, der den Vermarktungserfolg seines Hormonpräparates "Yasmin" für die unerwartet hohen Gewinne im ersten Quartal verantwortlich macht. Wie der im Dax notierte Pharmahersteller am Montag mitteilte, lag das Betriebsergebnis mit 212 Mill. Euro geringfügig über dem Vorjahreswert. Von Reuters befragte Analysten hatten dagegen im Schnitt nur mit 166 Mill. Euro gerechnet. Der Umsatz stieg den Angaben zufolge um 1% auf 1,17 Mrd. Euro.

Die in zwei Dosierungen vertriebene Antibabypille ist nach Unternehmensangaben nicht nur der Marktführer in den USA, sondern seit dem Schlussquartal 2003 auch der zweitwichtigste Umsatztreiber des Berliner Konzerns. Der Produktumsatz sei trotz negativer Wechselkurseffekte im Vergleich zum Vorjahresquartal um 64% auf 91 Mill. Euro gestiegen. Scherings wichtigstes Produkt bleibt indes das gegen Multiple Sklerose (MS) eingesetzte "Betaferon", das im ersten Vierteljahr 178 Mill. Euro umsetzte. Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Verkäufe allerdings um etwa 3% zurück, was Schering mit der Bevorratung bei einigen US-Großhändlern begründete. Denn seit Januar wird das Medikament in einer vorgefüllten Spritze verkauft - eine einfachere, aber auch teurere Darreichungsform als das zuvor in Kombination mit einem Lösemittel angebotene Pulver.

Um auch die Nachfrage von Patienten zu erfüllen, die lieber bei alles beim Alten lassen, füllten demnach einige Grossisten im Dezember ihre Läger mit dem MS-Medikament auf und benötigten im ersten Quartal entsprechend weniger.

Außer der guten Umsatzzuwächse im Bereich der hormonalen Empfängnisverhütung machte Schering-Chef Hubertus Erlen im Gespräch mit dem Handelsblatt auch die im vergangenen Jahr eingeleiteten Sparmaßnahmen in der Verwaltung und im Marketing für die gute Ergebnisentwicklung verantwortlich: "Wir haben unsere Kosten im Griff, deshalb ist das Quartalsergebnis für uns keine Überraschung." Insgesamt sei der Konzern auf genau dem Kurs, den er im vergangenen Jahr angekündigt hatte.

Ein Teil des Ergebnisses sei aber auch auf das Konto einer veränderten Abschreibepraxis gegangen. Schering passt seine Rechnungslegung an internationalen Standards an, indem es seit dem abgelaufenen Quartal nicht mehr regelmäßige Abschreibungen auf den Goodwill vornimmt. Im gesamten Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen daher mit einem Betriebsergebnis von 663 Mill. Euro statt der bisher angekündigten 620 Mill. Euro. Den positiven Effekt auf das heute veröffentlichte Quartalsergebnis beziffert Schering auf 11 Mill. Euro. "Aber auch wenn man das herausrechnet, ist das Ergebnis überraschend gut", sagt Alexander Groschke, Pharma-Analyst der Landesbank Rheinland-Pfalz.

Einen Anlass, die Schering-Aktie heraufzustufen, sieht Analyst Groschke indes nicht. Er bewertet das Papier als "Marketperformer" mit dem Kursziel 45 Euro. Davon ist der Titel nach dem Kursanstieg am Montag von beinahe 4% auf 42,85 Euro ist der Titel nicht mehr weit entfernt. Seine Kollegen von der DZ Bank schrieben indes in einer Kurzmitteilung, dass ihre bisherige Empfehlung "Sell" für die Pharma-Aktie derzeit überarbeiten und den Titel heraufstufen werden.

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