Sparmaßnahmen und Stellenabbau
Konzerne müssen im Büro sparen

In der deutschen Industrie schlummern noch große Effizienzreserven in Vertrieb und Verwaltung. Vor wenigen Tagen gab Siemens bekannt, mehr als 12 000 Stellen vor allem in nichtproduzierenden Bereichen zu streichen. Am Donnerstag kündigte auch die Heidelberger Druckmaschinen AG neue Sparmaßnahmen und einen Stellenabbau in der Verwaltung an. Experten sehen einen Trend.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Der im MDax notierte Maschinenbauer und Europas größter Technologiekonzern signalisieren damit einen Trend. Nach einer Handelsblatt-Untersuchung ergeben sich bei den größten Industriekonzernen erhebliche Unterschiede in Kostenstrukturen. Fachleute gehen daher davon aus, dass über die beiden aktuellen Beispiele hinaus weitere Konzerne den Rotstift ansetzen werden.

Denn unter den großen Unternehmen zeigt sich eine bemerkenswerte Diskrepanz: Während die Produktionsanlagen vielerorts bereits auf Effizienz getrimmt sind, hat sich in der Administration oft relativ wenig getan.

Soweit sie aus den Abschlüssen herauszulesen sind, stiegen die Verwaltungsausgaben der Dax-Industriekonzerne seit Anfang des Jahrzehnts im Schnitt in etwa parallel zu den Umsätzen – ein Hinweis auf zu geringe Sparanstrengungen. „Die Abläufe in den Verwaltungen mancher Firmen sind auf dem Stand der 70er-Jahre stehengeblieben“, sagt Bodo Wiegand, Chef des Lean-Management-Instituts in Aachen. Unter Prozessexperten gilt der Spruch: In den Produktionshallen kämpft man um Sparerfolge im Cent-Bereich, das viel größere Sparpotenzial liegt aber in den Büros.

Mehrere Unternehmen haben Effizienzprogramme bereits hinter sich. So konnten Continental, SAP und Thyssen ihre Kostenstruktur deutlich verbessern. In einigen anderen wie Daimler, MAN oder Bayer sind die Anteile der Verwaltungskosten am Umsatz dagegen gestiegen. Bei Siemens kletterte die Kennziffer von 4,0 Prozent im Jahr 2000 auf 4,8 Prozent im Jahr 2006.

Verwaltungskosten zu senken, dies stehe bei den meisten Unternehmen inzwischen ganz oben auf der Agenda, heißt es auch in einer aktuellen Untersuchung der Unternehmensberatung Booz & Co unter 30 Großunternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Messbarer Erfolg lasse bei den meisten aber noch auf sich warten, schreiben die Berater. Lediglich 43 Prozent der untersuchten Konzerne verzeichnen einen sinkenden Anteil der Verwaltungskosten am Nettoumsatz. Bei 17 Prozent ist dieser Anteil zuletzt sogar gestiegen.

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