Sparpaket hievt die Fluggesellschaft noch nicht über den Berg
Delta-Piloten retten die Airline vorerst vor dem Konkurs

Mit einem kräftigen Kursgewinn hat die Börse auf ein neues Sparpaket der amerikanischen Fluggesellschaft Delta Air Lines regiert. Die Piloten der Airline haben sich zu einem massiven Gehaltsverzicht bereit erklärt, der die Personalkosten in den kommenden fünf Jahren um eine Milliarde Dollar pro Jahr drücken wird.

HB NEW YORK. Delta kann damit zwar vorerst die Gefahr der Zahlungsunfähigkeit abwenden. Gerettet ist die Fluggesellschaft aber noch nicht. „Die harte Wahrheit ist, dass es angesichts der hohen Treibstoffpreise, der geringen Gewinnmargen und der anhaltenden Veränderungen in der Branche keine Garantien gibt“, sagte Delta-Chef Gerald Grinstein.

So hat der Konzern erst knapp die Hälfte seines Sparziels von fünf Mrd. Dollar bis 2006 erreicht. Weitere Lohnkürzungen um zehn Prozent für Mitarbeiter, die keiner Gewerkschaft angehören, sowie der Abbau von etwa 6 900 Stellen sind deshalb bereits geplant. Außerdem wird Delta sein Drehkreuz in Dallas schließen und sich auf seine Knotenpunkte in Atlanta, Cincinnati und Salt Lake City konzentrieren.

Bei den anderen großen US-Fluggesellschaften sieht es nicht viel besser aus. United Airlines und US Airways befinden sich unter Gläubigerschutz. Beide Airlines wollen ihre Pensionsverpflichtungen aufkündigen. Marktführer American Airlines denkt erneut über Entlassungen nach. Überkapazitäten, die Terroranschläge, ein Preiskrieg mit den Billigfliegern und stark gestiegene Kerosinpreise haben die Branche in eine Dauerkrise gestürzt.

Mit der Zustimmung der Piloten zu den Sparplänen kann Delta jetzt daran gehen, seine Finanzen in Ordnung zu bringen. Ein Kreditabkommen in Höhe von einer Mrd. Dollar mit GE Capital Aviation Services und American Express stand bislang unter dem Vorbehalt, dass die Piloten die Gehaltskürzungen akzeptieren. Außerdem will Delta seine Gläubiger überreden, Schulden in Höhe von 252 Mill. Dollar in Aktien zu tauschen. „Es sieht so aus, als wenn Delta einen Konkurs vermeiden kann“, sagte Philip Baggaley, Analyst bei der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) in New York, dem Nachrichtendienst Bloomberg.

Für die Piloten ist das Zugeständnis eine bittere Pille, bedeutet das Abkommen doch nicht nur einen Gehaltsverzicht von fast einem Drittel. Delta wird auch die bislang großzügigen Betriebsrenten einfrieren und durch ein weniger komfortables Angebot ersetzen. Zudem müssen die Piloten mehr für ihre Krankenversicherung bezahlen.

Dass das bereits im Oktober ausgehandelten Abkommen dennoch mit einer überwältigenden Mehrheit angenommen wurde, liegt daran, dass die Einschnitte bei einem Konkursverfahren noch größer gewesen wären. „Wir hatten die Wahl zwischen zwei schlechten Alternativen und haben uns für das kleinere Übel entschieden“, sagte John Malone, Chef der Pilotengewerkschaft. Für ihre Zugeständnisse erhalten die Piloten Optionen in Höhe von 30 Millionen Delta-Aktien.

Trotz der Kürzungen bleiben die Gehälter der rund 6 800 Delta-Piloten noch weit über dem, was ihre Kollegen bei den Billig-Airlines verdienen. Beträgt das Jahresgehalt der bestbezahlten Flugzeugführer bei Delta demnächst etwa 194 000 Dollar, kommen die Piloten beim Billigflieger JetBlue maximal auf 108 000 Dollar.

Fluchtwege aus der Dauerkrise

Delta: Die Gehälter der Piloten werden massiv gekürzt. Weitere Lohnsenkungen und Entlassungen sind geplant.

United Airlines: Die Fluggesellschaft steht nach wie vor unter Gläubigerschutz (Chapter 11). Die Gesellschaft will nun ihre Pensionsverpflichtungen aufkündigen und bereitet weitere Lohnkürzungen vor.

American Airlines: Der Branchenführer denkt über weitere Entlassungen nach.

Continental Airlines: Das Unternehmen verhandelt mit ihren Piloten über Einsparungen.

US Airways: Die Gesellschaft steht zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren unter Gläubigerschutz. Auch US Airways möchte sich am liebsten von seinen teuren Pensionsverpflichtungen trennen.

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