Sparplan soll dem Konzern seinen Stempel aufdrücken: Der lange Schatten von Ferdinand Piëch

Sparplan soll dem Konzern seinen Stempel aufdrücken
Der lange Schatten von Ferdinand Piëch

VW-Chef Bernd Pischetsrieder plant den Befreiungsschlag: Neben der Konzernbilanz will er heute auch seinen Sparplan erläutern, um die Erosion der Gewinne zu stoppen. Viele Probleme hat er von seinem Vorgänger Ferdinand Piëch geerbt.

FRANKFURT. Kein Wort von Krise, kein Wort über Probleme: Für die Eröffnung des Genfer Automobilsalons Anfang März hatte sich VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder das Thema „New Faces“ ausgesucht – Designdiskussion statt Strategiedebatte lautete die Marschroute. Drei Tage zuvor war Pischetsrieder deutlicher geworden. „Alle Aktivitäten müssen unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit erneut auf den Prüfstand“, hatte er verkündet und den Aufsichtsrat aufs Sparen eingeschworen. Mehr als eine Milliarde Euro geringere Kosten jährlich sollen die weitere Erosion der Gewinne verhindern. Denn VW hat kein Designproblem, die Seele des Konzerns kränkelt: Die inneren Strukturen sind zu kompliziert und undurchlässig. Personalkosten, Produktion, Vertrieb und Entwicklung sind zu teuer, die angestrebte Kapitalrendite von neun Prozent wurde bereits auf 2006 verschoben.

Harsche Kritik an seinem Vorgänger Ferdinand Piëch, der große Verantwortung für den kranken Zustand der VW-Seele trägt, verbietet sich für Pischetsrieder. Denn Piëch ist Vorsitzender des Aufsichtsrats. Er hat VW zwar in seiner Zeit als Konzernchef aus einer existenzbedrohenden Krise heraus zum Erfolg geführt. Doch im Rausch des Erfolgs hat er dem Konzern zu viel zugemutet. Er übergab seinem Nachfolger eine ungeordnete Markenvielfalt mit VW, Audi, Skoda, Seat, Bentley, Lamborghini und Bugatti. Statt auf wachsende Segmente wie Vans, Cabrios, Coupés und Geländewagen zu setzen, hatte Piëch zu viele ähnliche Autos unter unterschiedlichen Marken bauen lassen.

Pischetsrieder muss das ändern, kündigte eine Modelloffensive an und will schon bald 85 Prozent aller Segmente abdecken. Doch das kostet erst einmal Geld und Zeit. Beides hat VW zu wenig: Die teure Entwicklung der Luxusmarken belastet die Budgets ebenso wie konzernweite Überkapazitäten und die Restrukturierung kranker Standorte wie Brasilien. Piëch ging die Schwachstellen nur halbherzig an und übergab sie zusammen mit einem Rekordgewinn seinem Nachfolger Pischetsrieder.

Der wiederum zögerte zu lange und baute auf die erhoffte Konjunkturbelebung, die die Probleme lösen sollte. Sie blieb bislang aus. Nun ist Feuer unterm Dach. Spätestens seit der letzten Aufsichtsratssitzung ist das jedem bei Volkswagen klar. Auch, dass es nun nicht mehr um Kosmetik geht. Pischetsrieder braucht schnelle Sparerfolge, weil er sich sonst immer weiter von den Prognosen entfernt. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die neuen Kostensenkungsmaßnahmen nur die Differenzen aus der aktuellen Wechselkurs- und Nachfragesituation zur alten Planung ausgleichen“, glauben die Analysten der Hypo-Vereinsbank. „Es bedarf einiger Anstrengung, um allein das Ertragsniveau des Vorjahres zu halten“, sagt ein Aufsichtsratsmitglied.

Seite 1:

Der lange Schatten von Ferdinand Piëch

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%