Sparprogramm
20 000 blicken bei VW in ungewisse Zukunft

Europas größter Autokonzern Volkswagen hat ein „tief greifendes Restrukturierungsprogramm“ angekündigt. Bis zu 20 000 Mitarbeiter könnten davon betroffen sein. Die Nachricht kommt zu einer Zeit, da es wirtschaftlich mit dem Konzern wieder bergauf geht, wie die Bilanz 2005 zeigt.

HB WOLFSBURG. Die schlechte Botschaft für die Beschäftigten gab VW am Freitag in Wolfsburg bekannt. Bei der Zahl von 20 000 handele es sich aber nicht um eine Zielgröße für einen Personalabbau, erklärte Konzernchef Bernd Pischetsrieder ohne weitere Details zu nennen. Betriebsbedingte Kündigungen schloss er aus. „Wir haben einen Tarifvertrag, und es ist nicht beabsichtigt, den zu kündigen. Und der Tarifvertrag schließt betriebsbedingte Kündigungen aus.“

Im November 2004 hatten VW und IG Metall einen Haustarifvertrag abgeschlossen, der bis Ende 2011 ein Beschäftigungsniveau von rund 103 000 Beschäftigten in Westdeutschland garantiert. Die Belegschaft bezahlte die Jobgarantie unter anderem mit einer Nullrunde von zwei Jahren und vier Monaten. Volkswagen will mit dem Betriebsrat und der IG Metall aber über den Pakt verhandeln. Ziel müsse die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens und der Arbeitsplätze sein. Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen sei dies nicht zu erreichen. Insgesamt beschäftigt der Autobauer in seinen sechs westdeutschen Werken gut 100 000 Mitarbeiter.

Schwerpunkte des Sparprogramms sind die Beseitigung von Produktivitätsdefiziten – insbesondere in den Fahrzeugmontagewerken –, die Neuordnung der Komponentenfertigung, das Erreichen wettbewerbsfähiger Arbeitskosten und die volle Auslastung der Werke auch durch Kapazitätsanpassungen. Zu den erwarteten Verkäufen von ganzen Komponentenwerken kommt es aber nicht, stellte Pischetsrieder klar. Darüber und über massenhafte Stellenstreichungen war seit Donnerstag verstärkt spekuliert worden.

Der Sparplan wird die Mitarbeiter umso härter treffen, als dass der Konzern gleichzeitig gute Zahlen für das abgelaufene Jahr 2005 vorlegte. Der operative Gewinn einschließlich Sondereffekten sei um 70 Prozent auf 2,79 Mrd. Euro gestiegen, teilte der Autobauer mit. Analysten hatten im Schnitt mit einem operativen Ergebnis einschließlich Sondereffekten von lediglich 2,43 Mrd. Euro gerechnet. Unterm Strich ergab sich immerhin noch ein Plus von knapp 61 Prozent auf 1,12 Mrd. Euro. Der Umsatz für 2005 lag mit 95,27 Mrd. Euro ebenfalls leicht über der Analaystenschätzung und deutlich über dem Vorjahreswert von 88,96 Mrd. Euro. Ertragssäulen waren Audi und die Finanzdienstleistungen.

Sorgenkind ist aber weiter die Kernmarke VW, deren Ergebnis nur knapp im schwarzen Bereich lag. Genau Zahlen nannte das Unternehmen nicht, sondern sprach lediglich von einer Situation, die „völlig unbefriedigend“ sei. Das operative Ergebnis des Konzernbereichs Automobile insgesamt stieg auf rund 1,9 Mrd. Euro nach 1,2 Mrd. Euro im Vorjahr. Der Absatz verbesserte sich um 3,2 Prozent auf 5,24 Mill. Fahrzeuge.

Die Dividende für 2005 soll auf 1,15 Euro je Aktie nach 1,05 Euro im Jahr davor angehoben werden. Die Aktien von Volkswagen haben am Freitag nach der Vorlage von Geschäftszahlen deutlich zugelegt. Die VW-Aktie gewann in der Spitze 7,4 Prozent auf 54,39 Euro und kletterte damit auf den höchsten Stand seit Juni 2002. „Die VW-Zahlen sehen sehr gut aus. Sie sind auf jeden Fall besser als erwartet“, sagte ein Händler.

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