Sparprogramm angekündigt
Airbus-Debakel belastet EADS-Aktie

Die Krise des europäischen Flugzeugherstellers Airbus hat die Aktie des Mutterkonzerns EADS auf Talfahrt geschickt. Zudem zeigen sich immer mehr Fluggesellschaften verärgert über die nochmalige Verzögerung beim A380 und reden von „ernsten Folgen“. Der Flugzeugbauer erwartet aber keine Abbestellungen.

HB/lip PARIS. Nach Bekanntgabe weiterer Lieferverzögerungen beim Riesenairbus A380 und daraus resultierender Milliardenverluste brach die EADS-Aktie am Mittwoch in der Spitze um elf Prozent ein. Zahlreiche Investmentbanken stuften das Papier zurück. Großbanken bewerteten das am Vorabend vom EADS-Verwaltungsrat beschlossene Sparprogramm, mit dem die Kosten künftig um 30 Prozent gesenkt werden sollen, als „unklar“. Die Bundesregierung warnte EADS davor, mit dem Sparprogramm Airbus-Produktionskapazitäten aus Deutschland zu verlagern.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) forderte, EADS dürfe nicht auf Kosten von Arbeitsplätzen in Deutschland umstrukturiert werden. Nach Industrieschätzungen hängen in Deutschland 40 000 Arbeitsplätze von dem Riesenairbus ab, allein im Hauptwerk Hamburg-Finkenwerder sind es 12 000. Die Hamburger Belegschaft fürchtet, dass die Endmontage der A380 von Hamburg nach Toulouse verlegt werden könnte. Airbus-Chef Christian Streiff reist heute zu einem Krisengespräch mit Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) nach Berlin. Glos und die Gewerkschaft IG Metall pochten darauf, dass Airbus Zusagen für die Produktion der A380 in Deutschland einhalten müsse. Der Hamburger Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU) sagte dem Handelsblatt, sollte die A380-Montage von Hamburg abgezogen werden, könnte die Bundesregierung ein Milliardendarlehen an EADS zurückfordern.

Ein EADS-Sprecher betonte, die erneute Verzögerung der A380-Auslieferung um durchschnittlich ein weiteres Jahr sei „ganz bestimmt die letzte Verzögerung“. EADS erwarte keine Stornierung von Bestellungen für das Großraumflugzeug. Allerdings profitiert Airbus Konkurrent Boeing bereits von ersten Ausweichbestellungen.

Airbus-Chef: A380-Verzögerung kostet keine Jobs in Fertigung

Der Flugzeughersteller will bei dem geplanten Sparprogramm zum Ausgleich der Belastungen durch die A380-Verzögerung jedoch keine Stellen in der Fertigung abbauen. „Ich erwarte keine Reduzierung der Stellen bei den Werkern, weil die Auftragsbücher voll sind“, sagte Airbus-Chef Christian Streiff dem „Hamburger Abendblatt“ laut vorab veröffentlichten Auszügen des Interviews. Dagegen müsse bei Zeitarbeitskräften außerhalb der Produktion gespart werden. „Zahlen gibt es bisher noch keine. Sie sollen möglichst im November vorliegen“, sagte er.

Für das Sparprogramm mit einem Volumen von zwei Mrd. Euro sollen die Kosten bei Material, Qualitätssicherung und Verwaltung um 30 Prozent gesenkt werden, sagte Streiff weiter. Zudem werde Airbus weniger Aufträge für Beratung und Werbung vergeben. „Wir müssen bei Airbus schon den Lebensstandard ändern“, ergänzte der erst seit Sommer amtierende Airbus-Chef.

Streiff bekräftigte, über die Arbeitsverteilung zwischen den verschiedenen Airbus-Werken solle frühestens Anfang 2007 entschieden werden. Bis dahin würden Ideen gesammelt und geordnet sowie mit Politik und Sozialpartnern gesprochen. In der Branche wird spekuliert, dass Airbus die Fertigungsanteile für den doppelstöckigen A380 von Hamburg abziehen und nach Toulouse verlagern könnte. Im Gegenzug könnte die Montage des zweistrahligen Modells A320 dem Hamburger Werk zugeschlagen werden.

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