Sparprogramm
Pharmakonzern Roche streicht Tausende Stellen

Der Abrüstungswettlauf in der Pharmaindustrie bringt jetzt auch Roche auf Trab. Wie schon die Konkurrenten Pfizer und Merck & Co. tritt der Schweizer Konzern nun heftig auf die Kostenbremse – unter anderem durch umfangreiche Jobkürzung.
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ZÜRICH. Der Schweizer Konzern kündigte gestern ein umfangreiches Sparprogramm an, dem 4 800 Jobs zum Opfer fallen werden und das ab 2012 die Kosten um 2,4 Mrd. Franken pro Jahr drücken soll.

Konzernchef Severin Schwan begründete die tiefen Einschnitte mit dem „zunehmenden Kostendruck im Gesundheitswesen sowie steigenden Anforderungen an die Zulassung und Preisgestaltung von neuen Medikamenten“. Roche folgt damit Konkurrenten wie Pfizer und Merck & Co., die ebenfalls auf die Kostenbremse treten und Massenentlassungen angekündigt haben.

Anders als die meisten Wettbewerber hat Roche weiterhin eine ganze Reihe vielversprechender Krebs-Medikamente in der Pipeline und ist kurzfristig kaum von Patentabläufen betroffen. Das ist vor allem der engen Zusammenarbeit mit dem US-Biotechkonzern Genentech zu verdanken, den Roche kürzlich komplett übernommen hat.

Die Gesundheitsreformen in den USA und Europa machen dem Baseler Unternehmen aber das Leben schwer. Selbst kostspielige Krebsmittel wie Avastin geraten ins Visier der staatlichen Sparkommissare.

Außerdem haben die Zulassungsbehörden ihre Anforderungen an neue Wirkstoffe erhöht. So zweifeln Experten in den USA und Großbritannien daran, dass der Roche-Blockbuster Avastin ein Allheilmittel gegen verschiedene Krebserkrankungen ist. Zudem verzögert sich die Zulassung für ein neues Diabetesmittel um mindestens 18 Monate. Analysten fragen sich bereits, ob Roche das Medikament Taspoglutid ganz fallenlassen wird.

Solche Rückschläge erhöhen den Kostendruck und bremsen das Wachstum. In den ersten neun Monaten des Jahres stagnierte der Erlös bereits. Laut Schwan werden die Einsparungen im Gesundheitswesen den Umsatz in diesem Jahr um rund 500 Mio. Franken (rund 373 Mio. Euro) und 2011 um gut eine Mrd. Franken drücken.

Mit der Rosskur „Operational Excellence“ will sich Roche frühzeitig auf die widrigen Marktbedingungen einstellen. Selbst die Forschungssparte, für die Roche bislang mehr als 20 Prozent seines Umsatzes ausgibt, bleibt nicht verschont. 600 Forscher müssen ihren Arbeitsplatz räumen. Der Großteil des Stellenabbaus trifft jedoch mit 2 650 Jobs den Bereich Vertrieb und Marketing. Zählt man Umbesetzungen und Auslagerungen hinzu, sind weltweit 6 300 der insgesamt 82 000 Mitarbeiter betroffen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

Kommentare zu " Sparprogramm: Pharmakonzern Roche streicht Tausende Stellen"

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  • Solange die börse und Spekulanten die Ankündigung Menschen zu entlassen mit einem mit einem Anstieg des Aktienwertes an der börse honorieren, brauchen wir uns über den moralischen Verfall der Menschheit nicht zu wundern.
    Der Egoist stirbt zu letzt.

  • Fachkräftemangel???????????
    Wie der Name schon sagt: Po-Litiker, alles was aus ihrem Mund kommt ist maximal für den Allerwertesten.

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