Sparprogramm
VW setzt in Brasilien die Axt an

Auf der Hauptversammlung hatte VW-Chef Bernd Pischetsrieder bereits angedeutet, dass der brasilianischen Tochter Einschnitte drohen. Aus dem südamerikanischen Land kommen nun Details: Tausende Stellen könnten wegfallen, vielleicht sogar ein Werk geschlossen werden. Im Vergleich kommen die deutschen VW-Werker geradezu glimpflich davon.

HB RIO DE JANEIRO. Binnen zwei Jahren soll in Brasilien das Sparprogramm umgesetzt werden, bei dem auch eine der fünf Fabriken auf der Kippe steht. Das teilte VW do Brasil am Mittwoch in Sao Paulo mit. „Unser Mutterhaus in Deutschland meint, dass wir hier in Brasilien eine Fabrik zu viel haben“, sagte der Präsident der VW-Tochter, Hans-Christian Maergner. Man wolle auf jeden Fall die Personalkosten für die neuen Modelle um 25 Prozent senken, was aber nicht bedeuten müsse, dass ein Viertel der Belegschaft entlassen werde. Maergner wies darauf hin, dass VW die höchsten Lohnkosten von allen Autobauern in Brasilien habe. „Wir können nicht sagen, wie viele Arbeiter entlassen werden“, sagte er.

Die Metallarbeiter-Gewerkschaften in Taubate und Sao Bernardo im Land Sao Paulo, wo Volkswagen-Fabriken angesiedelt sind, teilten mit, man befürchte die Streichung von mehr als 6 000 der insgesamt 22 000 Stellen, das wäre beinahe jeder vierte Arbeitsplatz. Zum Vergleich: In Deutschland hat die VW-Führung 20 000 der rund 100 000 Stellen in Frage gestellt; das ist jeder fünfte Arbeitsplatz. Werksschließungen wird es nicht geben.

Die brasilianischen Gewerkschaften kündigten bereits Protestdemonstrationen an. Das Unternehmen betonte allerdings, man wolle im Falle von Stellenstreichungen mit den Gewerkschaften verhandeln. „Volkswagen do Brasil glaubt, dass Streichungen in der Produktion sowie von Tausenden von Stellen unvermeidlich sind“, machte das Unternehmen jedoch die Marschrichtung klar.

Laut Maergner wird VW do Brasil frühestens 2007 wieder Gewinne erzielen, aber nur dann, wenn die Bemühungen um Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und um Kostensenkungen erfolgreich sind. Der Präsident von VW do Brasil sagte zudem eine Senkung der Exportzahlen um 40 Prozent bis 2008 im Vergleich zu 2005 voraus. Im vergangenen Jahr wurden rund 260 000 Fahrzeuge ins Ausland verkauft. Wesentliche Exportmärkte sind Lateinamerika, USA/Kanada und Europa. Nach Deutschland liefert die VW-Tochter den Kleinwagen Fox.

VW ist seit Jahren der größte Fahrzeug-Exporteur Brasiliens. Das Unternehmen wurde aber vom Anstieg der heimischen Währung Real im Vergleich zu Euro und US-Dollar in den vergangen drei Jahren besonders hart getroffen. In den vergangenen Tagen wurde der US- Dollar um 2,06 Real notiert. Das ist der niedrigste Wechselkurs der der US-Währung in den vergangenen fünf Jahren. Neben der Real-Stärke sei VW do Brasil auch von Kostenanstiegen bei Personal und Rohstoffen getroffen worden, erklärte Maergner.

VW do Brasil hat nach jüngsten Zahlen einen Anteil von 22,3 Prozent am brasilianischen Fahrzeugmarkt. Brasilien ist mit rund 307 000 Auslieferungen der drittgrößte Markt für den Volkswagen-Konzern nach Deutschland und China. Volkswagen do Brasil produziert insgesamt rund 500 000 Fahrzeuge jährlich.

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