Sparprogramme
„Dolores“ und ihre englischen Brüder

Nicht genug, dass Beschäftigte in Krisenzeiten um ihre Arbeitsplätze bangen müssen. Die Unternehmenschefs quälen sie auch noch mit den unmöglichsten Namen für ihre Sparprogramme. In jüngster Zeit sind Anglizismen schwer in Mode. Ein kleiner Streifzug durch die Geschichte von „AEG 83“ bis zu Airbus' „Power 8“.

MÜNCHEN. Die Mitarbeiter der EADS-Tochter Airbus sind kreative Wortschöpfungen in schlechten Zeiten gewohnt. „Power 8“ , der achtstufige Weg zu weniger Mitarbeitern und mehr Gewinn, ist nur der Nachfolger von „Route 06“, dem Sparprogramm, das ebenso wie das frühere Airbus-Management seit vergangener Woche Geschichte ist. Das numerische Erhöhen der Ziffern soll die Dramatik der Situation bei dem schwer ins Trudeln Flugzeugbauer demonstrieren: Sollten bei „Route 06“ noch 1,5 Mrd. Euro pro Jahr eingespart werden, so werden es bei „Power 8“ gleich deren 2.

Willkommen in einer Zeit, in der sich die Unternehmen in permanentem Umbau befinden. Eine Restrukturierung jagt die nächste. Trotz der überall hektischen aufgelegten Veränderungspogramme haben die Chefs für eines aber immer noch Zeit: Für jede Sanierung suchen sie einen mehr oder minder passenden Namen aus.

BenQ Mobile wollte es simpel

Beispiel BenQ Mobile. Als das Management im Frühsommer erkannte, dass es auf seinen Handys sitzen bleibt und die Verluste steigen, musste ein Sanierungsplan her. „Focus & Simplify“, zu Deutsch: „sich konzentrieren und die Dinge vereinfachen“, hieß das Abbauprogramm. Dem Projekt fielen ein Dutzend neue Handymodelle zum Opfer. Gleichzeitig wurden einige hundert Stellen gestrichen.

Genützt hat es alles nichts: Vor zwei Wochen musste der Münchener Handyanbieter Insolvenzantrag stellen, als die Taiwaner Konzernmutter BenQ den Geldhahn zudrehte. Mit einem Mal bekam der Slogan eine ganz neue Bedeutung. Denn jetzt sind die 3 000 von der Pleite betroffenen Mitarbeiter tatsächlich nur noch auf eine Sache fokussiert: Sie wollen ihre Jobs retten.

Schon zu AEG-Zeiten

Schon immer haben Manager versucht, den drohenden Kahlschlag hinter möglichst nichts sagenden Begriffen zu verstecken. „AEG 83“ taufte der damalige AEG-Chef Heinz Dürr im Jahr 1981 seinen Sanierungsplan. Der Erfolg blieb aus, der traditionsreiche Elektrokonzern ging 1982 trotzdem Pleite. Heute erinnert nur noch die Marke an eines der größten deutschen Unternehmen.

Seite 1:

„Dolores“ und ihre englischen Brüder

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%