Sparprogramme: Pharmakonzerne setzen den Rotstift an

Sparprogramme
Pharmakonzerne setzen den Rotstift an

Kaum eine Firma der Pharmaindustrie kommt derzeit noch ohne Sparmaßnahmen aus. Der Kostendruck durch die Gesundheitssysteme und jüngste Rückschläge treiben nun auch die Schweizer Roche in ein Effizienzprogramm.
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FRANKFURT. Die globalen Arzneimittelhersteller trimmen sich mit Sparprogrammen auf effizientere Strukturen. Jetzt hat auch der Schweizer Roche-Konzern eine solche Initiative angekündigt, die in den nächsten beiden Jahren umgesetzt werden soll. Details nannte das Unternehmen noch nicht, Klarheit soll es aber bis Jahresende geben, auch über einen möglichen Stellenabbau.

Die Gründe für die vielen Sparprogramme in der Pharmaindustrie sind vielschichtig. Zwar erzielen die meisten Firmen noch satte zweistellige Umsatzrenditen, aber die Gewinne geraten von vielen Seiten unter Druck. Zum einen steuern viele staatliche Gesundheitssysteme der Kostenexplosion mit Sparprogrammen entgegen. Dann setzen die Hersteller von günstigen Nachahmermedikamenten den forschenden Pharmaherstellern zu, wenn deren Top-Medikamente den Patentschutz verlieren. Und nicht zuletzt ist der Produktnachschub vieler Anbieter noch nicht marktreif, mit dem die Umsatzverluste künftig ausgeglichen werden könnten.

So haben beispielsweise die britischen Pharmakonzerne Astra Zeneca und Glaxo Smithkline bereits im vergangenen Jahr mit Sparprogrammen auf die wachsende Konkurrenz durch Generika reagiert. Bei Glaxo sollen über drei Jahre jedes Jahr 1,7 Mrd. Pfund (rund zwei Mrd. Euro) eingespart werden. Branchenbeobachter sehen bis zu 10 000 Stellen, also zehn Prozent der Belegschaft, gefährdet. Bei Astra Zeneca summieren sich verschiedene Sparprogramme auf mittlerweile 15 000 Jobs, die bis 2013 wegfallen sollen. Astra Zeneca beschäftigt aktuell rund 65 000 Mitarbeiter weltweit.

Nachdem viele Pharmaunternehmen zunächst im Außendienst Stellen abgebaut hatten, waren zuletzt auch die Beschäftigten in den Bereichen Forschung und Entwicklung betroffen.

Kostensenkungsprogramme laufen auch im Zuge von Übernahmen: Beim Branchenführer Pfizer, der Anfang vergangenen Jahres den Konkurrenten Wyeth übernahm, ebenso wie beim US-Konzern Merck & Co., der Schering Plough kaufte, sollen durch die Restrukturierungen verstärkt Synergien gehoben werden. So hat Pfizer/Wyeth acht von 78 Produktionsstandorten geschlossen, sechs verkleinert und 6 000 von 33 000 Stellen in der Produktion abgebaut. Insgesamt sehen die Pläne von Pfizer/Wyeth einen Abbau von 19 000 Stellen oder 15 Prozent der Arbeitsplätze vor.

Bei Merck/Schering sollen nach dem Zusammenschluss jährlich 3,5 Mrd. Dollar durch Synergieeffekte eingespart werden. Beide Konzerne beschäftigten zusammen 106 000 Mitarbeiter, auf längere Sicht sollen 16 000 Stellen oder rund 15 Prozent wegfallen.

Roche hat im Gegensatz zur Konkurrenz zwar kein Problem mit auslaufenden Patenten. Allerdings gab es in den vergangenen Wochen einige Rückschläge. Bei dem wichtigen Krebsmittel Avastin droht der Ausfall von Milliardenumsätzen. Weil das Topprodukt des Konzerns (2009: 6,2 Mrd. Franken Umsatz) nach Ansicht von Experten der US-Arzneimittelbehörde FDA zu wenig Nutzen bei der Brustkrebsbehandlung bringt, empfahlen sie, die vor zwei Jahren erteilte vorläufige Zulassung für diese Indikation zurückzuziehen. Im August lehnte die FDA zudem die beantragte beschleunigte Zulassung des Brustkrebsmittels T-DM1 ab, dem mehr als zwei Milliarden Franken Jahresumsatz zugetraut werden. Trotz der Rückschläge rüttelt Roche-CEO Severin Schwan allerdings nicht an seiner Jahresprognose, die er kürzlich noch angehoben hatte.

Mit Roche sind nunmehr fast alle führenden Pharmakonzerne auf Sparkurs. Zu den wenigen Ausnahmen gehört Novartis. Dort sieht Verwaltungsratspräsident Daniel Vasella derzeit keinen Anlass für Sparmaßnahmen, wie er am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Allerdings hat Novartis ab 2008 seine Pharmasparte nach einer deutlichen Schwächephase auch gerade erst wieder richtig auf Kurs getrimmt.

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