Sparsame Modell
Volkswagen baut Ein-Liter-Auto

VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech macht angesichts der Debatte um eine Reduktion der C02-Emissionen Tempo: Am Rande einer Präsentation zur Automobilmesse IAA in Frankfurt kündigte er einen neuen Anlauf zum Ein-Liter-Auto an. Der verbrauchsarme Kleinwagen soll bis 2010 auf den Markt kommen. Doch auch die Konkurrenz verfolgt ähnliche Pläne.

FRANKFURT. Ziel für das neue Auto ist ein Verbrauch von nur einem Liter auf 100 Kilometern und ein CO2-Ausstoß von maximal 45 Gramm pro Kilometer. Unter welcher Konzernmarke, in Frage kommen VW, Skoda und Seat, er verkauft wird, ist noch offen. Damit konkretisierte Piech frühere Aussagen. Bereits im Frühjahr hatte er die Produktion eines solchen Wagens für die nächsten Jahre in Aussicht gestellt.

Das dann wohl verbrauchsärmste Serienauto der Welt soll auf einer neu entwickelten und gewichtsreduzierten Plattform basieren, der ersten seit 1994. Auf deren Basis stellte Konzernchef Martin Winterkorn gestern die dreitürige Studie Up auf einer VW-Veranstaltung zum Auftakt der IAA vor. Daraus soll eine Kleinwagenfamilie für Wachstumsmärkte wie Osteuropa, Indien und China werden. „Das erste Serienmodell könnte ab 2009, spätestens aber 2010 erhältlich sein, wenn eine Entscheidung für den Bau vorliegt“, sagte Ulrich Hackenberg, Entwicklungschef der Marke VW, dem Handelsblatt. Für eine Produktion in Osteuropa kommen das VW-Werk im slowakischen Bratislava in Frage und eine Fabrik, die Skoda in Russland baut. Piech stellte eine zügige Entscheidung in Aussicht. Bereits auf seiner Sitzung im November könnte sich der Aufsichtsrat mit dem Thema befassen.

Bis zum Jahresende soll Klarheit herrschen, verlautete aus Unternehmenskreisen. Die Modelle sollen eine Länge zwischen 3,40 und 3,70 Meter haben. „Unser Ziel für den Verbrauch liegt bei 3 Litern auf 100 Kilometern“, sagte Hackenberg. Derzeit sondiert der Vertrieb die Potenziale auf den einzelnen Märkten, bestätigte ein Sprecher. Das Preisniveau werde auf Höhe des aktuellen VW-Modells Fox liegen, das in Mexiko produziert wird und in Deutschland für weniger als 10 000 Euro erhältlich ist. Das Vorhaben unterstreicht den Kurs Winterkorns, wieder verstärkt preisgünstige, praktische und emotional packende Kleinwagen nach dem Vorbild des Käfer anzubieten. „Ich bin mir sicher, dass VW mit dem Up in eine neue Markendimension vorstoßen wird“, sagte Winterkorn gestern bei der Premiere der Studie auf der IAA.

Der heutige Chefkontrolleur Piech hatte bereits zu seinem Abschied als VW-Vorstandschef im April 2002 einen Prototypen eines Ein-Liter-Autos vorgestellt. Zusammen mit seinem mittlerweile abgetretenen Nachfolger Bernd Pischetsrieder, der hinter Piech saß, fuhr er mit dem zweisitzigen Konzeptfahrzeug zur Hauptversammlung des Konzerns nach Hamburg. Das schmale Fahrzeug mit einer Karosserie aus leichtem Karbon soll dabei lediglich 0,89 Liter Treibstoff auf 100 Kilometern verbraucht haben. 2005 wurde die Entwicklung unter Hinweis auf die hohen Produktionskosten der Karosserie eingestellt. „Damals hat das Bauteil 35 000 Euro gekostet, heute kann es für 5000 Euro produziert werden“, sagte Piech. Das liege nicht zuletzt daran, dass der Einsatz von Materialien wie Karbon und Harzen, die einen geringen Verbrauch erst möglich machen, heute erheblich günstiger sei.

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