Sparte Material Science

Bayer sagt dem Kunststoff adieu

Bei Bayer läuft die Abspaltung der Kunststoffsparte auf Hochtouren. Der Trennungsschmerz hält sich in Grenzen – die aktuelle Lage des Konzerns unterstreicht dies. Das größte Problem ist zunächst die Namenssuche.
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Der Niederländer richtet den Konzern vor allem auf Pharma und Pflanzenschutz aus. Quelle: dpa
Bayer-Chef Marijn Dekkers

Der Niederländer richtet den Konzern vor allem auf Pharma und Pflanzenschutz aus.

(Foto: dpa)

Alteingesessene Bayer-Mitarbeiter haben all das schon einmal erlebt: Aus dem über Jahrzehnte gewachsenen Chemie- und Pharmakonzern aus Leverkusen wird ein erheblicher Teil herausgeschnitten und auf eigene Beine gestellt. Vor zehn Jahren waren es die Chemiegeschäfte, die in Lanxess aufgegangen sind. Jetzt ist es die Kunststoffsparte namens Bayer Material Science (BMS), von der sich Bayer trennt und sich so ganz auf Pharma und Pflanzenschutz fokussiert.

Die Trennung läuft auf Hochtouren. Bis zum 1. September soll BMS in eine rechtlich eigenständige Aktiengesellschaft überführt werden – mit allem, was dazu gehört wie eigener IT, Einkauf und Personaldienstleistungen. Das ist in Leverkusen kein simpler Schritt: Bei Bayer sind derartige Aufgaben für alle Teilbereiche in Servicegesellschaften konzentriert, die wie Dienstleister für die Pharma, Pflanzenschutz und Kunststoffsparte arbeiten. In wenige Wochen will das BMS-Management um CEO Patrick Thomas, Finanzchef Frank Lutz und Arbeitsdirekor Michael Bernhardt bereits eine eigene Bilanz für BMS vorlegen.

Auch muss ein neuer Namen her, ein „schönerer als BMS“, wie es Bayer-Konzernchef Marijn Dekkers formuliert. Doch die Suche gestaltet sich nicht einfach, wie es im Unternehmen heißt. Im Digitalzeitalter mit jährlich hunderten neuen Internetanbietern ist die Nachfrage nach Kunstnamen hoch – und die Rechte an attraktiven Namen sind vielfach vergeben.

Im Unternehmen stehen weiterhin alle Zeichen auf einen klassischen Börsengang für BMS. Bayer hält sich bislang beide Optionen offen, also auch einen Spin-off, bei dem die Anteile an BMS an die bestehenden Bayer-Aktionäre verteilt werden. Doch das Management will sich in einem richtigen Börsengang inklusive Roadshow beweisen und die Investoren überzeugen.

Für Dekkers hat dies ohnehin Priorität, denn dann fließt Geld in die Kasse des Bayer-Konzerns, das er nach der jüngsten Milliardenübernahme in der verschreibungsfreien Medizin gebrauchen kann. Analysten taxieren den Wert von BMS auf rund zehn Milliarden Euro, das Volumen des Börsengangs wird auf drei Milliarden Euro geschätzt.

So verdient Bayer sein Geld
Hauptversammlung Bayer
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Bayer HealthCare - Umsatz: 18,92 Milliarden Euro

Die Arzneimittelsparte ist immer noch der größte Umsatzbringer für den Konzern, 56.000 Mitarbeiter sind in dieser Sparte angestellt. Weltweit ist Bayer bekannt für die Schmerztablette Aspirin. Doch auch Tiermedizin (Animal Health), verschreibungspflichtige Arzneimittel (Pharmaceuticals) und medizinisches Gerät wie Blutzuckermessgeräte (Medical Care) werden diesem Unternehmensbereich zugerechnet.

Bayer Bilanz
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Allein 11,1 Milliarden Euro verdient Bayer dabei mit verschreibungspflichtigen Mitteln, Umsatztreiber sind unter anderem das Krebsmittel Nexavar und Betaferon, das bei Multipler Sklerose eingesetzt wird. Die Entwicklung neuer Mittel lässt sich der Konzern einiges kosten. Im Jahr 2013 wurden rund zwei Milliarden Euro in die Forschung investiert.

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Bayer MaterialScience - Umsatz: 11,24 Milliarden Euro

Die Kunststoffsparte des Konzerns macht zwar einen hohen Umsatz, der Gewinn fiel im Jahr 2013 mit 429 Millionen Euro allerdings schmal aus. Darum will sich der Konzern nun langsam aus diesem Geschäft verabschieden. Unterteilt wird die Sparte in die Geschäftsbereiche Polyurethanes, Polycarbonates und Spezialkunststoffe.

Bayer AG
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Hauptsitz von Bayer MaterialScience ist Leverkusen. Allerdings ist die Mitarbeiterzahl der Sparte schon im Jahr 2013 leicht auf 14.300 Mitarbeiter geschrumpft.

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Bayer CropScience - Umsatz: 8,82 Milliarden Euro

Dafür wächst die Agrarsparte von Bayer derzeit rasant und kann allein 2013 einen Gewinn von 2,25 Milliarden Euro ausweisen. Unterteilt wird dieser Geschäftsbereich in Pflanzenschutz, Samen und Umweltwissenschaft.

Hauptversammlung Bayer - Proteste
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Immer wieder gerät der Konzern wegen seiner Forschungen allerdings auch in die Kritik. Tierschützer verlangen von Bayer, in der Forschung künftig auf Tierversuche zu verzichten.

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Bayer Technology Services

Neben den drei großen Sparten des Konzerns betreibt Bayer auch eine eigene Technikabteilung, um technologische Lösungen für Anlagen und Produkte zu erarbeiten. 2.350 Mitarbeiter arbeiten in diesem Bereich.

Trennungsschmerz hält sich in Grenzen
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