Chef der Messegemeinschaft
Nur Partnerschaften im Ausland sichern die Zukunft

Deutsche Messeveranstalter sehen ihre größten Wachstumschancen derzeit im Ausland. Doch dort herrscht ein messerscharfer Wettbewerb. Nur wenn die Deutschen über ihren Schatten springen, könnte es eine Chance geben.
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KölnDie deutschen Messegesellschaften müssen nach Ansicht des Kölner Messechefs Gerald Böse im Ausland stärker zusammenarbeiten, um konkurrenzfähig zu bleiben. „Es geht für die deutschen Veranstalter jetzt darum, dass sie den Anschluss in Wachstumsmärkten wie Indien, Brasilien, Russland und China nicht verlieren. Deshalb muss man dort auch über Kooperationen nachdenken, die vielleicht in Deutschland nicht unbedingt möglich sind“, sagte Böse.

Böse ist seit Anfang des Jahres Vorstandssprecher der Gemeinschaft Deutscher Großmessen (GDG), die sieben Messegesellschaften vertritt. „Im Ausland verfolgen die großen privaten Messeveranstalter in den boomenden Märkten eine sehr aggressive Strategie. Sie sind dabei, ihre Marktanteile auszubauen oder durch Übernahmen gezielt ihr Portfolio zu erweitern“, erläuterte Böse. „Da muss man als deutsche Messegesellschaft sehen, dass man nicht abgehängt wird.“ Der richtige Weg sei es, die vorhandenen Leitmessen in Deutschland weiter auszubauen - wie es dem Auftrag der kommunalen Träger entspricht - und mit der vorhandenen Branchenkompetenz gleichzeitig starke regionale Messen in den Auslandsmärkten zu etablieren.

Aber auch in Deutschland sei der Messe-Kuchen noch nicht endgültig verteilt, betonte Böse. „Es wird immer wieder Lücken geben, in die jemand vorstößt, es wird immer wieder Standortwechsel von Messen geben, weil Termine nicht passen, die Infrastruktur nicht ausreicht oder die Industrie einen neuen Partner sucht.“ Als Wachstumsbranchen sieht er unter anderem die Themen Gesundheit, Kommunikation, Ernährung und Umwelt. Am Messestandort Deutschland habe es in den vergangenen Jahren einen deutlichen Trend zur Spezialisierung gegeben. „Aber jetzt ist der Punkt gekommen, an dem man aufpassen muss, dass es nicht zu kleinteilig wird“, warnte der Chef der Messegesellschaft Koelnmesse.

„Es gibt zwischen einzelnen Branchensegmenten sinnvolle Überschneidungen und Synergien, die man nicht dadurch aufbrechen darf, dass man jeden dieser Bereiche zu einer einzelnen Spezialmesse mit eigenem Termin an eigenem Ort macht. Eine internationale Leitmesse lebt schon davon, dass sie über eine gesamte Branche einen kompetenten Überblick vermittelt.“ Etwas anderes sei es, wenn ein Bereich für sich genommen eine sehr große wirtschaftliche Bedeutung habe und mittel- bis langfristig auch international weiteres dynamisches Wachstum verspreche. „Das sind dann natürlich berechtigte Spezialisierungen, die eine eigenständige Messe rechtfertigen.“

Erfolgreiche Beispiele dafür seien die einst aus der Hannover Messe hervorgegangene Computermesse Cebit oder die Kölner Fachmesse für Lebensmitteltechnologie, Anuga Food Tec, die ursprünglich Teil der Ernährungsmesse Anuga war. „Generell glaube ich, dass es eine Konzentration auf die wirklichen Leitmessen in Europa geben wird, und dafür werden andere Zweit- oder Drittmessen eher zurückgehen“, sagte Böse.

Zur GDG gehören die Messegesellschaften Berlin, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Hannover, Köln, München und Nürnberg. Zusammen erwirtschaften sie mit knapp 2 Milliarden Euro etwa zwei Drittel des Umsatzes aller deutschen Messeveranstalter.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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