Chinesische Einkaufstour
Ohne Formel kein Erfolg

An die Namen etlicher chinesischer Firmen müssen wir uns gewöhnen. Sie fallen immer wieder durch Übernahmen deutscher Mittelständler auf und schmücken sich mit deren Marken. Ein Kommentar.
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Es sind die Namen chinesischer Firmen, die gerade auf Einkaufstour in Europa sind. Sie sind auf der Suche nach Marken – nach starken Marken. Am liebsten kaufen sie gleich Weltmarktführer. So wie die chinesische Sany den schwäbischen Hersteller von Betonpumpen, Putzmeister. Und wenn nicht alles täuscht, wird bald der große Unbekannte Xuzhou Construction Machinery Group (XCMG) beim westfälischen Baumaschinenhersteller Schwing einsteigen.

Die auffällig häufigen Übernahmen deutscher Mittelständler durch Chinesen fügt sich ein in eine Serie aus jüngster Vergangenheit. Geely schnappte sich die schwedische Automarke Volvo, Hebei den weltbekannten Hersteller von Autoschlössern, Kiekert. China National Bluestar langte in Norwegen zu und ist jetzt Eigentümer des Siliziumspezialisten Elkem – ein Milliardendeal.

Die Reihe ließe sich fortsetzen. Allein im vergangenen Jahr gingen 15 deutsche Firmen an Käufer aus dem Reich der Mitte. Und wir können davon ausgehen, dass selbst die unbekannteren, kleinen Namen in ihren Branchen meist Weltruf genießen.

Doch was treibt die offensichtlich potenten Einkäufer aus den chinesischen Provinzen dazu, ein Unternehmen nach dem anderen mit großem Namen in Europa aufzukaufen? Und – wen wundert es – bei ihrer Suche vor allem in Deutschland fündig zu werden?

Wichtig ist Chinesen zweifellos, sich mit klingenden Namen zu schmücken. Nach Miele würde sich vermutlich jeder Hausgerätehersteller zwischen Schanghai und Peking die Finger lecken. Doch allein die Trophäe davonzutragen wird auch einem markenversessenen Chinesen nicht reichen. Am Ende muss selbst im Staatskapitalismus Geld verdient werden.

Bleibt also das zweite Argument: der Einkauf von Know-how. Nach Größe gemessen, spielen viele Firmen aus China längst in der Weltliga. Das bringt schon der riesige Heimatmarkt mit sich. Gemessen an den Produkten oder der Technik, hinken ebenso viele meilenweit hinter den Branchenführern her.

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Ohne Formel kein Erfolg

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Viele dieser Käufe werden scheitern

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  • Man kann emotional zu dem Putzmeister-Deal stehen wie man will, aber gerade dieser Deal ist aus chinesischer Sicht doch genial: Zugang zu erstklassiger Marke/Technologie, erstklassige Marktpräsenz weltweit. Und Putzmeister selbst hat jetzt auch noch erstklassigen Zugang zu China (Absatzmarkt, Beschaffungsmarkt).

    Ob der Deal ein Fiasko werden wird für Sany hängt wohl von den Erwartungen Sanys ab: lt. einem FTD-Bericht von gestern erwartet der chinesische Sany-Chef und -Eigentümer von Putzmeister einen Umsatzsprung auf € 2 Mrd bis 2016. Auch andere Baumaschinen sollen noch verkauft werden (z. B. Betonmischer). Aber ich gehe mal davon aus, dass Putzmeister gute Gründe gehabt hat, keine Betonmischer zu verhöckern. Letztlich bedeutet die Hinwendung zu anderen Produkten doch, dass man sich von einem der Erfolgsfaktoren der sog. "Hidden Champions" verabschiedet, nämlich der (leidenschaftlichen) Konzentration auf die Lösung von bestimmten Problemen der Kunden. Oder ist dieses Geschäftsmodell jetzt "out"?

    Interessant wird in diesen Zusammenhang auch sein, wie die Mitarbeiter bei Putzmeister die Umstellung bewältigen werden, nämlich jetzt letztlich einem chinesischem Herrn dienen, nach China berichten und mit dortigen (z. B.) Entwickler-Kollegen Wissen teilen zu müssen. Und welche Freiheiten die Putzmeister-Kreativen (Entwickler, Service-Leute etc.) künftig noch haben werden. Und welche Auswirkungen der Eigentümer- und Strategiewechsel auf die Attraktivität als künftiger Arbeitgeber haben wird - und ob es zu einem Exodus von Schlüsselleuten kommen wird, denn die können vermutlich auch attraktive Jobs bei Liebherr, Bauer etc. haben. (Das wären doch auch Fragen, denen ein Journalist nachgehen könnte.)

    Ich bin gespannt, was Sany aus der Perle Putzmeister die nächsten Jahre machen wird.

  • Die Frage bleibt wollen sie für einen chinesischen Chef arbeiten? Age-based society ohne die Kenntnis der Emanzipation/sexuellen Revolution. Gesetz und Gehorsam, Hinterfragen des Systems nicht erlaubt. Der Wettbewerb um Technik ist alles. (im sozialen Bereich sind die Asiaten doch noch immer 50 Jahre zurück)

  • Eine ziemlich gute Frage, aber ich glaube es war noch nie anders, ich glaube die Marktprinzipien wurden immer schon gebogen und gebrochen, frei nach "politischem" Bedarf.

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