Deutsche Messe Hannover: Warum Wolfram von Fritsch die Wende schaffen muss

Deutsche Messe Hannover
Warum Wolfram von Fritsch die Wende schaffen muss

Nach Jahren des Verlusts muss Wolfram von Fritsch die Deutsche Messe endlich finanziell unabhängig machen. Ein Porträt über den Chef des Veranstalters der Hannover Messe.
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HamburgHöflich pariert Wolfram von Fritsch Fragen nach dem Erfolg seines Plans, die Deutsche Messe AG in Hannover profitabel zu machen. Die Umgangsformen des Messechefs gereichen einem Diplomaten zur Ehre. Inhaltlich lässt er keinen Zweifel daran, die Sanierung durchzuziehen. „Etwas anderes kann ich mir nicht vorstellen“, sagt der Manager.

Nach Jahren des Verlusts will von Fritsch im Zeitraum von 2011 bis 2014 zumindest in Summe Gewinn machen. Das hat der 49-Jährige den Anteilseignern, dem Land Niedersachsen und der Stadt Hannover, versprochen und sich vor zwei Jahren „einmalig“, wie er betont, 250 Millionen Euro an Steuergeldern zuschießen lassen.

Knapp 200 Millionen Euro – fast die Hälfte ihres Anlagevermögens – schrieb die Deutsche Messe AG daraufhin auf den Wert des rund eine Million Quadratmeter großen Geländes in Hannover-Laatzen ab, um die Ertragssituation zu verbessern. Operativ fiel 2009 bei einem Umsatz in Höhe von 222 Millionen Euro erneut ein Verlust (Ebitda) von 28 Millionen Euro an.

Von Fritsch, seit Sommer 2008 an der Spitze der Messegesellschaft, ist hart im Nehmen. Der Sturz aus einem Baumwipfel, den er zuvor beschnitten hatte, brachte ihm Anfang des Jahres schmerzhafte Wirbelbrüche bei. Ausnahmsweise trug der sonst korrekt Gewandete in den vergangenen Wochen deshalb bei den obligatorischen Empfängen keine Krawatte – hielt aber eisern am Programm im für die Niedersachsen wichtigsten Zeitraum des Jahres fest. In die Monate März und April fallen die kriselnden Klassiker Cebit und Hannover Messe. Jetzt trägt er wieder Binder.

Die Mission bleibt heikel. Für von Fritsch soll 2011 als „Wendejahr“ in die Unternehmenshistorie eingehen – und die Messe wieder in die Vorwärtsbewegung kommen. Dazu hat der Chef mitten in der Krise das Effizienz- und Wachstumsprogramm Hermes Plus aufgelegt. 2009 und 2010 sparte er jeweils 20 Millionen Euro. Über vier Jahre will er unter dem Strich 100 Millionen Euro herausholen. Den Erfolg misst der gelernte Bankkaufmann und promovierte Jurist an 15 Kennzahlen.

Doch entscheidend wird sein, ob der Manager es schafft, die mehr als 850 Mitarbeiter der Messe mitzunehmen auf dem Weg vom „Unternehmen, das Hallenfläche vermietet“ (von Fritsch) hin „zum dynamischen Dienstleister für unsere Aussteller“.
Den Spagat kennt von Fritsch aus seinen Jahren bei der Deutschen Bahn. Dort begann er 1993 als Assistent von Bahn-Chef Heinz Dürr. Zuletzt verantwortete er den Personenverkehr in Norddeutschland. Jetzt muss von Fritsch zeigen, dass er den Wandel selbst treiben kann.

Das gewaltige Messegelände muss dauernd bespielt werden, was mehrere Veranstaltungen parallel erfordert. Ein neuer Eingang im Süden soll das erleichtern. Frische Konzepte wie die digitale Fabrik müssen die Leitmesse in Hannover auf der Höhe der Zeit halten, neue Schwerpunkte im Ausland, etwa in Russland, das Geschäft verbreitern.

Größe allein, das weiß von Fritsch, bedeutet nichts. Absehbar werden die aufstrebenden Messeplätze in China die Niedersachsen flächenmäßig überholen – in der Relevanz soll das nicht gelingen.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur

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