Hannover Messe
Die Energiewende kommt, aber wie schnell?

Die Katastrophe in Fukushima hat die Energiebranche auf den Kopf gestellt. Davon profitieren vor allem Unternehmen die alternative Energien anbieten. Umso selbstbewusster präsentieren sich diese auf der Hannover Messe.
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Hannover Die Windindustrie hat sich für die Energiewende in Stellung gebracht. Die Stände der Windradbauer Enercon, Nordex und Repower füllen eine komplette Halle auf der Hannover Messe. Die Aufmerksamkeit ist ihnen gewiss. Gestern schaute Kanzleramtschef Roland Pofalla (CDU) beim Rundgang zum Messeauftakt vorbei. Für heute hat sich Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) angekündigt. Die Politiker wollen wissen, wie leistungsfähig die Windindustrie ist.

Seit dem Reaktorunglück in Japan ist nichts mehr wie es war, wie so ziemlich jeder Redner betont. Deutschlands Energieversorgung wird umgerüstet, sind sich Vertreter der Industrie einig. Weniger Atomkraft, dafür mehr Strom aus Wind und Sonne.

Beim Hamburger Windkraftanlagenbauer Nordex passt das Timing: Rechtzeitig zur Energiewende präsentiert Nordex eine neue Anlage, speziell für Schwachwindregionen in Europa. "Die sind gut für Bayern und Baden-Württemberg geeignet", sagt ein Nordex-Sprecher und hofft, dass die Bundesländer nach der radikalen Strategiewende der Bundesregierung nun endlich ihre Landschaften für Windkrafträder öffnen. Vom anbrechenden Wandel profitiert Nordex schon heute. Die Hanseaten holten sich knapp 60 Millionen Euro über eine Kapitalerhöhung. Stieß diese bei Bekanntgabe vor vier Wochen noch auf verhaltenes Interesse, war sie letztendlich dreifach überzeichnet.

Die Energiewende kommt, fragt sich nur wie schnell. Während Vertreter der Solarbranche wie Solarworld-Chef Frank Asbeck Atomstrom bereits ab 2017 durch erneuerbare Energie ersetzen wollen, halten viele Manager in Hannover ein solches Ziel für wenig realistisch. Ein Kernproblem sind die Netze. Allein um den Strom der geplanten Offshore-Windparks in die Ballungszentren Nordrhein-Westfalens und Südhessens zu transportieren, sind mehrere Hundert Kilometer an Leitungstrassen nötig. Die müssen gebaut werden, fragt sich nur wo. In Niedersachen haben Bürger gegen drei geplante Hochspannungsleitungen sage und schreibe 14000 Einwände vorgebracht.

Die gilt es nun abzuarbeiten, erst dann hätte man eine Sicherheit, dass die Projekte tatsächlich realisiert werden. Einer, der das mit Sorge betrachtet, ist ABB-Manager Peter Smits. "Wir brauchen diese Leitungen, andernfalls kommt der Strom nicht zum Kunden", sagt er. ABB liefert diese Stromleitungen, mit Bestellungen halten sich die Deutschen indes zurück. "Erst brauchen wir Planungssicherheit." Andere Länder sind schneller. "Wir haben viele Aufträge aus China und Brasilien", sagt Smits. Kämen neue Aufträge aus Deutschland hinzu, müsste wohl die Kapazität erweitert werden.

Der Fokus in Hannover liegt nicht allein auf dem Atomausstieg. "Energieeffizienz ist ein großes Thema", sagt Roland Kretzschmar vom Roboterbauer Kuka. In den vergangenen Jahren sei das Interesse an sparsameren Anlagen gewachsen. Auf dem Messestand hat Kuka eigens eine Ecke dafür reserviert. Die neue Robotergeneration verbraucht ein Drittel weniger Strom als die vorherige. "Wenn es hilft, dass eine oder andere Atomkraftwerk vom Netz zu nehmen, machen wir das gerne", sagt Kretzschmar.

Am Siemens-Stand hingegen wummern die Bässe. Während DJ Anna Reusch auflegt, zeigt die Videowand Bilder vom Kohleabbau. Dazu erzählt ein Siemens-Experte, wie die Industriekunden ihren Energieverbrauch durch effiziente Systeme optimieren können. "Alles arbeitet zusammen - wie bei einem perfekten Song." Und wieder hämmern die Bässe durch die Halle. Man kann den Sound als Klingelton im Internet herunterladen, verkündet der Sprecher zum Abschluss der Präsentation. ax, mur, wt, gil

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