Spekulationen über Gründe
Rusal legt Mega-Börsengang auf Eis

Der russische Aluminiumhersteller United Company Rusal (UCR) hat Medienberichten zufolge seinen für dieses Jahr geplanten neun Milliarden Dollar schweren Börsengang in London wegen der internationalen Finanzkrise verschoben. Das Geschäft wäre der weltweit größte Börsengang des Jahres gewesen.

MOSKAU. UCR-Haupteigentümer Oleg Deripaska erklärte am Rande einer russisch-chinesischen Wirtschaftskonferenz in Sotschi, es werde in diesem Jahr kein IPO geben. Der Börsengang sei auf „unbestimmte Zeit verschoben", sagte Deripaska nach Angaben von Bloomberg. Grund sei die Situation an den internationalen Finanzmärkten.

Noch im Mai hatte Wiktor Wekselberg, einer der Miteigentümer des Alu-Konzerns, November 2007 als möglichen Termin für den Gang auf das Parkett ins Spiel gebracht. Gulschan Moldaschanowa, Vorstandschefin der Rusal-Mutterholding Basowy Element (BE), hatte im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt, dass der Aufsichtsrat im September über die Pläne entscheide. Der Konzern hat dem Vernehmen nach Morgan Stanley, JP Morgan Chase und die Deutsche Bank als Partner engagiert.

UCR war erst in diesem Jahr aus dem Zusammenschluss des größten russischen Aluminiumhersteller Rusal mit dem kleineren Rivalen Sual und dem schweizerischen Metallhändler Glencore entstanden und wird mehrheitlich vom Oligarchen Oleg Deripaska über seine Holding BE kontrolliert. UCR zählt zu den Marktführern der Branche weltweit, die derzeit in einer Phase der Konsolidierung steckt. Eine UCR-Sprecherin wollte eine Änderung der Börsenpläne nicht näher kommentieren: Die Eigentümer hätten beschlossen, innerhalb von drei Jahren nach der Gründung von UCR ein IPO durchzuführen, „dieser Plan besteht, es gibt keine neue Situation", so die Sprecherin.

Beobachter sehen ein ganzes Bündel möglicher Gründe für Zurückhaltung bei Rusal. Ob tatsächlich vor allem die Markt-Turbulenzen im Zuge der Subprime-Krise hinter der Verschiebung der Börsenpläne stehen, ist keinesfalls klar: Noch im April hatte Rusal-CEO Alexander Bulygin im Gespräch mit dem Handelsblatt die Erwartung geäußert, die Aluminumpreise könnte im nächsten Jahr auf 4 000 Dollar pro Tonne klettern – von damals rund 3 000 Dollar. Gestern stand der Preis für das Metall in London jedoch „nur" bei rund 2 400 Dollar.

Ein Analyst wagt die Vermutung: „Es ist nicht der Markt, es ist etwas anderes". Schon bei den Verhandlungen über die Fusion waren die Börsenpläne ein heißes Eisen. Sual hatte von sich aus bereits Vorbereitungen für ein IPO getroffen, Rusal und damit auch Eigentümer Deripaska einen solchen Schritt aber ausgeschlossen. Die schließlich getroffene Vereinbarung, sollte vor allem den Minderheitsaktionären als ein goldenes Tor für den Ausstieg dienen. Deripaska sehe nach wie vor keinen Sinn im Gang aufs Parkett, heißt es in Bankenkreisen. Die Konzern-Manager seien zwar immer wieder zu Gesprächen in London gewesen, um den Zeitplan für November einzuhalten, hätte aber längst die Road-Show beginnen müssen.

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