Spekulationen über Vattenfall-Ausstieg
Krümmel und das Image der Kernkraft

Die Pannenserie im AKW Krümmel hat die Energiewirtschaft und die Atombefürworter auf den Plan gerufen. Es geht um die Image-Rettung einer ganzen Branche, um Vertrauen in die Sicherheit und auch um politische Standpunkte. Denn der Zwischenfall im Meiler in Krümmel liefert vor allem jenen Argumente, die am Atomausstieg festhalten wollen.

HB FRANKFURT/MAIN. RWE Power äußerte sich am Samstag besorgt über eine Diskreditierung der Kernenergie insgesamt. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel forderte die Abschaltung des Meilers in Krümmel, um die Zukunft der Atomenergie zu sichern. Wie er kritisierte auch der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber die Betreiberfirma Vattenfall scharf. Während der CSU-Politiker eine Abkehr vom Atomausstieg forderte, bekräftigte SPD-Chef Kurt Beck das Festhalten daran.

Einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", wonach sich der Energieversorger Vattenfall aus den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel zurückziehen wolle, hat Vattenfall dementiert. Das Unternehmen erklärte am Samstag: „Eine Übertragung unserer Anteile oder unserer Betreiber-Lizenz auf Eon steht nicht auf der Tagesordnung.“ Vattenfall Europe ist nach eigenen Angaben an den Kernkraftwerken Brokdorf mit 20 Prozent, an Brunsbüttel mit 66,6 Prozent und an Krümmel mit 50 Prozent beteiligt. Die jeweils anderen Anteile hält Eon. Die Betriebsführung für Brunsbüttel und Krümmel liegt bei Vattenfall, wie das Unternehmen weiter mitteilte. Der „Spiegel“ hatte vorab berichtet, zwischen Vattenfall und Eon habe es bereits Gespräche dazu gegeben, die Betreiberlizenz für Krümmel und Brunsbüttel an Eon abzugeben. Wegen einer besseren Reputation Eons beim Betreiben von Atomreaktoren könne damit eine drohende Schließung der Atommeiler abgewendet werden.

Ein Sprecher des Energieversorgers RWE Power sagte der Nachrichtenagentur AP: „Wir haben die Befürchtung, dass der ein oder andere die gegenwärtige Entwicklung nutzt, um die Kernenergie in Gänze zu diskreditieren.“ Die „Berliner Zeitung“ berichtete von „massiver Verärgerung“ bei RWE, aber auch bei der Eon AG, die Miteigentümer der Atommeiler Krümmel und Brunsbüttel ist, wegen des schlechten Krisenmanagements von Vattenfall. Angesichts der aktuellen Debatte gebe man den beantragten Laufzeitverlängerungen für die Meiler Biblis A, Brunsbüttel und Neckarwestheim 1 nun so gut wie keine Chance mehr, berichtete das Blatt unter Berufung auf informierte Kreise.

Der FDP-Generalsekretär Niebel begründete seine Forderung nach einem Aus für Krümmel mit den Worten: „Wir haben immer gesagt: Unsichere Kraftwerke gehören abgeschaltet.“ In der „Berliner Zeitung“ kritisiert er die Betreiberfirma scharf: „Das blamable Krisenmanagement des Vattenfall-Konzerns macht mich sprachlos.“

Der bayerische Wirtschaftsminister Huber, der sich im September um den CSU-Vorsitz bewirbt, forderte Konsequenzen aus der Pannenserie. „Die Vorkommnisse ändern aber nichts daran, dass Deutschland die sichersten Atomkraftwerke der Welt hat“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Die SPD forderte Huber auf, „ihre ideologisch bedingte Haltung zur Kernkraft überwinden“.

SPD-Chef Beck sagte dagegen am Rande des Parteitags der bayerischen SPD in Würzburg, eine Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken komme nicht in Frage. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller (SPD), warf Vattenfall-Chef Klaus Rauscher eine Verweigerung von Transparenz vor.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%