Spekulationen um mögliche Trennung
Chemiekonzern Solvay prüft Pharma-Verkauf

Der belgische Chemie- und Pharmakonzern Solvay erwägt eine Trennung von seinem Arzneimittelgeschäft mit rund 2,7 Mrd. Euro Umsatz.

FRANKFURT. Das Unternehmen bestätigte entsprechende Spekulationen gestern indirekt mit dem Hinweis, man prüfe verschiedene Optionen für die Pharma-Aktivitäten. Dies umfasse auch Kontakte und Diskussionen mit Dritten. Die Aktie des Konzerns legte daraufhin um mehr als vier Prozent zu.

Die Überlegungen könnten auf einen weiteren größeren Deal in der Pharmabranche hinauslaufen, die derzeit von starken Konsolidierungstendenzen geprägt ist. Etliche Großkonzerne sind bestrebt, Wachstumsschwächen durch Zukäufe auszugleichen. Branchenführer Pfizer etwa will sich durch die Übernahme von Wyeth verstärken, Merck & Co plant den Kauf von Schering-Plough. Auch Konzerne wie Sanofi-Aventis oder Glaxo-Smithkline signalisierten in jüngerer Zeit Interesse an Akquisitionen.

Gemessen an den jüngsten Transaktionen in der Pharmabranche kann Solvay mit einem Verkaufserlös für die Pharma-Sparte von sechs bis acht Mrd. Euro rechnen. Der Konzern würde sich damit eine beträchtliche Kriegskasse zulegen, um die derzeit niedrigen Bewertungen für Akquisitionen im Chemiebereich zu nutzen. Andererseits würde er aber auch ein Geschäft aufgeben, das die Ertragsentwicklung des Gesamtkonzerns gegenwärtig stabilisiert.

Die Pharmasparte steuerte 2008 rund 28 Prozent zum Solvay-Gesamtumsatz von 9,5 Mrd. Euro bei, lieferte zugleich aber mehr als die Hälfte des operativen Gewinns von 965 Mio Euro vor Sonderposten. Der Umsatz stieg 2008 währungsbereinigt um acht Prozent und damit stärker als der Markt. Zu den Hauptprodukten gehören Herz-Kreislaufmittel, Hormonprodukte und Medikamente gegen neurologische Erkrankungen. Solvay baute das Pharmageschäft in den letzten Jahren unter anderem durch die Übernahme der französischen Gruppe Fournier und den Kauf des belgischen Biotechunternehmens Innogenetics aus.

Neben Bayer und der Darmstädter Merck-Gruppe ist Solvay eines der letzten Unternehmen, das Chemie- und Pharmageschäfte unter einem Dach betreibt. Die niederländische Akzo Nobel hat ihre Pharma-Sparte 2007 an Schering-Plough verkauft, die ihrerseits nun von Merck & Co geschluckt wird. Die meisten großen Chemie-Pharma-Konglomerate, darunter CIC, Sandoz, Ciba-Geigy und Hoechst, lösten sich bereits in den 90er-Jahren auf.

Im Chemiebereich produziert Solvay unter anderem PVC, verschiedene Spezialkunststoffe und Elektronik-Chemikalien. Der Chemie-Umsatz von Solvay sank 2008 um drei Prozent auf knapp 6,8 Mrd. Euro, während, der operative Gewinn um ein Drittel auf rund 500 Mio Euro.

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