Spekulationen um Übernahme
Siemens regt die Börsen-Phantasie an

Das Spiel an den großen Finanzplätzen läuft fast immer nach den gleichen Regeln. Es braucht zwei Namen, die richtigen Kanäle und schon geht es los. Zu beobachten in der Londoner City am vergangenen Mittwoch. Die Namen Invensys und Siemens genügten, um den Kurs des lange Zeit angeschlagenen britischen Anlagespezialisten markant nach oben zu treiben. Siemens sei an Invensys interessiert, hieß es.

MÜNCHEN. In der Konzernzentrale, dem rosa Palais am Münchener Wittelsbacher-Platz, sind die Siemens-Lenker mit dem Spiel vertraut. „Wir kommentieren Kapitalmarktgerüchte nicht“ lautet die Standard-Antwort. Der Name Invensys fiel in den vergangenen Monaten bereits ein halbes Dutzend Mal in Verbindung mit Siemens. Und nicht nur Invensys wurde auf dem Marktplatz der Gerüchte heiß gehandelt. Die französischen Konzerne Legrand und Alstom galten ebenso als Übernahmeziele wie die Schweizer ABB. Sogar der Autozulieferer Conti war im Gespräch.

Das belegt zunächst vor allem eines: Der Technologiekonzern ist inzwischen so aufgestellt, dass er an der Börse für erhebliche Phantasie sorgt. Lange Zeit beherrschten die Krisensparten Com und der IT-Dienstleister SBS die Schlagzeilen. Dabei ging fast unter, dass der Konzern im vergangenen Jahr zu den aktivsten Firmenkäufern in Europa zählte. Auf der Einkaufsliste stehen die österreichische VA Tech, der dänische Windkraftanbieter Bonus oder der Getriebespezialist Flender. Daneben finden sich auch kleinere Akquisitionen wie etwa Myrio und Chantry, zwei Softwarefirmen, die als Start-Ups begannen und die die hauseigene Venture-Capital-Einheit mitgefördert hat. Insgesamt 3,1 Mrd. Euro hat Siemens für Firmenkäufe im vorigen Jahr ausgegeben.

Wiederholt hat Konzernchef Klaus Kleinfeld erklärt, er könne sich jederzeit Zukäufe vorstellen, sie müssten nur rentabel sein und strategisch ins Portfolio passen. „Portfolio-Management ist für ihn das höchste“, heißt es aus der Zentrale. Da das Portfolio bei Siemens mit den 13 Geschäftsbereichen und insgesamt gut hundert operativen Einheiten traditionell gewaltig groß ist, kann das natürlich allerhand bedeuten.

Beispiel Invensys: Unter dem Dach des britischen Technologiekonzerns finden sich zahlreiche Anbieter von Prozess- und Automatisierungstechnik, die oft genug als Siemens-Konkurrenten auftreten. Ebenso ins Siemens-Schema passt der Invensys-Bereich Gebäudemanagement. Der dritte Bereich, Bahntechnik, kann sogar mit dem Traditionsnamen Westinghouse hausieren gehen. Alleine das löst in München einen Reflex aus – 1997 kauften die Deutschen das fossile Kraftwerksgeschäft des traditionsreichen US-Konzerns und integrierten ihn in den Bereich Power Generation.

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