Spezialchemiekonzern hat noch Geld in der Kriegskasse
DSM will Plastik-Sparte stärken

Der Akquisitionshunger der niederländischen DSM N.V. ist nach dem Erwerb der Vitaminchemie der Roche AG noch nicht gestillt. Finanzchef Henk van Dalen kündigte im Gespräch mit dem Handelsblatt an, DSM wolle nach dem rund 1,8 Mrd. Euro teuren Vitamin-Zukauf nun die Sparte Performance Materials verstärken.

HEERLEN. Die Kriegskasse sei noch gut gefüllt. Van Dalen: „Wir haben bis zu 500 Mill. Euro für eine Übernahme in diesem Sektor zur Verfügung.“

Damit ist der Chemiekonzern einer der wenigen, der seine Kapazitäten nicht konstant hält oder beschneidet. DSM hält laut van Dalen derzeit nach passenden Übernahmezielen bei Kunststoff Ausschau. Analysten erwarten, dass sich DSM in einem Geschäftsfeld verstärken wird, in dem das Unternehmen schon Erfahrungen hat, etwa bei Hochleistungsmaterialien für die Autoindustrie. „Kunststoffe für die Medizintechnik wären auch sinnvoll“, sagt Analyst Marcus Konstanti von Sal. Oppenheim. „Da hat DSM schon erste Schritte gemacht, ist aber noch kein starker Mitspieler am Markt.“

Dabei könnte DSM auch in den USA suchen, meint Konstanti. Das gliche Wechselkursrisiken aus. Und in Amerika sein anwendungsnahe High-Tech-Kunststoffsparten womöglich leichter zu finden als in Europa. Im übrigen werde DSM eher scheibchenweise zukaufen. Denn die Integration der Roche-Vitamine bindet zu viel Managementkapazität für eine zweite Großakquisition.

Allerdings lässt sich DSM mit einer Zukauf-Entscheidung noch Zeit. Denn diese soll sich in den Konzernplan „Vision 2005“ einfügen: Binnen zwei Jahren will DSM den Umsatz durch internes und externes Wachstum auf 10 Mrd. Euro steigern und zum führenden Spezialchemiekonzern aufschließen: der Degussa AG.

Im vergangenen Jahr setzte DSM 5,6 Mrd. Euro um und zog daraus knapp 400 Mill. Euro Jahresüberschuss. 2003 soll der Umsatz durch Akquisitionen auf rund 8 Mrd. Euro steigen. Eine Gewinnprognose machte van Dalen nicht.

Das Unternehmen, das vor mehr als 100 Jahren mit dem Kohleabbau im Limburger Becken begann und sich vor rund 50 Jahren auf die Petrochemie verlegte, hat durch deren Abgabe an die saudische Sabic Industries für über 2 Mrd. Euro 2002 eine erneute Kehrtwende eingeleitet. Künftig soll die Spezialitäten und Feinchemie bis zu vier Fünftel zum Umsatz von DSM beitragen.

Schon lange hat DSM die Roche-Vitamine im Visier – Branchenkenner wissen, warum. „Es gibt erhebliche Synergien zwischen der Sparte und dem übrigen DSM-Geschäft“, sagt Christian Faitz, Analyst bei Bank Julius Bär. Roche hatte die Sparte wie ein Pharmageschäft geführt und dabei nicht auf jeden Rappen geachtet. „Wir haben schon Potenzial für 100 Mill. Euro mehr Betriebsgewinn jährlich entdeckt“, sagt van Dalen. Auch drückte DSM den Kaufpreis um 200 Mill. Euro.

Das Geschäft bringt die Gruppe bei der Spezialchemie in eine neue Richtung: DSM will sich als Vorlieferant der Pharma- und Lebensmittelindustrie profilieren. „Der Pharmamarkt wächst im Jahr durchschnittlich um 8 %“, begründet van Dalen.

Zwar ist die Pharma-Zulieferung derzeit enorm unter Druck. Manche Analysten halten das Pharma-Outsourcing gar schon für tot. Doch baut sich DSM gerade Positionen in der Biosynthese auf. In Kürze entsteht für 100 Mill. $. eine Zellkulturanlage in Montreal. Zudem hat DSM 2002 von der Biotechfirma Crucell ein Verfahren zur Herstellung rekombinanter Eiweiße und monoklonaler Antikörper einlizensiert. „Das erlaubt es DSM, mit Anbietern wie Lonza oder Boehringer Ingelheim zu konkurrieren“, meint Analyst Ab Nieboer bei Rabobank Securities.

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