Spielekonsolen
Das zweite Leben der Playstation 3

Wie Phönix aus der Asche: Nach drei Jahren am Markt führt die gerne totgesagte Playstation 3 seit September weltweit die Verkaufscharts an. Geht die Langzeitstrategie des Elektronikriesen etwa doch noch auf? Das kommt auf den Standpunkt an, sagen Analysten.
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DÜSSELDORF. Das Blatt hat sich gewendet. Die Playstation 3, High-Tech-Videokonsole mit eingebautem Blu-Ray-Laufwerk für HD-Video, geht nach drei Jahren Durststrecke auf die Überholspur. Aber reicht die verbleibende Zeit noch aus, um aufgelaufene Milliardenverluste aufzuholen? Niemals, sagen Analysten und die Konkurrenz. Sie wetten darauf, dass schon in zwei Jahren eine neue Hardwaregeneration die alte ablösen und auch die PS3 zu Alteisen degradieren wird. Der Fünf-Jahre-Produktzyklus habe Tradition im Videospielemarkt. "Das ist falsch", hält Sony-Deutschlandchef Uwe Bassendowski dagegen. Der Markt habe sich fundamental geändert. "Wir werden bis 2012 starkes Wachstum bei der PS3 sehen, und bis 2016 sind weltweit über 150 Millionen verkaufte PS3 gar keine Utopie." Das wäre, bei zehn Jahren Produktzyklus, dann sogar mehr als die legendäre Playstation 2 geschafft hat. Sie wurde bis heute gut 140 Mio. Mal verkauft. Wer wird Recht behalten?

Nintendo gerät schwer unter Druck

Die aktuellen Zahlen sprechen für Sony und schockieren die Konkurrenz. Allen voran Satoru Iwata, Präsident von Nintendo. Zum ersten Mal seit drei Jahren, als seine Wunderkonsole Nintendo Wii Herzen und Wohnzimmer der Videospieler im Sturm erobert hat, musste er im September den Spitzenplatz der Charts in den USA für die PS3 räumen. Und das, obwohl die mit 299 Dollar immer noch 100 Dollar teurer ist als die Wii. Rekordverdächtige 490 000 PS3 gingen über die US-Ladentische. "Alle Konsolenhersteller haben von ihren Preissenkungen profitiert", so Anita Frazier, Analystin beim US-Branchendienst NPD Group. "Aber die PS3 war klarer Sieger mit einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr."

Ähnlich das Bild in Japan: Laut Branchendienst Enterbrain verkaufte Sony in Nippon im September mit rund 309 000 Stück ebenfalls erstmals auf Monatsbasis mehr PS3 als Nintendo Wiis. Weltweit wurden mittlerweile 28 Mio. PS3 verkauft, die Xbox 360 bringt es - mit einem Jahr Vorsprung - auf 34 Mio. Verkäufe. Nintendos Wii liegt noch immer meilenweit darüber, aber "Microsoft wollen wir Weihnachten einholen", so Bassendowski.

Nintendo ist in der Defensive, für das erste Halbjahr wurde ein Gewinneinbruch um satte 52 Prozent vermeldet. Für 2010 erwarten Marktbeobachter eine neue, verbesserte Wii.

Diese Schwäche will Bassendowski nutzen. Im Weihnachtsgeschäft soll mit Europa der dritte Dominostein im Milliardenpoker um Spiele und Multimedia-Wohnzimmer kippen: Im Oktober - in der Kalenderwoche 42 - lag etwa die PS3 in Deutschland mit rund 12 700 verkauften Einheiten erstmals Kopf an Kopf mit Nintendo. Der Dritte im Bunde, Microsoft, rangiert nach einem Absturz um gut 50 Prozent bei unter 3400 verkauften Xbox 360. "Das Weihnachtsgeschäft gehört uns", gibt sich Bassendowski kämpferisch. Er will von Oktober bis Dezember 460 000 Konsolen hier verkaufen - eine Verdoppelung zum Vorjahr.

Der Weg bis hierhin war hart für Sony: Zu spät im Markt, mit 599 Dollar viel zu teuer, zu laut, zu hoher Stromverbrauch, zu wenige Spiele. Kurz: Es gab nichts, was Kritiker zum Marktstart im November 2006 nicht bemängelten. Die Folgen waren verheerend, die Verkäufe schleppend. Verluste türmten sich auf.

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