Spieleverlag sieht trotz stagnierender Umsätze Wachstumspotenzial
Ravensburger-Gruppe spielt höheren Gewinn ein

In Deutschlands größtem Spieleverlag herrscht Zuversicht: „Unsere Kostensenkungsmaßnahmen greifen, deshalb werden wir dieses Jahr einen höheren Gewinn einfahren“, sagte der Chef der Ravensburger AG,Karsten Schmidt, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

RAVENSBURG. Allerdings muss sich das schwäbische Familienunternehmen mit einem stagnierenden Umsatz zufrieden geben. „Bei dem schwierigen Umfeld können wir damit aber ganz zufrieden sein“, betont der Manager.

Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen bei einem Umsatz von 254 Mill. Euro einen Jahresüberschuss von knapp 10 Mill. Euro. Wie hoch der Gewinn dieses Jahr genau ausfallen werde, wollte Schmidt nicht sagen. Zumindest was die Einnahmen angeht, muss der Manager jetzt zurückrudern. Im Frühjahr hatte Ravensburger noch einen im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegenen Umsatz gemeldet und für das Gesamtjahr ein moderates Plus prognostiziert. Vor allem das Auslandsgeschäft sei im Sommer aber nicht so gut gelaufen wie erhofft, bedauert Schmidt jetzt.

Ravensburger bewegt sich in einem schwierigen Markt. Viele große Markenhersteller der Spielwarenindustrie mussten in diesem Sommer kräftige Einbußen gegenüber dem Vorjahr hinnehmen. Die lange Hitzewelle sorgte für einen nicht erwarteten Ausfall. Mit der Puppenmanufaktur Götz aus Rödental wird ein renommierter Hersteller zum Jahresende sogar ganz aufgeben.

Insgesamt liege das Niveau der Branche etwa auf Vorjahresniveau, sagte eine Specherin von Vedes, der in Deutschland führenden Händlervereinigung. Angesichts der niedrigen Erwartungen sei das schon zufriedenstellend. Die Spielwarenindustrie und der Handel kämpfen seit Jahren mit zurückgehenden Umsätzen.

Bei Ravensburger läuft in diesen Tagen vor allem die Buchsparte besser als erwartet: „Der Verlag entwickelt sich sehr gut, die Umsätze steigen“, sagt Schmidt. Das Unternehmen konzentriert sich auf Kinder- und Jugendbücher und erzielt damit etwa ein Fünftel seines Umsatzes.

Das Kerngeschäft, der Spieleverlag, stehe dagegen vor allem im Ausland unter Druck. Besonders in Großbritannien und Frankreich würden die Ziele nicht erreicht, sagt Schmidt. In Deutschland seien die Umsätze dagegen sogar gestiegen. Doch das Geschäft mit Puzzles und Brettspielen bleibe schwierig. Schmidt: „Ich gehe davon aus, dass der Markt in den nächsten Jahren zurück gehen wird.“ Langfristiges Ziel sei es deshalb, den jetzigen Umsatz zu halten.

Größtes Sorgenkind der Oberschwaben ist nach wie vor das Spieleland. Schon vergangenes Jahr musste der Freizeitpark für Kinder ein Besucherminus von 11 % hinnehmen. Ausschlaggebend dafür war die Eröffnung des neuen Legolands in Günzburg, nur anderthalb Stunden von Ravensburg entfernt. Dieses Jahr hofft Ravensburger, wenigstens an die Besucherzahl von 310 000 vom vergangenen Jahr heran zu kommen. Dennoch: Nach wie vor schreibt der Park rote Zahlen.

Mittlerweile kann Ravensburger die Belastung des Spielelands aber wieder verkraften. Das war nicht immer so: Vor drei Jahren war die gesamte Gruppe mit 14 Mill. Euro ins Minus gerutscht. Seitdem hat die Firma ein Werk geschlossen, Stellen abgebaut und das Produktportfolio ausgedünnt. Zudem musste zwischenzeitlich der Chef gehen.

Künftig will Ravensburger vor allem durch Angebote für neue Zielgruppen wachsen. So sei eine neue Produktfamilie für Kleinkinder ausgesprochen gut angelaufen, sagte Schmidt. Darüber hinaus sei geplant, die Produktpalette im Ausland zu erweitern. Partner will sich das Unternehmen auch künftig nicht an Bord holen. „Wir können organisch wachsen.“

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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