Spielwaren-Hersteller
Bandai hat es auf Zapf abgesehen

Der japanische Spielwarenhersteller Bandai – bekannt für das virtuelle Küken Tamagotchi und die Action-Figuren „Power Rangers“ – will den börsennotierten deutschen Puppenhersteller Zapf Creation aufkaufen. Die Gelegenheit ist für beide Seiten günstig. Die angeschlagene Zapf bekäme eine starke Schulter, Bandai ein Unternehmen zum Schnäppchenpreis.

HB/jojo MÜNCHEN. Bandai biete 10,50 Euro je Aktie, teilte bandai am Dienstag mit. Für 100 Prozent müsste Bandai damit rund 84 Mill. Euro ausgeben. Es sei eine freundliche Übernahme geplant. Angestrebt würden mindestens 75 Prozent an Zapf; die offizielle Offerte solle im Juni vorgelegt werden. Bislang sind den Angaben zufolge noch keine Zapf-Aktien im Besitz von Bandai. Die Zapf-Papiere weiteten ihre Kursgewinne aus und notierten 9,2 Prozent fester bei 10,44 Euro. Der Kurs dümpelte davor über ein Jahr vor sich hin; davor war er auf das heutige niedrige Niveau abgestürzt.

„Die finanzielle Stärke von Bandai würde die Zukunft dieses deutschen Traditionsunternehmens langfristig sichern“, sagte Masayuki Matsuo, Präsident von Bandai Europe. Der Standort am Firmensitz in Rödental bei Coburg solle erhalten bleiben. Die Argumente überzeugten offenbar Aufsichtsrat und Vorstand. Beide sprachen sich kurz nach Bekanntwerden der Offerte für Bandai aus. Dies würde die Vertriebskraft stärken, hieß es.

Puppenhersteller Zapf – der einzige hier zu Lande börsennotierte Spielzeugproduzent – steckt tief in der Krise. Die Zahlen des Rödentaler Unternehmens sind katastrophal und von einem Aufschwung ist noch nichts zu sehen. Im Gegenteil, im ersten Quartal rutschte der einstige Börsenliebling noch tiefer in die roten Zahlen als vergangenes Jahr. In den ersten drei Monaten musste das Unternehmen bei einem Umsatz von 17,3 Mill. Euro einen Verlust von 5,3 Mill. Euro hinnehmen. Binnen Jahresfrist hat Zapf 120 Stellen gestrichen und beschäftigt jetzt noch 374 Mitarbeiter.

Wegen der katastrophalen Lage hatte der Aufsichtsrat Mitte Mai bereits dem Vorstandschef Thomas Eichhorn den Stuhl vor die Tür gesetzt. Zuvor hatte der Manager mehrere Jahre lang versucht, Europas größten Puppenproduzenten wieder auf Linie zu bringen. Der Erfolg blieb aus. Seit Jahren enttäuscht die Firma die Aktionäre mit Verlusten und verfehlten Prognosen. Zuletzt brachte eine Sonderprüfung noch zu Tage, dass sogar die Bilanzen gefälscht wurden.

Zapf leidet darunter, dass seine Marken (Baby Born, Baby Annabell, Chou Chou) bei den Kindern nicht mehr wie früher ankommen. Wettbewerber haben Zapf mit innovativen Konzepten überholt. Beispiel Hasbro: Mit seiner Puppenmarke "Bratz" hat der US-Konzern vorgemacht, wie sich neue Ideen weltweit erfolgreich vermarkten lassen. "Weil die Kinder rasch auf elektronische Medien übergehen, werden ganze Spielwelten entworfen", sagt Jürgen-Michael Gottinger von der Münchener Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner. Zapf ist gerade erst dabei, solche Konzepte einzuführen. Die neue Minipuppen-Kollektion "Missy Milly" basiert auf einer Fernsehsendung.

Zapf-Finanzvorstand Georg Kellinghusen versprach bei der Vorlage der Bilanzvorlage Anfang Juni, dass das Unternehmen im Laufe des Jahres operativ die Gewinnschwelle erreichen werde. Es gebe acht Restrukturierungsprojekte, die das Unternehmen wieder fit machen sollen. Kellinghusen zeigte sich zuversichtlich: "Wir haben im ersten Quartal den richtigen Schritt in die richtige Richtung getan." Im laufenden zweiten Quartal würde der Umsatz lediglich um einen einstelligen Prozentsatz unter Vorjahr liegen.

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